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Wie man der herrenlosen Hunde Herr wird

700 Kastrationen und 48 000 Kilogramm Futter: Ein studentisches Start-up hilft Tieren in Rumänien.

F.A.Z.

5.05.2022

Mariia-Simona Kirova

Heinz-Berggruen-Gymnasium, Berlin

In Europa gibt es mehrere Millionen Straßenhunde. Ihnen  fehlt es an Wasser, Unterschlupf und medizinischer Versorgung.   Die 2019 gegründete Hunderunde Luis Kesten & Fabio Lehnert GbR  hilft leidenden Hunden in Rumänien; dort sei die Lage besonders schlimm. Das soziale Start-up  will  zeigen, dass sich Geld auf eine soziale und umweltfreundliche Weise verdienen lässt.   Hinter dem Unternehmen  stehen zwei Freunde, die Studierenden Fabio Lehnert und Luis Kesten.

Der Firmensitz ist in Troisdorf in Nordrhein-Westfalen. Die Unternehmensidee entstand,  als Luis von einer Asienreise zurückkehrte. In einer Pizzeria habe  er Fabio von den  leidenden Tieren, die er  gesehen habe, erzählt.   Zusammen mit sechs Mitarbeitern verkaufen sie nun online Armbänder, Hundenäpfe und Kleidung. 

Die Armbänder bestehen aus  Steinperlen in verschiedenen Farben.   So kann die Besitzerin eines Australian Shepherds ein  „Australian Shepherd Armband“ in der passenden Farbenkombination kaufen. Der Preis beträgt 25 Euro je  Stück. Auch T-Shirts für 35 Euro und Hoodies für 59 Euro in der Farbe Schwarz gehören zum Sortiment.  Die Hundenäpfe bestehen aus Edelstahl und kosten 30 Euro. 

Das neueste Produkt  ist ein Buch der Gründer. Darin schildern sie  ihre in Rumänien gemachten Erfahrungen und geben Einblicke in das Leben der Straßenhunde.  Die Produktionskosten liegen bei 10 Euro; angefangen bei  12 Euro können die  Käufer selbst entscheiden, wie viel sie zahlen möchten.  Gibt man beispielsweise 47 Euro aus, wird davon eine Kastration in der Clinica Veterinara AIIVet finanziert.

Der Umsatz betrug  zwischen 2019 und Ende 2021 nach Lehnerts Angaben  rund  400 000 Euro, wovon  25 Prozent, rund 105 000 Euro,  an den Tierschutz gespendet wurden. Bisher wurden knapp 700  Kastrationen durchgeführt und 48 000 Kilogramm Futter gespendet.  Die Anzahl der Bestellungen je Tag liege bei  fünf bis sieben Artikeln.    51 Prozent des Produktpreises gehen laut Lehnert auf  die Produktionskosten zurück,  denn allein die neuen Hoodies auf den Markt zu bringen habe rund  12 000 Euro gekostet.   Die Kleidungsstücke werden aus Reststoffen der Fast-Fashion-Konzerne unter fairen Bedingungen in Kambodscha hergestellt. 

Das Start-up hat    einen „Impact Report“ für  2021 veröffentlicht: Von der  Spendensumme  von 74 814 Euro wurden 35 133 Kilogramm Hundefutter  gekauft, die Kastrationskampagnen vorangetrieben und  13 387 Euro in den Ausbau eines  Tierheims investiert.

Kunden sind  vor allem   Hundebesitzerinnen  zwischen 20 und 40 Jahren. „Das Wirtschaftssystem braucht neue Werte: Das muss die junge Generation herrichten“, meint der 24 Jahre alte Lehnert. Anfang Februar haben die Gründer ein großes Ziel verwirklicht und sind in Vollzeit in ihr Unternehmen  eingestiegen.

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