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Vollkommen geplättet

Alle Metallteile waren in einer Richtmaschine. Weltmarktführer Kohler stellt die Anlagen her.

F.A.Z.

3.03.2022

Arion Wiesler

Max-Planck-Gymnasium Lahr, Lahr

Wofür braucht man  eine Richtmaschine?  Produkte, die mithilfe dieser Maschinen entstehen, gehören zum Alltag: Sie  reichen von Autoteilen  über Stecker bis  zu Schlittenteilen für die deutsche Skeleton-Mannschaft. Eigentlich durchläuft jedes Metallteil  eine solche Maschine. Die Kohler Maschinenbau GmbH aus Lahr im Schwarzwald stellt sie her. In fast 60 Jahren hat  man  gut 6700 Metallverarbeitungsprojekte realisiert.

Das Unternehmen, das 115 Mitarbeiter beschäftigt, ist  in seiner  Branche nach eigenen Angaben globaler Marktführer. „Kurz gesagt, machen unsere Maschinen unebene Bleche eben“, erklärt  Geschäftsführer Hans-Peter Laubscher.  Indem die Bleche geplättet werden, wird die  Qualität verbessert; die Weiterverarbeitung ist leichter, der  optische Eindruck besser.

Das Material wird  mit mehreren versetzten Walzen in der Richtmaschine immer wieder „plastifiziert“, das heißt immer wieder so weit nach unten oder oben gebogen, dass es nicht elastisch bleibt und sich wieder zurückbiegt, sondern wirklich verbogen wird und somit am Ende perfekt eben und möglichst spannungsfrei herauskommt.

Die meisten Maschinen kosten zwischen 500 000 und 700 000 Euro, der Preis reicht bis 3 Millionen  Euro. Eine gesamte Bandanlage kann bis zu  6 Millionen  Euro kosten. Sie  besteht unter anderem aus der  Bandzuführ-anlage. Diese Anlage wird verwendet, um das aufgewickelte Material, den Coil, der von einer Haspel abgewickelt und in die Richtmaschine eingeführt wird, einem nachfolgenden Prozess zuzuführen. Oftmals seien dies Pressen, in denen das Metall dann zum Beispiel zu Computergehäusen oder Kochtöpfen verformt werde. Für Bandzuführanlagen gibt es noch   andere Hersteller auf der Welt, während es nach Laubschers Aussage  nur einen weiteren Wettbewerber im Bereich der Teilerichtmaschinen mit Richtspaltregelung gibt, der  aus Baden-Baden komme.

Die Kräfte, die während des Richtens eines nicht viereckigen Teils in einer Teile­richtmaschine entstehen, müssen mit einer  Richtspaltregelung ausgeglichen werden. Was Kohler so einzigartig mache, sei, dass hierbei auf hydraulische Systeme verzichtet werde. Stattdessen wird Elektromechanik verwendet, was in der Anschaffung  teurer ist, jedoch weniger Strom und Öl verbraucht.

Das Unternehmen hat  nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr    einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro  erzielt. Der Marktanteil im Bereich der Teilerichtmaschinen mit Richtspaltregelung belaufe sich auf ein Drittel.   Die Exportquote liege zwischen 50 und 75  Prozent;  jedes  Jahr baut man  50 bis 80  Maschinen. Das größte  Projekt des Unternehmens steht  in Nordrhein-Westfalen: drei insgesamt gut  100 Meter lange Bandanlagen  für die Automobilindus­trie. Rund 9 Millionen  Euro habe das gekostet, berichtet Laubscher. Solch eine Größenordnung komme freilich nur  einmal alle zehn Jahre vor.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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