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Veganer lässt man laufen

Ein Unternehmen aus München stellt ökologische Sneaker aus Holz, Kaffee und Stein her.

F.A.Z.

5.09.2019

Mina Haverkamp

Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

Der Trend zum veganen Lebensstil erfasst auch die Mode. „nat-2™ steht für Innovation und Tradition“, sagt Sebastian Thies, Schuhmacher in der sechsten Generation und Gründer des Labels nat-2™ Shoes. Thies verwendet anstatt Leder Materialien wie Holz, Stein, Kaffee und Mais. Produziert wird in Handarbeit in Italien. „Schon 1990 entwickelte mein Vater den ersten Schuh aus Leder, Kork, Gummi und Naturgarnen, also komplett kompostierbar“, erzählt Thies, „damals für das 160 Jahre alte Familienunternehmen.“ Die Begeisterung für Erfindungen hat Matthias Thies an seinen Sohn weitergegeben, der 2007 sein Label gründete.

Man habe den ersten aus Holz bestehenden Sneaker der Welt gefertigt. „Das Holz wird auf organische Baumwolle gezogen und gelasert, sodass das Material weich und flexibel wird. Dabei entsteht eine Art glattes Leder, das eine Maserung hat und sich anfühlt und riecht wie Holz. Ist es ja auch“, erklärt Thies. Die Sohle besteht aus Echtkork und Gummi.

Das Unternehmen entwickelte Gummistiefel, die laut Thies aus 15 Prozent Mais und recycelten Lederstücken bestehen. Es wird Mais verwendet, der nicht mehr in die Lebensmittelproduktion gegangen wäre. „Erstens kann man den Mais wiederverwenden, und noch interessanter ist, dass man bei dem Gummistiefel Gummi einsparen kann, was vorher als unmöglich galt.“ Je nach Lichteinfall wirken die Stiefel wie eine zweite Haut und leuchten im Lichtschein. Für Thies sind sie wahre Kunstwerke. In der hitzeintensiven Produktion entsteht durch die Verarbeitung von Mais zudem ein Popkorn-Geruch.

nat-2™ wurde auf der Modemesse „Bread & Butter“ von Sony International entdeckt, woraufhin der Schauspieler Will Smith und sein Sohn Jaden gemeinsam mit Thies eine limitierte Sneaker-Kollektion herausbrachten. Die neueste Sneaker-Kollektion widmet sich dem Kaffee. „Wir haben gelesen, dass viele verschiedene Sachen mittlerweile aus Kaffee gemacht werden, unter anderem auch Kaffeebecher selbst. Dann haben wir überlegt, wie man das auf Schuhe übertragen kann“, berichtet Thies. Die Oberfläche der Schuhe besteht bis zu 50 Prozent aus Kaffeesatz, der aus Kaffeeröstereien in Österreich und dem Allgäu bezogen wird, wo man auch das Material produziert. Der restliche Schuh setzt sich zusammen aus recycelten PET-Flaschen, Biobaumwolle, Gummi, Glas und Kork. Der Kaffeesatz wird mit ökologischen Bindemitteln auf den natürlichen Stoff gepresst.

Die Gummistiefel kosten zwischen 120 und 150 Euro, die Sneaker aus Kaffee oder Holz zwischen 150 und 600 Euro. „Unsere Zielgruppe sind Design- und Schuhliebhaber beiden Geschlechts, vorwiegend zwischen 25 und 49 Jahre alt“, sagt Thies. Es kauften aber auch Junge, die es sich leisten könnten, und auch Ältere. „Das sind dann oft Architekten, Ärzte, Anwälte, Designer und Unternehmer.“

„nat-2™ macht allein bereits relativ gute Umsätze, jedoch nicht genug, dass es zum Leben reicht“, berichtet Thies. Sie müssten sich auch durch den Verkauf von „normalen“ Schuhen finanzieren, weil die veganen Schuhe nur etwa 10 Prozent des gesamten Umsatzes ausmachten. „Wir produzieren nur nach Bedarf, um unnötige Kosten zu senken.“

Das Unternehmen aus München beschäftigt fünf Festangestellte, drei aus der Thies-Familie, und viele indirekte Mitarbeiter, unter anderem im Vertrieb, in der Kundenbetreuung und der Import-Export-Abwicklung. Laut Thies betrug der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro. Derzeit plant man eine neue Kollektion von Sneakern, hergestellt aus Milchresten und recyceltem Fischleder.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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