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Über Geld redet Frau doch

Finanzbloggerin Natascha Wegelin fördert die finanzielle Unabhängigkeit: Sie ermutigt Frauen, sich selbst um ihre Altersvorsorge zu kümmern.

F.A.Z.

20.03.2020

Lisa von Kiedrowski

Kath. Schule Liebfrauen, Berlin-Charlottenburg

Die Finanzbloggerin und Autorin, Natascha Wegelin, 34 Jahre, will Frauen ermutigen, sich selbst um ihre Vermögens- und Altersvorsorge zu kümmern und sich nicht auf den Partner oder Berater zu verlassen. Sie erreicht in ihrer „Madame Moneypenny“-Gruppe auf Facebook mehr als 70000 Anhängerinnen, und Tausende folgen ihr auf Instagram. Außerdem lädt sie auf Youtube Videos hoch. Und sie bietet kostenlos einen Newsletter und einen Podcast an. Kostenpflichtig sind ihre Seminare.

Frauen bekommen durchschnittlich weniger staatliche Rente als Männer, weil sie öfter in Teilzeit arbeiten und weniger verdienen. Nach einer repräsentativen Befragung der R+V-Versicherung kümmert sich allerdings jede dritte Frau nicht um ihre Altersvorsorge. Wegelin will Frauen helfen, ihre Finanzen besser in den Griff zu bekommen. „Ich bin davon überzeugt, dass finanzielle Unabhängigkeit ein essentieller Bestandteil eines selbstverantwortlichen und glücklichen Lebens ist“, sagt sie. Nach Berufserfahrungen bei Google und Parship gründete Wegelin mit 26 Jahren ihr erstes Unternehmen zusammen mit einem Kommilitonen: das Portal wg-suche.de. Einen Teil davon verkaufte sie 2017 an Immobilienscout24. Seit 2016 betreibt sie ihren Finanzblog „Madame Moneypenny“. 2018 veröffentlichte sie den Spiegel-Bestseller „Madame Moneypenny – Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“.

Als junge Gründerin ließ sich Wegelin von einer Finanzberatung eine private Rentenversicherung verkaufen. Später stellte sie fest, dass sie Tausende Euro an Provisionen und Gebühren gezahlt hatte. „Ich habe aufgrund einer schlechten Finanzberatung fast 18000 Euro verloren.“ Daraufhin begann sie, sich intensiv mit dem Thema Geldanlage und Vermögensaufbau zu beschäftigen und online über ihr Finanzwissen zu schreiben. Zur Finanzierung von Madame Moneypenny nahm Wegelin weder einen Kredit auf, noch vertraute sie auf Investoren. „Ich habe mein Unternehmen nach dem Grundsatz Umsatz vor Kosten ausgebaut“, erklärt sie.

Wegelin veranstaltet auch ein achtwöchiges Mentoring-Programm zum Thema Vermögensaufbau. Jede Teilnehmerin durchläuft es mit einer anderen Teilnehmerin an der Seite; es besteht aus einem Videokurs und einem Arbeitsbuch. Die Teilnehmerinnen können zudem mit Wegelin telefonieren und ihr auf Facebook Fragen stellen. Das Programm kostet 2000 Euro, 2019 haben es rund 200 Frauen durchlaufen. Die Gesamtzahl der Teilnehmerinnen beläuft sich auf mehr als 3000. „Die Kernzielgruppe meiner Inhalte sind vorwiegend Frauen von Mitte 30 bis Ende 40“, sagt Wegelin.

Die Zentrale von Madame Moneypenny befindet sich im Coworking-Space „Ahoy!“ in Berlin-Wedding. Neben Wegelin gibt es noch zwei Mitarbeiter, die sich um Technik, Marketing und Organisation kümmern. Zusätzlich arbeitet Wegelin mit einer Social-Media-Agentur zusammen. „Social Media ist für viele Frauen der erste Einstiegspunkt in das Thema“, sagt sie.

Blogs wie „MyMoneyMind“ von Linda Benninghoff und „Geldfrau“ von Dani Parthum verfolgen mittlerweile die gleichen Ziele wie Wegelin. Auch etablierte Finanzratgeber bieten Anlagetipps für Frauen. „Auf Geldreise“ heißt der Finanzpodcast für Frauen von „Finanztip“. „Die Empfehlungen für Frauen unterscheiden sich inhaltlich nicht von denen für Männer“, sagt der Chefredakteur von „Finanztip“, Hermann-Josef Tenhagen. Bei Programmen für Frauen gehe es darum, diese in ihren aktuellen Lebenssituationen abzuholen. Auch er findet, dass die Wissensweitergabe über soziale Medien die Hemmschwelle verringert und es für Frauen attraktiver macht, sich unkompliziert mit Finanzthemen zu beschäftigen.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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