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So sichert man Arbeitsplätze

Offtec ist ein großer Anbieter von Sicherheitstrainings. Sie finden aus guten Gründen in Nordfriesland statt.

F.A.Z.

7.04.2022

Florian Maximilian Folkers

Gymnasium Ohmoor, Hamburg

Sich aus einem ins Wasser abgestürzten Hubschrauber befreien,  von einer Windkraftanlage abseilen oder  aus einem brennenden Raum retten: Solche Sicherheitstrainings  bietet die Offtec Base GmbH & Co. KG aus Enge-Sande  in Schleswig-Holstein auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände an.  Es gibt  maritime Trainings im extra dafür gebauten Maritimen Trainings-Centrum (MTC)  genauso wie Technik-, Höhenrettungs-, Brandbekämpfungs- und Erste-Hilfe-Trainings. Eine Be­sonderheit ist,  dass alle  Trainings an diesem einen Standort durchgeführt werden können. Nach eigenen Angaben ist Offtec  das erste Unternehmen  der Branche, das einen Full-Service, in­klusive Unterbringung und Verpflegung, anbietet. Man un­terhalte zudem das  größte Aus- und Fortbildungszentrum zu den genannten Trainingsbereichen in Europa.

„Wir sind relativ gut darin, aus den Dingen, die wir hier vorgefunden haben, etwas zu machen“, sagt  Dirk Carstensen, Leiter der Ausbildung bei Offtec.  So wurden  Bunker zu Trainingsplätzen umgebaut, in denen zum Beispiel der Umgang mit Fettexplosionen geübt wird.  Aus  Kellerräumen wurden  komplizierte Pfade, auf denen  Personen  bei Kunstnebel und Dunkelheit kriechen.   

  Das MTC  ist eine  Halle, in der Bedingungen wie auf See  simuliert werden.  Im 15 mal 23 Meter großen und 5,5 Meter tiefen Becken können Wellen von 2 Meter Hö­he erzeugt werden. Außerdem sorgen Nebelmaschinen und  Soundanlagen für Realitätsnähe.  Im MTC kann man lernen, wie man bei Gefahr auf dem Meer überleben kann.  Man übt zum Beispiel das Um­drehen einer Rettungsinsel im Wasser.  Ein „GWO Basic Safety Training Sea Survival“ dauert einen Tag und kostet netto gut 500 Euro.

Ein anderes Training heißt abgekürzt HUET,  Helicopter Underwater Escape Training. Dabei lernt man, sich aus einem ins Wasser abgestürzten Hubschrauber zu befreien. Geübt wird mit einer Helikopterimitation, die  in verschiedenen Winkeln ins Wasserbecken gelassen wird.  Dieses Training kostet in der Regel 665 Euro.  Wie hoch der Preis ist,  hängt auch  vom benötigten Personal ab. Beim HUET werden zum Beispiel immer ein Rettungssanitäter, Kran­führer und drei Taucher benötigt.

Im Capsize-Training, das zum Beispiel   Spezialkräfte der öffentlichen Hand nachfragen,  werden Notsituationen geübt, die  in Verbindung mit einem Festrumpfschlauchboot stehen. Man lernt, sich aus einem auf dem Kopf liegenden Boot zu befreien.    Das  MTC  ist auch schon von   Filmstudios ge­nutzt wurde. So diente es für den Actionthriller „Without Remorse“  als Kulisse.

Kunden von Offtec  sind  in der Regel Geschäftskunden. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gehört dazu. Sie nutzt die Trainings für die Aus- und Weiterbildung ihrer rund 1000 Seenotretter, vor allem das  Capsize-Training, jedoch auch das HUET.  Letzteres kann man  auch anderswo in  Deutschland absolvieren. Jedoch gibt erst laut  DGzRS-Trainer Guido Förster  keinen an­deren deutschen Anbieter, der das Capsize-Training anbietet. „Häufig bieten wir die beiden Trainings in einem Block an.“ 

Offtec hat viele Kunden   aus der Windbranche. Man verfüge über einen  eigenen Trainingswindpark mit sechs realen Offshore-Anlagen, die bis zu 180 Meter hoch seien, betont  Geschäftsführer Marten Jensen.   Kunden üben zum Beispiel die Rettung mit einem Helikopter. Vor dem praktischen Teil findet der  theoretische Teil statt.  „Auf den Knopf drücken und die Welle anmachen kann jeder, aber die Leute mental vorbereiten, das ist die Kunst“, erklärt Ausbildungsleiter  Carstensen. Ein Sicherheitstraining muss sicher stattfinden. „Es muss für uns immer kontrollierbar bleiben“, sagt Carstensen. So sind die Sitzgurte an den Sitzen  der Helikopterimitation so mo­difiziert worden, dass Taucher sie einfach öffnen können.

 Regelmäßige Einnahmen erzielt Offtec durch Verträge mit Großkunden, die   regelmäßig trainieren.  Spezialkräfte der öffentlichen Hand üben  dann zum Beispiel zwei- bis dreimal im Monat. Da die Gültigkeit der Lizenzen, die bei den Sicherheitstrainings erworben werden, irgendwann auslaufen, nehmen viele Kunden  wiederholt an einem  Training teil. Die Gültigkeit der meisten Zertifikate beträgt ein bis zwei Jahre. Das Training, das am meisten nachgefragt wird, ist das Höhenrettungs-/Höhen­sicherheitstraining (Refresh Training), auch weil das  Zertifikat nur ein  Jahr gültig ist.

Offtec bietet sowohl von der Global Wind Organisation (GWO) zertifizierte Trainings an als auch  Trainings, die nach der Deutschen Gesetzlichen Unfallver­sicherung  (DGUV) zertifiziert sind. Dies hat zur Folge,  dass die Trainings immer wieder leicht verändert und angepasst werden.  Meistens werden das GWO- Zerti­fikat für internationale Tätigkeiten benötigt und das DGUV-Zertifikat für Tätigkeiten in Deutschland. Nach Angaben von Geschäftsführer Jensen hat Offtec seit dem Jahr 2014  mehr als 34 000 Zertifikate erstellt; im Jahr sind es rund  6000 Zertifikate. 

Offtec beschäftigt 50 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug  laut Geschäftsführung im vergangenen Jahr rund 2 Millionen Euro.  Die  Corona-Pandemie hat zu Einbußen geführt; das Unternehmen schätzt, dass sie im  unteren bis mittleren sechsstelligen Bereich liegen. Da die Trainings in den Bereich der Erwachsenenbildung fallen, durften sie  teilweise nicht  in Präsenz stattfinden.

Die Windbranche unterliegt laut Julius Petersik vom Bundesverband Windenergie  einem großen Einfluss der Politik. So sei  der Ausbau der  Windenergie in den vergangenen  Jahren un­ter der Großen Koalition  kaum vorangekommen.  „2019 gab es einen Tiefpunkt, seitdem erholen sich die Zubauzahlen erst langsam.“ Offtec spürte dies. Laut Carstensen waren  von 2017 bis 2019  die Grundkurse  wegge­brochen.

 Bleibt die Frage, warum man ein solches Trainingszentrum in Nordfriesland  im eher abgelegenen Ort Enge-Sande  errichtet hat. Geschäftsführer  Jensen ist überzeugt, dass die  Energiewende nur mit großen Offshore-Anlagen zu schaffen ist. Dafür brauche man viel  qualifiziertes Personal, das bereit ist, unter schwierigen Bedingungen zu ar­beiten. Doch auch in dieser Branche gibt es  einen Fachkräftemangel. Deshalb hat Offtec  einen Ort gesucht, an dem man alle nötigen Trainings in einer Woche absolvieren kann.

 

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