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Leinöl und Silberfischfallen: Restauratoren arbeiten mit Produkten von Deffner.

F.A.Z.

12.09.2019

Joshua Zettelmeier

Bayernkolleg Schweinfurt, Schweinfurt

Wir sind, wie unsere Kunden, wenig sichtbar, da wir keine bekannten Markenartikel produzieren und eher im Verborgenen arbeiten. Wir sind in der Nische einer Nische“, sagt Ralph-Uwe Johann. Der sympathische Mann mit Dreitagebart im blau-weiß gestreiften Hemd ist alleiniger Geschäftsführer der Deffner & Johann GmbH, eines Fachgroßhandels für Materialien, Werkzeuge und Geräte für Verarbeiter wie Maler und Restauratoren.

Das Familienunternehmen wurde 1880 gegründet. Im 19. Jahrhundert sei Schweinfurt ein Zentrum für Pigmente, die Rohstoffe der Farbherstellung, gewesen, erzählt Johann. „In Bechhofen bei Ansbach, wo es heute noch eine Bürsten- und Pinselmachermeisterschule gibt, war schon damals die Dichte an Pinselmachern sehr hoch“, sagt er weiter. „Um Nürnberg–Schwabach gab es alles rund ums Blattgold. Da beide Orte nur gut 100 Kilometer entfernt liegen, hatte Deffner alles im Angebot, was ein Kirchen- oder Fassmaler, Vergolder oder Stuckateur brauchte.“ Den historischen Bezug zu Pigmenten belegt auch der eigene Farbton „Schweinfurter Grün“. Die damals arsenhaltige Modefarbe war in vielen Aristokratenhäusern zu finden.

Deffner befindet sich heute keine zehn Kilometer von Schweinfurt entfernt, in Röthlein. In den siebziger Jahren wandelte sich die Kundschaft. „Baumärkte schossen aus dem Boden“, sagt Johann. Man spezialisierte sich auf Denkmalschutz, wo weiterhin qualitativ hochwertige Produkte benötigt werden.

Johann hat in Deutschland und Wales Betriebswirtschaft studiert. Anschließend arbeitete er in einem Unternehmen, das Computernetzwerke verkaufte. Es wurde vom amerikanischen Konzern General Electric gekauft; ein Jahr lang arbeitete der gebürtige Schweinfurter in der Zentrale in den Vereinigten Staaten. Er kam rasch in eine Führungsposition. „Darauf folgten drei Jahre in der deutschen Geschäftsleitung von Cisco Systems, einem Silicon-Valley-Unternehmen, bevor ich 2009 meinen Vater hier in Röthlein bei Lager- und IT-Prozessen unterstützte und den Betrieb im Jahr darauf übernahm.“

Es herrsche ein idealisiertes Bild des Silicon Valleys vor, meint Johann. „Es gibt dort einerseits eine enorme Dynamik und Kreativität, andererseits aber auch Verschleiß und Ungenauigkeit. Es wird ein Wachstumsdiktat vorgegeben, das mit Nachhaltigkeit nichts zu tun hat.“ Würden Restauratoren so arbeiten, blieben viele Kunstobjekte nicht erhalten. „Man muss sich immer fragen: Ist der Eingriff, den ich vorhabe, reversibel?“

Deffner habe alle für Restauratoren relevanten Produkte im Angebot. „Die Zahl unserer Items beträgt etwa 200000; dafür arbeiten wir mit rund 500 Lieferanten zusammen“, sagt Johann. Ein Lieferant sei die schwedische Ottosson Färgmakeri, ein Hersteller reiner, traditioneller Leinölfarben. Man biete Staffeleien mit extrabreiten Auflagen an, da Gemälde bei der Restaurierung meist gerahmt seien. „Für dieses Produkt arbeiten wir mit einer fränkischen Schreinerei zusammen.“ Eine Neuheit sei der Glue Looper, ein stiftähnliches Werkzeug mit einer flachen Metallschlaufe am Ende. „Damit kann man Klebstoffe unterschiedlicher Viskositäten sehr fein aufbringen und feinste Risse gut verkleben.“ Entwickelt wurde das Werkzeug von einem amerikanischen Ehepaar; er ist Modellbauer, und sie betreut eine Insektensammlung.

„Wir haben deutschlandweit das größte Sortiment an hochwertigen Künstlerpinseln. Jedoch gibt es keinen Bereich, der über 10 Prozent ausmacht, und das ist gut so“, sagt Johann. Man sei dadurch weniger angreifbar. Groß ist auch die Preisspanne, von unter einem Euro für einen kleinen Pinsel bis zu rund 27000 Euro für einen Niederdruckheiztisch. Deffner beschäftigt zwölf Mitarbeiter, einschließlich eines Diplom-Restaurators. „Mit einem mittleren siebenstelligen Umsatz sind wir für unsere Größe angemessen erfolgreich“, sagt Johann. „Ich habe eine Selbständigkeit erreicht, wie ich sie haben möchte.“ Wegen der Breite und Spezialisierung des Sortiments gebe es keine direkten Konkurrenten, sagt Johann.

Zum regionalen Kundenstamm zählen die Schweinfurter, Würzburger und Frankfurter Museen sowie die Dome in Bamberg, Würzburg und Fulda und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Die Waren gehen auch in die weite Welt; die Exportquote beträgt rund 50Prozent. Auf einem Rollwagen liegen Pakete für die Pinakothek in München und die Berliner Museumsinsel – und welche mit dem Ziel Amsterdam oder Wien. „Darüber hinaus haben wir Kunden in Dresden und Kopenhagen, Moskau und St. Petersburg, Peking und Neuseeland. Im vergangenen Jahr haben wir eine Restaurierungswerkstatt im Libanon ausgestattet und mit dem Goethe-Institut eine in der Mongolei.“ In Amerika beliefere man große Häuser wie das Getty Museum, das Metropolitan Museum und das Guggenheim Museum. China, Asien und die arabischen Länder seien für einen Ausbau der Beziehungen aber interessanter, da es dort Investitionsbereitschaft und eine Affinität für deutsche Produkte gebe.

Insgesamt würden die Reinigung von Kunstobjekten und die präventive Restaurierung, also die Vorbeugung oder Verhinderung von Schäden, wichtiger, sagt Johann. Als Beispiel nennt er eine Silberfisch- und Papierfischfalle. Sie ist mit einem Klebstoff bestrichen, in dem die Tierchen hängenbleiben. „Silberfische haben Kauwerkzeuge, mit denen sie Papier regelrecht abhobeln.“

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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