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Berghammer stellt Stockwappen für moderne Trekkingstöcke her. Auf ihnen sind Sehenswürdigkeiten und Panaromamotive zu sehen. Wanderern helfen sie, miteinander ins Gespräch zu kommen.

F.A.Z.

22.03.2019

Rika Mank

Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

Berghammer lässt eine mehr als 130 Jahre alte Tradition neu aufleben: Stockwappen. Das sind kleine Wappen aus Metall, auf denen Bilder von Sehenswürdigkeiten oder Panoramamotive zu sehen sind. Früher war es ein Souvenir, das mit kleinen Nägeln auf einem Wanderstock aus Holz befestigt wurde. Heute sieht man die Wappen immer seltener, weil sich Trekkingstöcke aus Karbon oder Aluminium durchgesetzt haben. Genau dort hat Berghammer angesetzt und nach eigenen Angaben die erste verlässliche Klebebefestigung für Stockwappen an modernen Trekkingstöcken entwickelt.

Hervorgegangen ist Berghammer aus dem 2013 gegründeten Unternehmen Sweetsticks, das den ersten Aluminium-Skistock in Holzoptik hergestellt hat. Zunächst wären die Stockwappen nur eine Verzierung für die Sweetsticks; seit 2016 konzentrieren sich die Gründer Sandra Berghammer aus Tirol und Julian Lösche aus Berlin ausschließlich auf die Produktion der Stockwappen. „Wir haben die Idee gehabt, Stockwappen wieder modern zu machen, und uns daher eingehend mit den kulturellen Gegebenheiten und der Bedeutung im Wandel der Zeit beschäftigt“, sagt Lösche und bezieht sich dabei auf den Wanderboom der vergangenen Jahre.

Schon im 19. Jahrhundert, als die Stockwappen entstanden, wollten die Menschen beim Wandern den anstrengenden Arbeitsalltag hinter sich lassen. Die Stockwappen halfen dabei, mit anderen Wanderern ins Gespräch zu kommen, und zeigten, was man alles erlebt hatte. Diese Funktionen haben Stockwappen heute noch. Sie helfen aber vor allem dabei, Erinnerungen analog festzuhalten – sie sollen nicht als Bild gespeichert auf einer Festplatte in Vergessenheit geraten.

Nach Angaben der Gründer haben sie mehr als 23000 traditionelle Souvenirmotive im Angebot und rund dreißig Spaß- und Statementmotive, die Interessen und Zugehörigkeit ausdrücken können. Die Stockwappen sind nicht nur für Trekkingstöcke erhältlich, sondern auch als flache Aufkleber, um zum Beispiel Skihelme oder Handyhüllen zu verzieren.

Laut Lösche geht der Trend zu den modernen Motiven. Vor allem Tourismusbetriebe setzten auf die neuen Motive von Berghammer. Bei Händlern und Hüttenwirten seien aber auch die nostalgischen Motive beliebt. Lösche sagt, ihre Stockwappen blieben besonders gut an den modernen Stöcken kleben.

Nach Angaben von Lösche sind seit Verkaufsbeginn im Jahr 2016 bis Ende 2018 rund 55000 Stockwappen verkauft worden; der Umsatz lag 2017 bei 52000 Euro. Für 2018 soll er rund 150000 Euro betragen. Berghammer und Lösche sind die einzigen Mitarbeiter. Die Finanzierung von Berghammer stamme aus einem Mix von Ersparnissen und Nebenjobs. Die Produktion übernimmt ein Montagebetrieb. Man arbeite mit Künstlern und freien Mitarbeitern zusammen. Die Stockwappen sind aus Aluminium, die Motivträger aus Kunststoff. Sie sind resistent gegen UV-Strahlung und Wasser und zu 100 Prozent kratzfest.

Zu kaufen sind die Stockwappen im Online-Shop, bei Tourismusverbänden, in Sportgeschäften und Wanderhütten zu einem Preis von 4,90 Euro. Alexander Edinger, Sporthändler in Söll in Tirol, verkauft die Stockwappen. „Die Idee, Stockwappen wieder modern zu machen, ist gut, da sie nun vor allem auch ein jüngeres Publikum ansprechen“, sagt er. Verkauft würden vor allem die traditionellen Motive. „Die Nachfrage ist immer noch groß, weil Stockwappen bei Wanderern noch tief verankert sind.“ Im Jahr verkaufe er rund 500 Stockwappen.

Für Tourismusbetriebe bietet Berghammer ab einer Menge von 300 Stück auch eine individuelle Motivgestaltung an. Die Stockwappen dienen dann als Werbeartikel. Zu ihren Kunden gehörten nach Angaben von Lösche die Skigebiete Ski Arlberg und Saalbach-Hinterglemm, aber auch BMW und DJ Ötzi. Dieser benötigt die Stockwappen für seine Tour in diesem Jahr. In einem Facebook-Video bezeichnet er die Stockwappen als „eine ganz liebe Geschichte“.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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