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Sie halten die Preise hoch

PWM ist Weltmarktführer für die Preistürme an Tankstellen. Die Displays können viel mehr als Preise anzeigen, sagt der Geschäftsführer.

F.A.Z.

2.07.2020

Lisa Kienzle

Max-Planck-Gymnasium Lahr, Lahr

Unübersehbar und meist höher als das Tankstellengebäude sind die Preistürme. Die PWM GmbH & Co. KG, ein Familienunternehmen aus Bergneustadt, stellt Preisanzeigen für nahezu alle deutschen Tankstellen her und exportiert in mehr als 100 Länder. PWM ist laut Geschäftsführer Max-Ferdinand Krawinkel Weltmarktführer für elektronische Preisanzeigen an Tankstellen und bietet als einziges Unternehmen alle drei Anzeigetechniken an: die LED-Technik, die Segment-Technik – sieben oder neun Segmente werden durch einen Elektromagneten so geändert, dass die jeweilige Ziffer entsteht – und die Rollenband-Technik: Die Ziffern null bis neun sind jeweils auf einem separaten Band aufgedruckt, das auf zwei Rollen nach oben oder nach unten aufgerollt wird, bis die gewünschte Zahl erscheint.

In Deutschland liege der Marktanteil bei gut 90 Prozent. „Unser Ziel ist es, in allen Ländern, in denen wir aktiv sind, die Marktführerschaft zu erlangen“, sagt Krawinkel. Derzeit arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter am Stammsitz. Fast 80 Prozent der Produktion gingen ins Ausland. Man fertige ausschließlich in Bergneustadt.

Ein wichtiger Markt sind die Vereinigten Staaten. Dort gibt es einen Standort mit 20 Mitarbeitern. Er habe in Amerika bei null angefangen, berichtet Krawinkel. Zunächst musste er sich an die amerikanischen Redewendungen gewöhnen. So habe man ihn gegen 18 Uhr ins Hotel gebracht mit der Verabschiedung „talk to you later“. Doch er wartete vergebens auf Anrufe, denn „talk to you later“ bedeutet nur „Auf Wiedersehen“. Zudem war er überrascht, dass Geschäftsführer von großen Tankstellenketten in Shorts und Sportschuhen auf die Messe kamen. Inzwischen ist man auch in Amerika Marktführer. Besonders aktiv ist das Unternehmen laut Geschäftsführer außerdem in Mexiko und Asien. Im Jahr 2019 lag der Umsatz bei rund 30Millionen Euro, gut 70 Prozent stammten aus dem Ausland.

Die Idee der elektronisch gesteuerten Preisanzeigen entstand in den achtziger Jahren. Krawinkels Vater fielen auf einer Amerika-Reise die Zifferanzeigen der Abflug- und Ankunftsdisplays auf. „Die Idee, diese moderne elektronische Technik für die Tankstelle umzusetzen, war die Geburtsstunde von PWM“, sagt Krawinkel. Sie hatte den großen Vorteil, dass man nicht mehr manuell und auf der Leiter die Preise verändern musste. Jährlich werden laut Geschäftsführer zwischen 6000 und 7000 Preisanzeigen verkauft. Im Inland liefert man vor allem ganze Türme, die durchschnittlich 10000 Euro kosten. Ins Ausland liefert PWM Ziffern und Elektronik.

Krawinkel erinnert sich an einen Kunden, der eine Anzeige in Form einer Litfaßsäule wollte. „Wir haben einen aufwendigen Prototypen gebaut.“ Heranfahrende hätten aber nur 4 Sekunden gehabt, um die Preise zu lesen. So sei der Kunde bei den traditionellen Anzeigen geblieben.

Im Jahr 2018 entwickelte das Unternehmen das erste internetbasierte Steuerungssystem für elektronische Preisanzeigen. Mit dem „Feedback-Channel“ wissen die Benutzer nun immer genau über den Zustand der Anzeige Bescheid; das macht zum Beispiel die Wartung planbar und günstiger. Auch die Vernetzung ist nach den Worten von Krawinkel spannend. Die Managementkonsole integriert sich ins Kassensystem, vernetzt beliebig viele Tankstellen und Preisanzeigen und macht es auch möglich, die Preise an den Regalen im Geschäft digital mittels LED darzustellen.

Auf allen Märkten gibt es laut Krawinkel Wettbewerber. Manche gewönnen wegen eines niedrigeren Preises. Anzeigen von PWM punkteten mit Langlebigkeit, Service und Aufrüstbarkeit. „Bei uns kommt nichts von der Stange, und das spart langfristig Geld, weil alles genau passt.“ Mit Langlebigkeit wirbt auch das Schweizer Unternehmen Unitron, das sich auf LED-Anzeigen spezialisiert hat.

Für Krawinkel ist die Zukunft der Tankstelle ein spannendes Thema. „Unsere Displays können viel mehr als Preise anzeigen.“ Die LED-Boards sollen ein

Times-Square-Feeling erzeugen, sie bieten Farbanzeige und Bewegtbild. Eine Herausforderung sei, „die Tankstelle zur Oase zu machen, an der Fahrzeuge und ihre Passagiere auftanken können, und die Preisanzeige zum Leuchtturm, der den Weg weist“.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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