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Sie glänzen mit winzigen Fehlern

Embleme für Piloten und Luxusautos: Poellath stellt kleine Schilder her, die jeder kennt.

F.A.Z.

7.03.2019

Dominik Kamionek

Parler Gymnasium, Schwäbisch Gmünd

Was haben ein Pilot der Deutschen Lufthansa, der Bugatti Chiron und ein Schweizer Soldat gemeinsam? Sie sind mit Kennzeichnungsschildern des 1778 gegründeten Familienunternehmens Poellath GmbH & Co. KG aus Schrobenhausen bestückt. „Wir sind ein Sonderanfertiger für hochwertige Kennzeichnungsschilder“, sagt Geschäftsführer Thomas Demel. Das Unternehmen sei das größte der Branche in Europa.

Der Prozess von der ersten Kundenanfrage bis zum Endprodukt ist lang. Designen, Werkzeugherstellung, Prägen, Stanzen, Schweißen, Galvanisieren, Emaillieren, Lackieren und Polieren sind nur einige Teile der Wertschöpfungskette. „Wir vereinen das komplette Knowhow für diese Produktionskette unter einem Dach. Das macht uns so einzigartig“, betont Demel. Das Fluthelfer-Abzeichen aus dem Jahr 2013 gab die Bayerische Staatsregierung sehr kurzfristig in Auftrag. Man hatte nur sechs Tage Zeit für Planung und Produktion. „Solche Sonderwünsche kann man nur bedienen, wenn man die gesamte Wertschöpfungskette selbst abdecken kann“, erklärt Demel.

Der französische Luxuskarossenhersteller Bugatti stattet seinen 2,4 Millionen Euro teuren Bugatti Chiron mit Emblemen von Poellath aus. Die Besonderheit des versilberten Emblems sind die dreifache Emaillierung per Hand und der darin enthaltene 3D-Effekt. Es gebe auf der ganzen Welt nur ein Unternehmen, das dies so herstellen könne, wird Martin Grabowksi, Entwicklungsleiter bei Bugatti, in „Grip – das Motormagazin“ zitiert. Insgesamt werden 500 Bugatti Chiron produziert werden.

Nach Angaben von Poellath stammen die meisten Aufträge aus der Automobilbranche. Zu den Kunden gehören neben Bugatti Daimler, BMW, Porsche und Rolls-Royce. Der britische Luxusautoproduzent ließ eine Plakette der Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ bei Poellath herstellen. Sie ziert den Armaturenbereich des Beifahrers.

Die bayrische Polizei kauft ihre Polizeisterne bei Poellath. Der Fastnacht-Verband Franken bestellt dort Faschingsorden und der größte Schießsportverband der Welt, ISSF, Medaillen, Pins und Anstecker. „Die Medaillen und Abzeichen finden mittlerweile auch reißenden Anklang bei vielen Sammlern“, sagt Sarah Galonska, Projektmanagerin im ISSF.

„Auf Wunsch des Kunden können wir spezielle Elemente einbauen, die ein Emblem fälschungssicher machen“, erklärt Demel. So wurde eine Wertmünze im Wert von 20 Euro in Auftrag gegeben. Mit ihr sollte es möglich sein, in bestimmten Geschäften zu bezahlen. „Wir haben minimale Fehler in das Unternehmenslogo des Kunden eingebaut. Diese Fehler konnten nur der Kunde und wir selbst erkennen. Ungenehmigte Nachproduktionen wären mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das fehlerfreie Kundenlogo aufgefallen“, erklärt Demel.

Der Umsatz des Unternehmens liegt nach eigenen Angaben im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, Tendenz steigend. Es beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. 40 Prozent des Umsatzes stammt aus der Automobilbranche, 30 Prozent von Behörden und Verbänden. Den eigenen Marktanteil schätzt man allein in der Branche der Prägewerke auf mindestens 30 Prozent in Deutschland. Derzeit befinde man sich mit deutlich mehr als 100 000 gefertigten Teilen im Jahr an der Auslastungsgrenze.

Bei geringeren Stückzahlen wird teilweise auf Maschinen verzichtet. „Im Zweifelsfall klopft dann einer unserer Mitarbeiter die 20 Stück mit der Hand zusammen“, sagt Demel. Die Preise für die Schilder liegen typischerweise im ein- bis zweistelligen Eurobereich, können aber auch vierstellig sein. Konkurrenz gebe es vereinzelt aus China.

Die Bundesliga-Meisterschaftsmedaillen werden seit der Saison 2010/2011, in der Borussia Dortmund Meister wurde, ebenfalls bei Poellath hergestellt. Vielleicht kommt die Borussia dieses Jahr mal wieder in den Genuss einer solchen Medaille.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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