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Pizza macht groß und stark

Gustavo Gusto behauptet, eine Tiefkühlpizza kreiert zu haben, die wie selbstgemacht schmeckt. Das Unternehmen wächst rasant.

F.A.Z.

7.01.2021

Milena Kamp

Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

Gustavo Gusto erkämpft sich immer mehr einen Platz in den Tiefkühlregalen. Die Pizzamarke gehört zur Franco Fresco GmbH & Co. KG aus Geretsried in Oberbayern. Gustavo Gusto entstand durch eine Idee zweier Studenten, einer war der heutige Geschäftsführer Christoph Schramm. Er studierte in Passau Betriebswirtschaftslehre und eröffnete 2003 eine Studentenpizzeria. „Wir hatten keinerlei Ahnung vom Gastronomiegeschäft, aber die Pizza war von Anfang an ausgezeichnet“, erzählt Schramm. Man baute den Holzofen aus und probierte immer mehr – bis zur Tiefkühlpizza. Ihr Erfolgsrezept sei gewesen, niemals aufzugeben. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser, doch wir arbeiteten zielstrebig daran, die Zutaten unserer selbstkreierten Pizza zu verfeinern“, sagt Schramm. Er sei nie der gute Pizzabäcker gewesen. „Ich kann es zwar, bin aber nicht gerade der Schnellste. Man kann jedoch die Qualität der Zutaten und die Machart definieren, ohne das Handwerk zu beherrschen.“ Man habe von Anfang an einen guten Pizzabäcker gehabt, mit dem man die Pizza „optimiert“ habe.

Ihr Ziel war es, eine Tiefkühlpizza auf den Markt zu bringen, die von einer Pizza aus einer Pizzeria nicht zu unterscheiden ist. „Die Zubereitung ist wie in der Pizzeria: Wir formen die Teigkugeln, sie werden von Hand mit Mehl ausgebreitet, wir pürieren die Tomaten selbst und backen direkt auf Steinplatten anstatt auf dem Blech“, berichtet Schramm. „Wir belegen unsere Pizza beispielsweise nur mit ganzen Scheiben von hochwertigem Hinterschinken und nicht mit kleinen Schnipseln, nur weil es für die Maschine leichter ist, Würfel daraufzustreuen.“ Die Zutaten kosteten dann zwar ein bisschen mehr, aber dafür sei die Qualität eine ganz andere, und man könne etwas mehr verlangen. Eine Pizza von 30 Zentimeter Durchmesser koste zwischen 3,49 und 3,99 Euro, eine Pizza der Wettbewerber mit 24 Zentimeter Durchmesser durchschnittlich 2Euro. Im Jahr 2020 lag der Marktanteil von Gustavo Gusto bei Tiefkühlpizzen, die in Deutschland verkauft werden, laut des Informationsdienstleisters IRI bei 6 Prozent, wie Guido Haugg berichtet, der für die Leitung des operativen Geschäfts zuständig ist. Nach Schramms Angaben arbeiten 310 Mitarbeiter für das Unternehmen; der Umsatz habe im vergangenen Jahr bei 50 Millionen Euro gelegen. Man exportiert nach Österreich und in die Schweiz. „Unsere Vision ist es, unsere Marke in die ganze Welt zu tragen und zu einem veränderten Ernährungsbewusstsein beizutragen“, sagt Schramm.

Gustavo Gusto sei das am schnellsten wachsende europäische Lebensmittelunternehmen, sagt Schramm und beruft sich auf eine Rangliste der „Financial Times“. Bei einem solchen Wachstum sei es schwierig, mit den Strukturen und den Prozessen nachzukommen. Man versuche die Prozesse weitestgehend zu automatisieren, jedoch passe man niemals ein Produkt der Maschine an. „Wir setzen nur dort Maschinen ein, wo es nicht die kleinste negative Auswirkung auf das Produkt hat.“ Man lasse zum Beispiel Maschinen den Käse auf die Pizza streuen, so könne er gleichmäßiger verteilt werden; das Gleiche gelte für die Tomatensoße.

Das Unternehmen legt zudem Wert auf Nachhaltigkeit. Man gleiche alle Emissionen, die durch Verwaltung, Produktion und Lieferung entstehen, vollständig aus. Außerdem unterstützt man Klimaschutzprojekte in Mali und Indien.

Nach Schramms Angaben verkauft Gustavo Gusto rund 3 Millionen Pizzen im Monat. Im Vergleich zu 2017, als monatlich 300.000 Pizzen verkauft wurden, sei das eine erhebliche Steigerung. Das Unternehmen hat mit dem Youtuber Luca, auch bekannt als Concrafter, drei Pizzen auf den Markt gebracht. „Durch die Zusammenarbeit mit Luca ist der Bekanntheitsgrad unseres Unternehmens stark gewachsen“, sagt Schramm. Nach eigenen Angaben hat man von der Luca Pizza 3.0 „Say Cheeeese“ eine halbe Million Stück verkauft. „Die Kundschaft ist breit gefächert, aber die Zielgruppe sind vorwiegend ältere Menschen mit einem höheren Bildungsniveau, da diese mehr auf ihre Ernährung achten und unsere Pizzen so besser zu ihnen passen“, sagt Schramm. Gut ein Drittel der Kunden habe zuvor mehr als zehn Jahre keine Tiefkühlpizza mehr gegessen.

Gustavo Gusto hat im vergangenen Jahr zudem zum ersten Mal Eis in vier verschiedenen Sorten auf den Markt gebracht. „Wir wollen mit unserer Marke die italienische Freude an den Kunden bringen“, sagt Schramm. „Nächstes Jahr wird das Eis auch national ausgerollt.“ Derzeit arbeitet Gustavo Gusto an einem zweiten Werk, in das bisher 20 Millionen Euro investiert wurden. Dort soll Anfang 2022 die erste Pizza vom Band laufen.

Milena Kamp

Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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