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Pappsatt auf jeder Party

Markführer Hosti produziert 1,5 Milliarden Pappteller im Jahr.

F.A.Z.

5.05.2022

Hannah Reinwald

Katholisches Freies Bildungszentrum St. Kilian, Heilbronn

Wenn man die Produktionshallen der Hosti GmbH in Pfedelbach betritt, hört man  die Maschinen, die im Sekundentakt Pappteller fertigen. Sie stanzen aus gewaltigen Papprollen Teile aus und formen diese durch Wärme. So stellt das Unternehmen 40 bis 50 verschiedene Formen her. Von runden Tellern über Pommesschalen bis hin zu Tortenscheiben bietet Hosti  mehr als 1000 Pappartikel an. Für sie  werden unterschiedliche Rohstoffe wie Recyclingkarton oder frischer Holzfaserstoff verwendet. Das Unternehmen weist laut Geschäftsführer Hansjörg Stickel das größte Sortiment der Branche in Europa auf und ist  mit rund 30 Prozent  Marktanteil das umsatzstärkste.

Stickel ist auch Inhaber von Hosti und  führt  mit Harold Rubrech, der seit Februar der  erste familienfremde Geschäftsführer ist,  das Familienunternehmen  in dritter Generation.  Stickels Großvater, Emil Stickel, ein Bessarabiendeutscher, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen war, wollte sich selbständig machen, um nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten zu müssen. Durch Zufall wurde er während eines Spaziergangs auf den Pappteller, den er zuvor nicht kannte, aufmerksam. Mit einer selbst weiterentwickelten Maschine habe Emil Stickel nach mehreren Versuchen die ersten Teller fertigen können, erzählt sein Enkel.

Die Hohenloher Papptellerfabrik Stickel, so  der komplette Firmenname, sei der Konkurrenz um einiges voraus, sagt Stickel.   So habe man  Anfang des Jahres  Menüteller, die es zuvor nur aus Kunststoff oder Zuckerrohr gab,  aus Frischfasern  neu auf den Markt gebracht. Die Umweltdiskussion um Einwegkunststoffprodukte lässt den  Geschäftsführer auf einen Erfolg des  Menütellers hoffen.

Hosti produziert 1,5 Milliarden Teller im Jahr. Sie werden über Großhändler und Supermärkte vertrieben.  Die Preise lägen im Durchschnitt bei 22 Euro je 1000 Stück, sagt Stickel. Etwa 90 Prozent  der Produkte trügen den Namen der Großabnehmer. Dem 52-Jährigen ist bewusst, dass Hosti Einwegprodukte herstellt; er sagt aber: „Alle unsere Produkte sind zu 100 Prozent  über die Altpapiertonne recycelbar oder auch zu 100 Prozent kompostierbar.“ Zurzeit boomten braune Teller.  „Vom Aussehen her wirken die braunen deutlich nachhaltiger.“

In der Produktion von Pappartikeln werde ähnlich viel Energie verbraucht wie in der Herstellung von  Kunststoffprodukten, berichtet Stickel.  Andere Kunststoffalternativen wie Palmblattteller seien zwar mit Blick auf die  Rohstoffe ebenfalls ökologisch; allerdings müssten diese oft aus Asien mit Containerschiffen importiert werden, was die  CO2-Bilanz stark verschlechtere. 

Die Zukunft von Einwegprodukten sei durch den Wunsch nach Mehrwegverpackungen  unsicher, räumt Stickel ein. Doch ist er für  seine Pappprodukte zuversichtlich.  Negativ wirkt derzeit ein durch die  Pandemie verursachter Rohstoffmangel bei den Zulieferern aus dem Schwarzwald und aus Finnland,  der bis voraussichtlich 2023 die Produktion beeinflussen wird.

Die Hosti GmbH beschäftigt etwa 160 Mitarbeiter in ihrem Hauptwerk in Baden-Württemberg und 35  in der tschechischen Niederlassung. Man  erreichte 2021  einen Umsatz von fast 31 Millionen Euro.   Für 2022 erwartet  Stickel wieder den vorpandemischen Umsatz von 34,5 Millionen Euro.

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