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Mit dem Virus spielen

Kemper verbindet Gitarristen digital miteinander. Ihr Produkt nutzen berühmte Musiker wie Mark Knopfler.

F.A.Z.

19.06.2020

Liam Kohlrautz

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Christoph Kemper ist wie Thorsten Matuschowski Geschäftsführer und Gründer der Kemper GmbH aus Recklinghausen. „Wir sind die Einzigen auf der Welt, die in Sachen digitaler Gitarrenverstärker den Profiling-Ansatz benutzen und somit Röhrenverstärker zu 100 Prozent kopierbar machen können“, erklärt Matuschowski. Kemper studierte Elektrotechnik in Bochum. Gleichzeitig war er in Musikprojekten als Keyboarder und Produzent involviert. 1997 gründete er die Access Music Electronics GmbH, die Synthesizer herstellt.

„Der Virus, das erfolgreichste Modell von Access, wird heute in seiner fünften Generation produziert“, sagt Matuschowski. Zu den Bands, die den Virus nutzen, zählen Limp Bizkit, Depeche Mode und Linkin Park. Beim Virus wird auf digitale Weise das Verhalten der Schaltkreise eines analogen Synthesizers emuliert, indem sein Verhalten berechnet wird. Der Marktanteil war in den neunziger Jahren deutlich höher, weil es in der aufstrebenden Techno- und Electro-Szene eine große Nachfrage nach analogen Sounds gab. Heute ist der Marktanteil des Virus’ eher gering, da Hardware-Synthesizer von Software-Synthesizern abgelöst wurden.

Im Jahr 2000 wurde dann die Kemper GmbH gegründet. Beide Unternehmen haben mit insgesamt 53 Mitarbeitern ihren Sitz in Recklinghausen. Hinzugekommen sind Büros in Bochum und Hamburg. Die vornehmlichen Aufgaben von Access sind Fertigung und Logistik und von Kemper Entwicklung und Vertrieb.

Die Exportquote liege bei 85 Prozent, der Anteil der Vereinigten Staaten betrage 35 Prozent, der Kanadas nur 3 Prozent. 2019 betrug der Umsatz der Kemper GmbH 17,5 Millionen Euro, eine Steigerung von 20 Prozent zum Vorjahr, wie der Geschäftsführer betont. Das Wachstum erklärt er mit der steigenden Akzeptanz von digitalen Gitarrenverstärkern.

2011 trat Kemper mit dem Kemper Profiling Amplifier in den Gitarrenmarkt ein und setzte ganz auf Digitalisierung. Bis zur Einführung des Profilers sei der Sound von Röhrenverstärkern durch keine digitale Technik ersetzbar gewesen. Doch genau diese Technik besitze der Profiler. „Man nimmt Sounds von beliebigen Gitarrenverstärkern und erhält Eins-zu-eins-Kopien, die sich dann auf dem Profiler abspeichern lassen“, erklärt Matuschowski. Diese Methode nennt man Profiling.

Im Studio oder auf Tour kann der Musiker seine alten Verstärker zu Hause lassen und stattdessen seinen Sound über den Profiler spielen. Man verbindet seine Gitarre mit dem Profiler, wählt einen erstellten Sound (Rig) und kann spielen. Zusätzlich zu der Möglichkeit, eigene Profile zu erstellen, wird der Profiler mit einer großen Anzahl von Verstärkerprofilen ausgeliefert. Es gibt standardmäßig 283 fertige Rigs. Daneben gibt es eine große Kemper-Community, die untereinander Profile tauscht.

Bekannte Gitarristen, die den Profiler nutzen, sind Mark Knopfler sowie Rod González und Farin Urlaub von den Ärzten. Das Alter der Benutzer liege zwischen 25 und 50 Jahren, sagt Matuschowski. Die Kosten des Profiler Amplifier betragen zwischen 1600 und 2100 Euro.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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