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Manche Filme kann man blind verstehen

Die App „Greta“ erklärt Sehbehinderten Kinofilme.

F.A.Z.

5.09.2019

Svenja Reinwald

Lise-Meitner-Gymnasium, Grenzach-Wyhlen

Das Berliner Start-up Greta & Starks Apps GmbH macht mit der App „Greta“ schon vorhandene Untertitel und Audiodeskriptionen für Hör- und Sehbeeinträchtigte nutzbar. Die App kann auf dem Smartphone oder Tablet abgespielt werden. Das Ziel ist, die Filme im Kino für Sehbeeinträchtigte und Blinde aufschlussreicher werden zu lassen. In den Dialogpausen werden wichtige Handlungen, Mimik und Gestik der Akteure beschrieben. Mehr als 400 Filme konnte Greta & Starks bisher anbieten. Diese Fassungen sind für den Nutzer kostenfrei. Im Kino erkennt die App, an welcher Stelle der Film ist, und spielt Deskription und Untertitel ab. Der Anwender hört die Erklärungen mit einem Kopfhörer, während er mit dem anderen Ohr den Kinosound wahrnimmt.

Das Konzept hat die Gründerin Seneit Debese erfunden; seit 2013 wird die App in Berlin entwickelt. Auf die Idee kam Debese, als sie eine Dokumentation mit der blinden Läuferin Kidisti Weldemichael drehte. Diese konnte nicht mit ihren sehenden Freundinnen ins Kino gehen, da sie ohne die Bildbeschreibung zu wenig verstand. Partner und Förderer des Unternehmens sind Produzenten, Verleiher und Medienunternehmen wie Concorde Filmverleih, Warner Bros., Disney, Universal Studios und 20th Century Fox.

Nach eigenen Angaben hat Greta & Starks seit 2014 rund eine halbe Million Euro Umsatz erwirtschaftet. Zum Netzwerk gehören auch mehr als 600 Partnerkinos; jedes Jahr kommen mindestens fünfzig hinzu. Durch eine Änderung des Filmförderungsgesetzes aus dem Jahr 2014 müssen eigentlich alle Filme, die vom Deutschen Filmförderfonds gefördert werden, barrierefrei, also mit Audiodeskription und Untertiteln, ausgestattet sein.

Eine Nutzerin der App ist Barbara Fickert, eine blinde Filmkritikerin aus Berlin, die in ihrem Blog „Blindgängerin“ über Filme berichtet. Seit Kindesalter ging sie mit einem Sehrest von 7 Prozent regelmäßig ins Kino, was für sie ganz normal war. Von einem Taxifahrer sei sie mal gefragt worden, ob sie das Blindsein nur spiele, als er sie in ein Kino gefahren habe, erzählt sie. Aber erst als die App Greta erschien, habe sie bemerkt, wie viele Details und Handlungsverläufe sie verpasst habe.

Mit Hilfe der App seien schon mehr als 500000 zusätzliche Kinobesuche ermöglicht worden, heißt es von Greta & Starks. In Deutschland ist man nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen mit einer softwarebasierten Lösung. Demnächst soll es die App in Israel geben.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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