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Wegen der schwierigen Lage in der Druckindustrie durchlebt Technotrans einen starken Wandel.

F.A.Z.

7.05.2020

Lasse Brormann

Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

Die Technotrans SE stellt seit fünfzig Jahren Peripheriesysteme für Druckmaschinen her. Das Unternehmen, das 1500 Mitarbeiter beschäftigt, ist nach eigener Aussage Weltmarktführer. Der wegen der Digitalisierung schwierigen Lage in der Druckindustrie begegnet man mit einer Diversifizierung des Produktportfolios und der Investition in Wachstumsmärkte. Das Unternehmen bietet Lösungen in den Bereichen Kühlen und Temperieren, Filtrieren und Separieren sowie Pumpen und Sprühen von Flüssigkeiten an.

Gegründet wurde es 1970 im westfälischen Harsewinkel von Franz Böhnensieker, der zunächst in einer Garage Blechkonstruktionen baute. Sieben Jahre später wurde das erste Gerät zur Feuchtmittelaufbereitung für Offset-Druckmaschinen konstruiert. Die Feuchtmittel werden auf die Bereiche aufgetragen, die nicht bedruckt werden sollen. Farbeintrag verunreinigt das Feuchtmittel während des Druckens. Das System von Technotrans bereitet dieses zur abermaligen Verwendung auf. Das Unternehmen sei stetig gewachsen, auch international, sagt Investor-Relations-Manager Frank Dernesch. Der Exportanteil belief sich 2018 auf rund 46 Prozent.

Im Druckbereich erwirtschaftet Technotrans laut Dernesch noch 38 Prozent des Umsatzes. Im Bereich des Offsetdrucks habe man einen Weltmarktanteil von weit mehr als 50 Prozent. Man sei „Hauptzulieferer aller wesentlichen Druckmaschinenhersteller“. In den vergangenen Jahren hat der Konzern mit Hauptsitz in Sassenberg wegen der schwierigen Lage der Druckindustrie einen Wandel durchlebt. Als „Spezialist für kundenspezifische Lösungen“ begebe man sich immer wieder auf gänzlich unbekanntes Terrain, sagt Dernesch. Er nennt die Elektromobilität. So habe 2012 ein Kunde eine Kühllösung für die erste batteriebetriebene Straßenbahn in Qatar bestellt, um so auf Oberleitungen verzichten zu können. Auch da gehe es um ein Flüssigkeiten-Temperiersystem. Bei den verbauten Lithium-Ionen-Batterien sei von zentraler Bedeutung, eine bestimmte Temperatur zu halten, um die Lebensdauer maßgeblich zu verlängern. Eine Herausforderung für die Ingenieure waren die hohen Temperaturen in Qatar.

Weitere interessante Einsatzgebiete der Kühlsysteme finden sich in der Medizin- und in der Lasertechnik. In der Medizin würden komplizierte Kühlverfahren für Blut verwendet, die während Herz- und Hirnoperationen eine wichtige Rolle spielten. Auch die Kühlung von Organen, die zur Transplantation bereitstünden, sei dem Unternehmen nicht fremd. In der Lasertechnik setzten beispielsweise EUV-Laser (extreme ultraviolet) auf Technotrans-Technik. Das derzeit modernste Verfahren zur Herstellung von kompakten, integrierten Schaltkreisen für die Halbleiterindustrie erfordert eine sehr exakte Kühlung.

Massenprodukte biete Technotrans eher nicht an. So seien die Kühllösungen für E-Fahrzeuge nicht in Personenwagen zu finden, sondern in Zügen und Bussen. Die Anforderungen seien hoch, denn „ein Zug darf keinesfalls auf freier Strecke zum Stillstand kommen“. Bei den elektrobetriebenen Bussen entstehe während der kurzen, aber intensiven Ladevorgänge an den Endstationen viel Wärme, es bedürfe einer anspruchsvollen Kühlung.

Wachstumsmärkte wie die Elektromobilität verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Der Umsatz im Jahr 2019 wird aber wohl geringer ausfallen als geplant. Das Unternehmen rechnet mit rund 205 Millionen nach 216 Millionen Euro im Jahr zuvor. Als Unternehmen aus der Branche des Maschinenbaus sei man konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt, erklärt Dernesch. Derzeit sei man von der Corona-Krise betroffen. Doch wegen vieler neuer Projekte rechnet man mittelfristig mit einer Umsatzsteigerung.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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