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Lkw-Fahrer brauchen mehr Rücksicht

Marktführer Mekra Lang fertigt ausgeklügelte Spiegelsysteme. Sie können den Kraftstoffverbrauch senken.

F.A.Z.

21.06.2019

Manuel Krebs

Bayernkolleg Schweinfurt, Schweinfurt

Die enorme Größe von Lastwagen hat auch Nachteile – ein entscheidender ist das eingeschränkte Sichtfeld. Da helfen Spiegel. Genau auf diesen Nischenbereich, die Entwicklung und Herstellung von Sichtsystemen, hat sich ein Unternehmen aus Ergersheim in der Nähe von Fürth spezialisiert. „Mekra Lang ist fast ausschließlich im Nutzfahrzeugbereich tätig“, sagt Susanne Lang, Geschäftsführerin der Mekra Lang GmbH & Co. KG. Dieser Bereich ist aufgegliedert in den Truck-, Agrar-, Baumaschinen-, Bus- und Wohnmobilbereich.

Im Segment Rundumsichtsysteme für Nutzfahrzeuge sei Mekra Lang der Weltmarktführer und beliefere nahezu alle Nutzfahrzeughersteller außer Iveco, sagt Lang. Einer der ersten großen Kunden sei MAN gewesen. Ein Innovationstreiber sei Daimler. Ein relativ junger Kunde sei VW-Scania. Der Projektassistent der Geschäftsleitung, Felix Stammberger, sagt: „Im Truckbereich hat Mekra einen Marktanteil von knapp 50 Prozent.“ Mekra Lang ist zu 100 Prozent in Familienbesitz.

Spiegel sei nicht gleich Spiegel; dieses höchst sicherheitsrelevante Fahrzeugteil, das sich auch noch in Haupt-, Front-, Rampen- und Weitwinkelspiegel unterteilen lasse, müsse verschiedenste Sichtfelder abdecken, erläutert Lang. Mekra Lang sei das erste Unternehmen gewesen, das ein als komplettes System zu bezeichnendes Produkt entwickelt habe, für den Nutzfahrzeughersteller Volvo. „Diese Systeme gehen nicht in die Massenproduktion, sondern sind ein Nischenprodukt, das genau auf die Anforderung des Kunden abgestimmt sein muss.“

Neben dem abzudeckenden Sichtfeld spielt auch der Verbrauch des Fahrzeugs eine wichtige Rolle, denn der richtige Spiegel kann durch eine aerodynamisch vorteilhafte Konstruktion den Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs messbar senken. Hergestellt werden die Systeme an einem der vierzehn Standorte des Unternehmens, die sich auf neun Länder auf fast allen Kontinenten verteilen.

Zwischen Entwicklungsauftrag und Serienproduktion liegen meistens drei bis vier Jahre. Das liege daran, dass ein Spiegel speziell auf einen Fahrzeugtyp zugelassen sei und nur in diesem verbaut werden dürfe. Die Entwicklung der Spiegelsysteme verlaufe zudem parallel zur Entwicklung der Fahrzeuge. Änderungen des Kunden am Endprodukt müssen sich auch im Spiegelprodukt wiederfinden, zum Beispiel die Geometrie der Türen.

„Vorrangig sind für uns der europäische, der amerikanische und der asiatische Markt“, sagt Lang. Knapp 45 Prozent der Umsätze generiert man nach eigenen Angaben in Europa, 40 Prozent in Asien und die übrigen 15 Prozent in Amerika. 47 Prozent entfallen auf den Lkw-Bereich und 21 Prozent auf den Pkw-Bereich. Für das Jahr 2018 nennt Stammberger einen Gesamtausstoß an Außenspiegeln von rund 8,5 Millionen Stück. „Die Spiegel für Sprintermodelle weisen die höchsten Stückzahlen auf.“ Der Gesamtumsatz des Unternehmens im Jahr 2018 belief sich nach Auskunft von Lang auf rund 360 Millionen Euro.

In Zukunft werde die Entwicklung in Richtung Spiegelersatzsysteme, also Kameras, gehen. Die seien im Fernverkehr sinnvoll, „im Nahverkehr jedoch noch nicht“. Seit diesem Jahr befindet sich im neuen Actros von Mercedes-Benz das Digital Vision System (DVS), das mit dynamischen Kameras arbeitet, die dem Fahrer automatisch das für die Situation beste Sichtfeld verschaffen sollen. „Durch eine optimierte Aerodynamik erreichen wir eine bedeutende Kraftstoffeinsparung“, sagt Stammberger. Das System ermögliche eine spürbar bessere Nachtsicht und sei weniger schmutzanfällig. „Es enthält viele zusätzliche Funktionen, wie den automatischen Trailer-Nachlauf, eine manuelle Sichtfeld-Einstellung und signalgesteuerte Anzeigen von Symbol-Einblendungen (Overlays).“

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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