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Kleben, was das Zeug hält

CHP produziert umweltfreundliche Klebstoffe für die Industrie. Das Unternehmen aus Essen hat den ersten biologisch abbaubaren Etikettierklebstoff entwickelt.

F.A.Z.

22.03.2019

Rawan Alhamdan

Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

Vieles in der Welt strebt nach Zusammengehörigkeit, und mit Klebstoff der CPH Deutschland Chemie Produktions- und Handelsgesellschaft mbH soll das auch ökologisch machbar sein. In der Industrie wird inzwischen oft geklebt, statt zu schweißen, zu nieten und zu löten. So sollen eingeklebte Windschutzscheiben zu einem besseren Cw-Wert und somit zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch führen. Aus Neugier interessierte sich Unternehmensgründer Gerwin Schüttpelz zu Beginn seines Jurastudiums für die Klebstoffe. Daraus entstand 1975 die CPH Deutschland Chemie GmbH, die inzwischen eine internationale Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Essen ist und nach eigenen Aussagen ein globaler Marktführer im Segment der Etikettierklebstoffe. Außerdem ist CPH nach eigenen Angaben seit Beginn der achtziger Jahre Pionier auf dem Markt der umweltfreundlichen Klebstoffe. „Die Idee wurde geboren, weil es in den siebziger Jahren mehrere Chemieunfälle gab“, berichtet Schüttpelz. Chemieprodukte seien als giftig und umweltzerstörend angesehen worden.

Schüttpelz wollte biologisch abbaubare Etikettierklebstoffe herstellen. Mit wenig eigenen Chemiekenntnissen und der Hilfe von Chemikern sei 1982, sagt Schüttpelz, die Entwicklung des ersten biologisch abbaubaren Etikettierklebstoffs gelungen. Er war frei von Schwermetallen, Formaldehyd und phenolischen Verbindungen. 1983 habe das Unternehmen den ersten proteinbasierten Etikettierklebstoff entwickelt. Im Jahr 1990 habe dann Coca-Cola Deutschland darum gebeten, einen Etikettierklebstoff für PET-Flaschen zu entwickeln. 1998 folgte die Eröffnung der ersten Auslands-Produktionsstätte in Barnaul in Russland und 1999 einer Produktionsstätte in der Ukraine.

Der Markt sei umkämpft, mit Wettbewerbern wie Henkel und vielen Mittelständlern, sagt Schüttpelz. Heute ist die CPH Group nach eigenen Angaben in siebzig Ländern vertreten und exportiert in mehr als 100 Länder, besonders auch nach Osteuropa und Afrika. In vielen Ländern sei CPH Marktführer. Insgesamt liege die Exportquote bei fast 90 Prozent. Von 2015 an baute man in Essen eine neue Hotmeltproduktion auf. Heißklebstoff passte sehr gut zur Produktpalette, wie Schüttpelz betont.

Gute biologische Werte erziele man durch die Rohstoffauswahl; verwendet werden zum Beispiel Kasein, Getreidestärken und manchmal auch Apfeltrester. Im Produktionsprozess wird Regenwasser statt Frischwasser zu Kühl- und Reinigungszwecken eingesetzt. Als vor einigen Jahren ein großer Brauereikunde Abwasserprobleme hatte, kreierte CPH einen Klebstoff, der frei von Zink und Borax ist.

Die 300 Klebstoffe des Unternehmens seien in Herstellung und Verwendungsmöglichkeiten sehr ähnlich, jedoch gebe es viele Unterschiede in Viskosität, Abbindezeit, Trocknung und weiteren physikalischen Eigenschaften. Man habe es sich zur Aufgabe gemacht, Lösungen für jede Klebefläche zu entwickeln. CPH hat ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Daraus sei 2013 der erste biologisch abbaubare Schmelzklebstoff entstanden.

Die Etikettenkleber werden zur Etikettierung von Papier- und Kunststoffetiketten auf Flaschen benötigt. Laut Schüttpelz setzen große Brauereien wie Anheuser-Busch Inbev, Heineken und Carlsberg die Etikettierkleber von CPH ein; damit sei man Weltmarktführer in der Getränkeindustrie. Daneben gehören die Zigarettenbranche, die Verpackungsindustrie und die Hersteller von Schaumstoffmatratzen zu den wichtigsten Kunden. Auch für Babywindeln würden Produkte von CPH verwendet.

Die CPH Group erwirtschaftet nach eigenen Angaben einen Umsatz von fast 100 Millionen Euro; rund die Hälfte werde mit Etikettierklebstoffen generiert. Der Restumsatz bestehe aus Zigarettenklebstoffen und Schmelzklebstoffen (Hotmelts). Man beschäftigt 245 Mitarbeiter. Schüttpelz rechnet in den kommenden Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten. Ein Kilogramm Kleber koste rund 2,50 Euro.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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