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Gamer stehen ständig unter Strom

Ein junges Unternehmen aus Göttingen setzt mit „Gaming Boostern“ Millionen um. Das Getränkepulver für Computerspieler enthält ziemlich viel Koffein.

F.A.Z.

6.02.2020

Jason Klassen

Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal

Knapp jeder zweite Deutsche spielt Computer- und Videospiele. Nach Angaben des Verbands der deutschen Games- Branche waren Fifa 19, Red Dead Redemption 2 und Mario Kart 8 Deluxe 2018 die meistgekauften PC- und Konsolenspiele. 16,7 Millionen Gamer spielten auf Konsolen und 13,4 Millionen auf PCs. Die Branche setzte 4,4 Milliarden Euro um. Verkauft werden nicht nur Spiele, Ausrüstung und Abonnements sondern inzwischen auch „Gaming Booster“.

Das sind Nahrungsergänzungsmittel, die den Spielern helfen sollen, ihr Potential auszuschöpfen. Versprochen wird eine höhere Konzentration, ohne überdreht zu sein. Die Levlup GmbH aus Göttingen produziert solche Booster. „Levlup ist in seiner Form in Deutschland einzigartig, vereinzelt gibt es auch Marktbegleiter, allerdings nicht in der Größe von Levlup“, sagt Lucas Bode aus der Geschäftsleitung. „Wir haben für das gesamte Jahr 2019 den zweistelligen Millionenbereich geknackt“, berichtet er über den Umsatz.

Levlup ist im Mai 2018 von Martin Ratajski und Nils Schlieper gegründet worden. „Die Idee kam uns, weil wir zusammen viel gezockt und dabei immer Energydrinks getrunken haben“, erzählt Ratajski. Diese hätten die Konzentration aber nicht auf Dauer hochgehalten. „Es kam uns die Idee, ein Getränk zu entwickeln, das speziell auf die Bedürfnisse von Gamern zugeschnitten ist.“ Man habe sich dazu mit einem Hersteller zusammengetan.

Dass man in so kurzer Zeit bekannt wurde, hat mehrere Gründe. „Einen wesentlichen Teil macht das Marketing mit verpartnerten Influencern aus.“ Sie haben eine große Reichweite in den sozialen Medien. Levlup setzte auf große Streamer und Youtuber, die in der Gaming-Szene bekannt sind. „In vielen Fällen werden wir von interessierten Influencern kontaktiert“, sagt Bode. „In jedem Fall sind eine gewisse Reichweite und eine treue Community wichtig.“ Am wichtigsten sei aber, dass dem Influencer Levlup schmecke. „Schließlich muss er oder sie voll hinter dem Produkt stehen können.“

Die ersten Partner, die Levlup bekannt machten, waren Haptic (571000 Abonnenten) und Raptor (144000 Abonnenten). Dann warben immer mehr für das Produkt, zum Beispiel Trymacs (1,3 Millionen Abonnenten) und MckyTV (587000 Abonnenten). So erreicht man fast die ganze deutsche Gaming-Branche.

Die Levlup GmbH beschäftigt rund 30 Mitarbeiter. Das Hauptprodukt sind die Booster; außerdem verkauft man Shaker zum Anmischen. Man liefere in mehr als 30 Länder. Angeboten werden Geschmackssorten wie „Pink Grapefruit“, „Jungle Juice“ (Maracuja, Ananas und Mango), „Ice Tea Peach“ (Pfirsich-Eistee) und „ Galaxy-Edition“ (Acai, Granatapfel und Blaubeere). Ratajski, der selbst gerne zockt, trinkt am liebsten „Watermelon Wave“. Der 2019 am meisten verkaufte Geschmack war „Strawberry Kiwi“. In einer Dose, Tub genannt, sind 320 Gramm Pulver, 40 Portionen je 8 Gramm, die man mit Wasser mixt. Eine Dose kostet 40 Euro. Levlup verkauft auch Probeportionen, drei kosten 8 Euro. Sie machen rund ein Viertel des Verkaufs aus. Auf manchen Shakern befinden sich Logos der Influencer. Die Mixer werden nach Unternehmensangaben zu jedem zweiten Booster mitbestellt. Levlup hat außerdem einen „koffeinfreien und zuckerarmen Hydration Drink“ entwickelt, der mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt ist. Er soll durch einen besonderen Geschmack zu mehr Trinken verleiten.

Henry Piske, Schüler aus Frankenthal, der gerne Fortnite und Fifa spielt, hat die Booster probiert, zuerst mehrere Probepacks und dann eine Dose „Jungle Juice“. Er trinke den Booster, den er „sehr lecker“ findet, etwa dreimal in der Woche und merke dann eine „gesteigerte Konzentration“, er sei beim Spielen „fokussierter“. Die größte Kundengruppe von Levlup (rund 44 Prozent) ist zwischen 21 und 35 Jahren alt. Gut 30 Prozent sind zwischen 16 und 20 Jahre alt. Nur 9 Prozent sind älter als 45 Jahre.

Im Booster sind Aromen, Extrakte und Süßungsmittel enthalten. Und Koffein: Löst man eine Portion von 8 Gramm Booster in 500 Milliliter Wasser auf, enthält das Getränk 250 Milligramm Koffein. In 500 Milliliter Red Bull sind 160 Milligramm Koffein. Ist das gesund? Levlup selbst rät zu einer maximalen täglichen Verzehrmenge von 8 Gramm. „Wie immer macht die Dosis das Gift“, sagt Viktor Herdt, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Rietberg. „200 Milligramm Einzeldosis Koffein wären für einen gesunden Erwachsenen wohl unbedenklich. Eine Portion Gaming Booster würde mit 250 Milligramm Koffein die Grenze überschreiten. Und es ist schwer vorstellbar, dass es beim Zocken bei nur einer Dosis bleibt. Damit wäre das Ganze, falls der Konsum auch regelmäßig stattfindet, wohl eher bedenklich.“

Im Januar hat Levlup ein neues Produkt auf den Markt gebracht: „Shots“ mit dem Geschmack von roten oder blauen Früchten. Es sind 60-Milliliter-Döschen mit 160 Milligramm Koffein, die für einen direkten Koffein-Kick und Power sorgen sollen. Ein Sechserpack kostet 15 Euro.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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