Photocircle verkauft Fotodrucke und unterstützt mit einem Teil des Erlöses humanitäre Projekte auf der Welt, ursprünglich vorrangig in den Regionen, in denen die Fotos entstanden sind. Auf die Geschäftsidee kam Thomas Heinrich auf einer Reise als Hobbyfotograf durch Südostasien; das Unternehmen Circle Concepts GmbH gründetet er 2012 in Berlin. „Ich wollte nicht alleine vom Verkauf der Bilder profitieren, und die Motive, die doch ein wesentlicher Bestandteil eines gelungenen Fotos sind, außen vor lassen“, erzählt Heinrich. „Bei uns fließen durchschnittlich knapp 8 Prozent des Nettoumsatzes in soziale Projekte. Seit der Gründung haben wir schon 100.000 Bilder verkauft.“ Weil man keine Investoren habe, seien die ersten Jahre finanziell „nicht leicht“ gewesen.
Photocircle arbeite mit mehr als 1000 internationalen Fotografinnen und Fotografen zusammen. „Die wohl renommiertesten sind zum Beispiel Hengki Koentjoro und Eric Lafforgue“, sagt Heinrich. Ansonsten bietet man vor allem Bilder junger, aufstrebender Fotografen an, wie die des Fotokollektivs „German Roamers“ und Künstler wie Jesper Krijgsman, Dan Hobday und Giselle Dekel.
Von Landschafts- und Architekturfotografie über abstrakte Kunst bis zur Street Photography, auch in Galeriequalität, sei alles vertreten. „Derzeit findet man bei uns knapp 25.000 Motive, 16.000 Fotos, 9000 Designs, Gemälde und Illustrationen“, berichtet Heinrich. Photocircle arbeite zu 90 Prozent mit hauptberuflichen Künstlern zusammen. Einige der beliebtesten Werke aus dem Portfolio kann man im Showroom in Berlin-Schöneberg anschauen. Erwerben können Kunden gerahmte Poster, Fine-Art-Prints, Leinwandbilder, Acrylglasbilder und Abzüge auf Alu-Dibond. Je nach Bildgröße und Trägermaterial reiche die Preisspanne von knapp 9 Euro für ein 32×18 Zentimeter großes Premiumposter bis hin zu 1155 Euro für ein 280×140 Zentimeter großes Acrylglasbild mit Schattenfugenrahmen. Man kann auch eigene Bilder bei Photocircle drucken lassen; dann fließen 5 Prozent des Nettopreises in soziale Projekte.
Die Förderung der Projekte erfolge über Non-Profit-Organisationen vor Ort, sagt Heinrich. Ihnen überweise Photocircle in Intervallen das Projektgeld. Man arbeite zum Beispiel mit der UNO-Flüchtlingshilfe, dem Deutschen Roten Kreuz und Plan International zusammen. Die Künstler spendeten mindestens 10 Prozent ihres Erlöses, und Photocircle steuere 5 Prozent des Basispreises bei, erklärt Heinrich. So zahle der Kunde grundsätzlich nicht mehr als bei anderen Anbietern. „Wir haben bisher insgesamt 115.000 Euro an Spenden über unsere Bildverkäufe generieren und damit rund 90 Projekte in 42 Ländern fördern können.“
Beispielsweise finanzierte Photocircle in Zusammenarbeit mit der Vamos Adelante Foundation, für die Heinrich nach seinem Studium einige Zeit gearbeitet hatte, mit Spenden in Höhe von 1700 Euro Wasserfilter. Diese sollen den Zugang zu sauberem Trinkwasser in Dörfern der Region Escuintla in Guatemala erleichtern. Mithilfe von 1000 Euro wurden Mahlzeiten für Kinder in Nairobi finanziert und mit 1800 Euro die Schulspeisung für ein Jahr von fünfzig Schülern in Dhaka in Bangladesch. Auch in Deutschland ermöglichte man schon soziale Projekte, zum Beispiel den Zoobesuch einer Gruppe von geflüchteten Kindern.
„Zurzeit finanzieren wir nur ein bis zwei Projekte, um diese mit höheren Summen und über einen längeren Zeitraum zu unterstützen“, berichtet Heinrich. Seit 2020 unterstütze Photocircle ein Aufforstungsprojekt in Äthiopien, durch das bislang 250.000 Bäume gepflanzt worden seien, sagt Simon Pfister von der Stiftung Green Ethiopia. Die Bäume hälfen, das Leben der bäuerlich geprägten Dörfer in der Gemeinde Shebedino nachhaltig zu verbessern, auch weil sie zur Wasserspeicherung und zu einem besseren Humusboden beitrügen.
Andere Anbieter setzten ebenfalls vermehrt auf Nachhaltigkeit; doch die Idee, durch Kunstdruckverkäufe möglichst auch die Bildmotive zu beteiligen beziehungsweise soziale Projekte zu finanzieren, sei bisher einzigartig, sagt Heinrich. „Wir sind da tatsächlich die Einzigen, die dieses Konzept verfolgen, sowohl in Deutschland als auch im Ausland.“
Während jüngere Kunden eher Poster und kleinere Formate kauften, fragten ältere Kunden mehr großformatige Acrylglasbilder nach. Neben Privatkunden kauften auch Unternehmen, Arztpraxen und Kanzleien bei Photocircle. „75 Prozent der Verkäufe gehen dabei nach Deutschland, die übrigen 25 Prozent vor allem nach Frankreich, Italien, Spanien und in die Niederlande“, sagt Heinrich. Für das Jahr 2023 plane das Unternehmen, das sechs Mitarbeiter beschäftigt, mit einem Umsatz von rund 600.000 Euro. „Im Jahr 2022 lag unser Jahresumsatz bei 400.000 Euro“, berichtet Heinrich.
Michael Belhadi ist hauptberuflich Fotograf und arbeitet schon lange mit Photocircle zusammen. „Über Photocircle verkaufe ich mengenmäßig nicht ganz so viel wie bei den größten internationalen Plattformen. Dass ich aber als Künstler selbst über den Spendenanteil und mein Honorar mitentscheiden kann, ist etwas Besonderes“, sagt Belhadi. Wichtig sei ihm, dass seine Bilder bei Photocircle in einer hohen Qualität angeboten würden. „Ich freue mich auch, dass ich mit meiner Kunst etwas zurückgeben kann. Daher gebe ich auch Bilder für meinen eigenen Bedarf sowie für Verwandte und Freunde über Photocircle in Auftrag“, erklärt Belhadi.