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Eine Herzensangelegenheit

Unterstützungssysteme von Berlin Heart retten ständig das Leben von Kindern, die auf ein Spenderorgan warten.

F.A.Z.

6.02.2020

Christian Häntsch

Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

Nadja, zwei Jahre, aus Tennessee, ist schwer krank. Ihr Herz arbeitet nicht mehr richtig. Ihre einzige Chance zur Überbrückung der Wartezeit bis zur Transplantation eines Spenderorgans ist die Implantation eines Herzunterstützungssystems. Die Berlin Heart GmbH ist auf solche Systeme spezialisiert, und ihr Herzunterstützungssystem Excor Pediatric ist nach eigenen Angaben das einzige für Kinder und Säuglinge zugelassene.

„Etwa 200 Kinder pro Jahr werden mit unseren Systemen unterstützt“, sagt Natalie Taylor, Marketingdirektorin von Berlin Heart. Dabei arbeitet man eng mit 180 Herztransplantationszentren in mehr als 40 Ländern auf allen fünf Kontinenten zusammen. In diesen werden Patienten versorgt, die auf einer Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Etwa 12 Prozent der Implantationen von Excor-Pediatric-Systemen werden in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. Nach Angaben von Berlin Heart ist der Markt recht stabil.

In Deutschland gebe es zwar 500 Herzkatheter-Labore, aber nur 78 Zentren, die auch Herzunterstützungssysteme, sogenannte VADs, implantierten, erklärt Taylor. Und nur drei Zentren führten jährlich mehr als 200 solcher Eingriffe an Erwachsenen und Kindern durch. Allein im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) wurden bisher gut 200 Excor Pediatric implantiert, wie Christian Maier, Leiter der Abteilung Kommunikation und Marketing im DHZB, berichtet. „Damit haben wir hier im Deutschen Herzzentrum Berlin weltweit die meisten Implantationen von Excor-Pediatric-Systemen durchgeführt“, sagt Maier. „Weil wir die weltweit größte Expertise auf diesem Gebiet haben, kamen Eltern mit ihren durch Excor Pediatric versorgten Kindern sogar mit dem Ambulanzjet aus den Vereinigten Staaten zu uns“, berichtet er weiter.

Die Implantation eines Herzunterstützungssystems ist zum Beispiel bei einer schweren Herzinsuffizienz notwendig. Sie sei immer die Ultima Ratio, da eine solche Operation mit Belastungen für die Kinder verbunden sei, erklärt Maier. Die Ursache einer Herzinsuffizienz kann ein Herzfehler sein, mit dem nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie von 2013 ein Kind von hundert geboren wird. Wenn die Herzinsuffizienz mit Hilfe von Medikamenten nicht mehr ausreichend therapiert werden kann, wird die Implantation eines Unterstützungssystems erwogen. „Dieses System rettet ständig Leben“, sagt Maier.

Excor Pediatric wird implantiert, wenn der Patient ansonsten keine Überlebenschance hätte, wie Maier schildert. Die Behandlungsdauer mit dem System variiert stark, da für Kinder nur wenig Spenderorgane zur Verfügung stehen, und reicht nach Angaben des Deutschen Herzzentrums Berlin von wenigen Wochen bis hin zu mehreren Jahren. Wie Taylor von Berlin Heart erklärt, ist das System für ein Jahr zugelassen. Anschließend müssten die Blutpumpen gewechselt werden, was aber ohne Operation bei kurzem Anhalten des Blutkreislaufes geschehen kann.

Das Produkt Excor besteht, wie Taylor schildert, aus einer oder zwei Blutpumpen, die sich außerhalb des Körpers befinden. Die Pumpen sind mit Hilfe von jeweils zwei Silikonkanülen mit dem Herzen und den Gefäßen des Patienten verbunden. Sie sind unterteilt in eine Blutkammer und in eine Luftkammer. Diese sind durch eine Dreifachmembran voneinander getrennt. Über eine Verbindung zur Antriebseinheit wird mittels pneumatischem Antrieb Luft in die Luftkammern hineingepumpt und wieder herausgepumpt. Dadurch kommt es zu einer pulsartigen Bewegung der Membran, wodurch das Blut in den Körper hinein- und herausgepumpt wird. Die Implantation findet durch eine Operation am offenen Herzen statt.

Nach dem Bundesanzeiger betrug der Umsatz der Berlin Heart GmbH im Jahr 2017 17,5 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens, das 240 Mitarbeiter beschäftigt, sind Umsatz und Marktanteil stabil geblieben.

Um den Kindern mehr Möglichkeiten zu bieten, sich zu bewegen, zu spielen und zu lernen, hat Berlin Heart eine mobile Antriebseinheit, Excor Active, entwickelt. Sie hat Handgepäckgröße, wiegt nur 15 Kilogramm und bietet eine Akkulaufzeit von mindestens sieben Stunden.

Nadja aus Tennessee konnte nach vier Monaten mit Excor Pediatric erfolgreich ein Spenderorgan transplantiert werden.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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