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Die Retter stecken unter einer Decke

Weltmarktführer Job stellt winzige Ampullen her, die wichtig für das Löschen von Bränden sind.

F.A.Z.

2.05.2019

Nike von Borcke

Johanneum zu Lübeck, Lübeck

Sprinkler löschen Brände; das ist allgemein bekannt. Wenig bekannt ist, dass kleine Ampullen die Anlage auslösen. Solche Ampullen sind das führende Produkt der Job GmbH aus Ahrensburg. „Wenn man irgendwo auf der Welt einen Sprinkler sieht, egal ob auf einem amerikanischen Flughafen, im Deutschen Bundestag oder in einem Hotel in China – die Chance, dass eine unserer Ampullen im Innern ist, liegt bei über 75 Prozent“, erklärt Business Development Manager Rajko Eichhorn. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit mehr als 1,2 Milliarden verkauften Ampullen Weltmarktführer im Segment der thermischen Auslöseelemente. Brennt es zum Beispiel in einem Hotel, führt dies zu einer Reaktion im meistens an der Decke angebrachten Sprinkler. Sobald die Temperatur einen vorgegebenen Wert übersteigt, nimmt das Volumen der farbigen Flüssigkeit in der Ampulle zu, bis diese platzt und den Sprinkler auslöst.

Der 2009 verstorbene Unternehmensgründer Eduard Job erfand eine knochenähnliche Form der Ampulle, wodurch die Größe bisheriger Ampullen auf 3 Millimeter verringert werden konnte. „Diese Ampullen konnten die gleichen Kräfte aufnehmen wie die vorherigen, waren aber sehr viel schneller in der Branderkennung und deshalb auch in der Auslösung der Löschanlage“, erklärt Olaf Carls, Führungskraft bei Job.

Der Exportanteil ist hoch, nach Unternehmensangaben beträgt er rund 80 Prozent. Dies liege daran, dass die Brandschutzvorschriften für Sprinkleranlagen in Deutschland nicht so hoch seien wie in anderen Ländern und es somit nur wenige Hersteller von Sprinkleranlagen gebe, erklärt Eichhorn. In einigen Bundesstaaten Amerikas seien hingegen Sprinkler selbst in Wohngebäuden Pflicht. Amerika mache mehr als die Hälfte des Exports aus, die meisten Kunden dort seien global tätige Unternehmen. Das Unternehmen erzielte nach eigenen Angaben 2018 einen Umsatz von 28 Millionen Euro. Der Erlös ist in den vergangenen Jahren um 5 bis 10 Prozent im Jahr gestiegen.

„Es gibt keinen uns bekannten Fall, in dem die Ampullen während eines Brandes nicht funktioniert haben“, sagt Eichhorn. Als stärksten Konkurrenten bezeichnet das Unternehmen die Nordbulb Sprinkler Elemente GmbH. Ein anderer Weg, eine Sprinkleranlage auszulösen, seien Schmelzlote. „Schmelzlote sind Metalle, die bei bestimmten Temperaturen schmelzen und dann ein Brandbekämpfungsmedium freisetzen“, erklärt Carls.

Nach eigenen Angaben investiert man etwa 10 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Neue Produkte sind der Extinguishing Bulb (E-Bulb) und der Automatic Miniature Fire Extinguisher (AMFE). In beiden ist das Grundprinzip der Ampulle integriert. Die zusätzliche Funktion des AMFE ist das sofortige Löschen eines Feuers innerhalb eines technischen Geräts, bevor es auf andere Gegenstände übergreifen kann. Der E-Bulb kappt nach Entdecken und Löschen des Feuers zudem die Stromversorgung und verhindert somit ein Wiederentzünden. Vor allem im E-Bulb sieht das Unternehmen großes Potential. Laut dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung IFS liegt die Ursache von rund 31 Prozent aller Feuer in der Elektronik.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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