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Der Kunde gibt den Löffel nicht ab

Nun gibt es Eislöffel, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Doch wie groß ist der Effekt für die Umwelt?

F.A.Z.

5.03.2020

Gia Hau Ken Luu

Max-Planck-Schule, Kiel

Spoontainable aus Stuttgart ist nach eigenen Angaben das erste Unternehmen, das Eislöffel produziert, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Die Stuttgarter wollen etwas dagegen tun, dass jedes Jahr in Deutschland mehr als 360 Millionen Plastikeislöffel im Müll landen. Zudem ist in der Europäischen Union Einwegplastik von 2021 an verboten. Die Geschäftsführerinnen Amelie Vermeer und Julia Piechotta haben den Schokolöffel entwickelt. Entstanden ist die Idee im Rahmen eines Universitätsprojekts. Im Sommer 2018 sammelten sie über Crowdfunding 10000 Euro ein. Der „Spoonie choc“ besteht aus Fasern der Kakaoschale und Mehl. Man kann bis zu 60 Minuten sein Eis damit löffeln. Dann kann man ihn essen, er schmeckt wie ein Kakaokeks.

Der Löffel ist seit April 2019 auf dem Markt und wurde seitdem nach Unternehmensangaben mehr als eine Million Mal verkauft. Das brachte einen Umsatz von rund 110000 Euro. Eine weitere Erlössteigerung verspricht die im Januar vereinbarte Kooperation mit Aldi im Rahmen seines Förderprogramms „Tech-Founders“.

Carina Koop, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, mahnt, nicht nur alternative Produkte zu entwickeln, sondern zu prüfen, ob man komplett verzichten könne. Mit Blick auf die Schokolöffel sagt Koop: „Es ist wichtig, dass das essbare Besteck auch wirklich gegessen wird. Denn ansonsten hätte man zwar keinen Plastikabfall, dafür aber Lebensmittelabfälle.“ Die Lebensmittelabfälle würden zwar schneller abgebaut als Plastik. „Aber dass die Eislöffel tatsächlich im Biomüll landen und dort kompostiert werden, ist eher unwahrscheinlich, da es in den Innenstädten kaum öffentliche Biotonnen gibt.“ Eine große Rolle spiele auch die Produktzusammensetzung. „Wenn dafür neue Pflanzen angebaut werden müssen, wird für diesen Prozess viel Wasser und Fläche benötigt.“ Koop resümiert: „Ich denke, der Effekt von essbaren Eislöffeln für die Reduktion der Abfallmengen ist eher klein, aber es kann dabei helfen, ein Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema zu schaffen.“

Die Eislöffel seien eine gute Alternative zu denen aus Plastik und Holz, sagt Inga Kälber, Gründerin der Informationsplattform Zero Waste Deutschland. Allerdings werde Energie für die Herstellung eines Produkts aufgewandt, das in der Regel nicht benötigt werde. „Die Konsumenten sollten dazu angeregt werden, ihre eigenen Löffel und Behälter, beispielsweise aus Glas, mitzubringen oder ihr Eis aus der Waffel zu sich zu nehmen.“

Die Eisdiele „Im Hörnken“ im nordrhein-westfälischen Finnentrop setzt den Spoonie ein. „Jegliche Art, Müll zu vermeiden, ist gut“, sagt Geschäftsführer Rafael Wulff. Löffel aus Biokunststoff seien nur in industriellen Kompostieranlagen biologisch abbaubar und zersetzten sich in der freien Natur genauso schlecht wie Kunststoffe aus Öl, gibt er zu bedenken. Der größte Nachteil des Schokolöffels sei der höhere Preis. „Wir nehmen zum Beispiel 10 Cent Aufpreis für einen Becher mit Löffel, und das ärgert viele Kunden.“

Auch die Kulero GmbH aus Göttingen stellt seit kurzem essbare Löffel her. Sie bestehen laut Mitgründer Hemant Chawla aus ausgebackenem Teig mit verschiedenen Mehlsorten: Weizen, Hafer, Hirse, Reis, Gerste und Kichererbsen. Der Löffel halte etwa 30 Minuten in heißen Suppen und in Eisbechern und Flüssigkeiten ungefähr 60 Minuten. Der Umsatz lag in der zweiten Jahreshälfte 2019 nach Kuleros Angaben bei rund 30000 Euro. Ein Eislöffel kostet je nach Menge zwischen 7 und 10 Cent. Entstanden ist das Projekt 2017 in Indien.

Kulero will die Bereiche erreichen, in denen Plastikbesteck verwendet wird, zum Beispiel Festivals, Eisdielen und die Food-to-go-Branche. Außerdem arbeite man an weiteren Besteck- und Geschirralternativen. Auch Spoontainable entwickelt laut Piechotta neue Produkte, etwa ein komplettes Besteckset. Auch überlege man, Becher und Teller herzustellen.

 

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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