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Das schweißt zusammen

Die Goldschmidt Thermit Group aus Leipzig sorgt für entspannteres Bahnfahren.

F.A.Z.

7.05.2020

Deniz Schäfer

Max-Planck-Gymnasium Lahr, Lahr

Gemütliches Fahren ist ein wichtiges Anliegen der Goldschmidt Thermit Group mit Sitz in Leipzig. Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Hans-Jürgen Mundinger, gibt es noch ein Ziel: „Die Sicherheit ist das Allerwichtigste.“ Das Hauptgeschäft ist das Schweißen von Schienen auf Basis des Thermit-Verfahrens. Thermit besteht aus Aluminiumgranulat und Eisenoxid. Im Thermit-Verfahren reagieren diese durch eine Initialzündung stark exotherm. Durch die große Reaktionswärme gelingt es, flüssigen Stahl von bis zu 3000 Grad ohne externe Energiequellen zu erzeugen und damit Schienenenden zu verschweißen. Das Thermit-Schweißen bekam 1895 das kaiserliche Patent. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer in den Bereichen Verbindungsschweißen und der Instandhaltung von Schienensystemen. 1928 legte die deutsche Reichsbahn das Thermit-Schweißen als Standardverfahren fest, die internationale Expansion folgte nach dem Zweiten Weltkrieg auf alle Kontinente.

Das Unternehmen erzielt laut Mundinger mit rund 1250 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 200 Millionen Euro. „Wir sind kein günstiges Unternehmen“, sagt Mundinger. Dies rechtfertigt er mit einer hohen Qualität. Das Equipment für eine Thermit-Schweißung kostet nach seinen Angaben rund 10 000 Euro. Die Thermit-Schweißung ist aber zwei- bis dreimal günstiger als das Flash-butt-Welding-Schweißen, das mit einem teuren und relativ invariablen Zug an einem kleinen Schienenabschnitt durchgeführt wird. Beide Verfahren werden teilweise kombiniert. Im Bereich des Thermit-Schweißens hält sich die Konkurrenz in Grenzen, während es im Bereich der Schieneninstandhaltung viele Konkurrenten gibt.

Einer der besten Märke ist China, einerseits wegen der „Neuen Seidenstraße“ – dort werden jährlich 80 000 bis 100 000 Stellen von Goldschmidt verschweißt –  und andererseits wegen des wachsenden Schienennetzes. Deutschland sei mit der Deutschen Bahn einer der fünf größten Kunden, sagt Mundinger. Die Bahn kauft das Schweißmaterial ausschließlich bei Goldschmidt. Man habe zu allen Bahnen auf der Welt ein gutes Verhältnis.

Das Unternehmen hat eine App entwickelt, mit welcher der Prozess des Schweißens protokolliert wird. Alle Messungen werden in der Cloud gespeichert. Als zusätzlichen Service bietet das Unternehmen an, die Daten für eine entsprechende Gebühr auszuwerten. Eine digitale Kontrolle in Sibirien, das könne nicht jeder, sagt Mundinger.

Nach eigenen Angaben hat Goldschmidt mit jährlich 1,5 Millionen Schweißungen einen Weltmarktanteil von rund 55 Prozent im Bereich des Thermit-Schweißens. Die Schweißungen werden auch für U-Bahn- und Straßenbahnstrecken durchgeführt. Um die Reparatur von Brücken zu erleichtern, hat das Unternehmen ein Zwei-Wege-Fahrzeug entwickelt, das sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene fahren kann. Außerdem baut das Unternehmen Messtechnik an alte Züge. Die Züge suchen nach kaputten Schienenteilen. Der kurioseste Auftrag war freilich das teilweise Verschweißen des Football-Stadions der New York Yankees in 80 Meter Höhe.

Im Management des Unternehmens kann man zwischen einem Firmenauto und einer Bahncard 100 für die erste Klasse wählen. Von rund zwanzig Mitarbeitern haben sich zehn für eine Bahncard und sieben für einen Dienstwagen entschieden. Alle Mitarbeiter außerhalb des Managements bekommen einen Zuschuss auf das regionale Monatsticket.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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