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Da hat der Ruhrpott den Salat

Edamame und Süßkartoffelspiralen: Die Lieferung von gesundem Essen liegt im Trend, wie das Beispiel von drei Start-ups zeigt.

F.A.Z.

16.09.2021

Milena Kamp

Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

Die Pottsalat GmbH, die Pia Gerigk, Alexandra Künne und Ben Küstner 2017 in Essen gegründet haben, liefert  Salate und Bowls.   „Bowls zeichnen sich im Gegensatz zu Salaten durch eine Basis wie Reis, Quinoa, Nudeln oder Blumenkohlreis aus“, erklärt Küstner.   Man  hat  eine Filiale in Essen und eine in  Dortmund. Auf die Geschäftsidee kamen sie, als ihnen auffiel,  wie schwer es ist, sich am Arbeitsplatz gesund zu ernähren. Zu der Zeit ihrer Gründung nahm das Thema Essenslieferungen gerade Fahrt auf. 

Sie entschieden sich für ein „Lean-Start-up“, ein Konzept  aus dem Silicon Valley.„Statt sehr viel Zeit und Geld in die Vorentwicklung eines Produktes zu stecken, was am Ende vielleicht niemand haben möchte, versucht man mit einem ,minimal lauffähigen Produkt‘, das im Detail noch nicht perfekt ist, so schnell und kostengünstig wie möglich die zentrale Grundfrage, auf der eine Geschäftsidee beruht, zu beantworten“, erklärt Küstner. Ihre Frage war, ob Menschen online Salate bestellen wollen.  Die Antwort war rasch klar:    „Schon zwei Stunden nach unserer Gründung der Internetseite waren wir ausverkauft.“  

Man holte Geldgeber  an Bord.     Im Frühjahr dieses Jahres wurde dann  bekannt, dass  Dirk Schneider und Hans Christian Limmer für fast 2 Millionen Euro 30 Prozent an Pottsalat erworben haben. Die beiden haben die Bäckereikette Backwerk gegründet und sind Gesellschafter der Burgerrestaurantkette Hans im Glück.  Inzwischen beschäftigt Pottsalat 170 Mitarbeiter.    

Am liebsten stellten sich die Kunden auf der Internetseite ihr Gericht selbst zusammen, sagt Küstner.    Die Konversationsrate, das Verhältnis der Personen, die  kaufen, zur Zahl der Besucher der Internetseite, liege über 20 Prozent. Das sei deutlich mehr als der Durchschnittswert klassischer E-Commerce-Modelle. „Wir können unseren Onlineshop rein auf unsere Salate und Bowls perfektionieren, während Lieferando für alle möglichen Konzepte das Bestmögliche bauen muss“, sagt Küstner.     


„Seit dem ersten Lockdown im März 2020 sind die großen Bürobestellungen von 10 bis 20 Salaten schlagartig zurückgegangen. Nun kommt es zu mehr kleinen Bestellungen nach Hause“, berichtet Küstner. Der Durchschnittswert einer Lieferung habe 2020  rund 30 Euro betragen.     Durchschnittlich kostet ein  Gericht  10,20 Euro. Der Umsatz habe im  Januar    340 000 Euro betragen; im vergangenen Jahr habe  er sich gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 Millionen Euro verdoppelt. „Falafel, Jackfruit, Tofu und  ein Fleischersatz aus Erbsenprotein finden derzeit einen enormen Anklang“, sagt Küstner. Die Bowls haben Namen wie „Dieter Bowlen“ und „Costa Bowladis“. Die Musik von  Costa Cordalis „läuft bei uns rauf und runter“, erzählt Küstner. Marketing sei ein Kampf um Aufmerksamkeit.  

Die Salatkind GmbH aus Ingolstadt  setzt auf ein ähnliches Konzept. Marcel Hagmann hat das Unternehmen  2009 gegründet. Mit Jörg Pfeiffer, dem anderen Geschäftsführer, habe er beschlossen, nach den beiden Filialen in Ingolstadt eine dritte  in Köln zu eröffnen.     Man bietet  Break-Bowls an, die kleinere Variante der normalen Bowl,  Ofenkartoffeln, die „Feldhelden“ heißen,  und Salate, die im Durchschnitt  rund 7  Euro kosten.   Der vegane Bestseller heißt „Plant Power“.      „Unser Hauptaugenmerk legen wir auf Firmenkunden“, erzählt Nadine Hagmann, Geschäftsführerin in Köln, wo man  im Gewerbegebiet ansässig ist.  Zu Beginn der Pandemie hatte man wegen des  Homeoffices  Umsatzeinbußen. Doch man erweiterte den Lieferservice auf  Privathaushalte und fing die Rückgänge „grob“  auf. Laut Marcel Hagmann betrug der Umsatz in allen Filialen im vergangenen Jahr  2 Millionen Euro.   Man beschäftige  32 Mitarbeiter und  habe 2020 etwa 30 000 Produkte verkauft. Das jährliche Wachstum liege bei 15 bis 20 Prozent. 
 Salatkind  verwendet    Trendzutaten wie  Meeresspargel, Honey Pulled Chicken und  ofengerösteten Balsamico-Rosenkohl.    Sie wüssten, dass durch  das To-go-Konzept  viel Plastikmüll anfalle, sagt Nadine Hagmann.  Daher haben sie die Salatschalen auf Bagasse umgestellt,  ein Abfallprodukt der Zuckerrohrherstellung. Manche  Kunden verwendeten nach Absprache  die Schalen mehrmals. Sie waschen sie aus, und Salatkind desinfiziert sie.

Die Nährstoff-Reich  GmbH wurde  2018 von Geschäftsführer Florian Klar gegründet. In zwei Filialen in Bochum  verkauft man  Bowls, Smoothies und Sandwiches und bietet auch Lieferungen an. Klar hatte zuvor  mit einem Freund  einen  Onlineshop für  Chiasamen, Hanfsamen und Magmapulver gegründet. Gesunde Ernährung werde meistens nicht positiv vermarktet, meint er. Ihr   Essen  nennen sie „Superfood“. Man habe 30 Produkte im Sortiment, die Bowls seien am beliebtesten.    „Sobald ein Gericht in einer Bowlschale angerichtet wird, kann man es als Bowl bezeichnen.“  Nach Klars  Angaben  liegen derzeit  Avocado, Edamame, Süßkartoffelspiralen, Wildkräutersalat und Blumenkohlreis  im Trend.

2020 habe man einen Umsatz von 500 000 Euro erzielt, 15 Prozent mehr als 2019. Das Unternehmen  beschäftigt  30 Mitarbeiter. Man lege viel Wert auf Ästhetik. „Wir haben den Wandel von Social-Media-Plattformen wie  Instagram verfolgt und sind der Meinung, dass das Auge mitisst und gut aussehendes Essen bei der Kundschaft gut ankommt“, berichtet Klar.   Kernzielgruppe sind  18- bis 40-Jährige.     Man beliefert auch die  erste Mannschaft des Fußballvereins Vfl Bochum.  

Milena Kamp


Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

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