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Blut in Sicherheit wiegen

Wie eine Waage aus Fulda Blutspendern nützt

F.A.Z.

7.02.2019

Selina Krebs

Winfriedschule Fulda, Fulda

Die Möller Medical GmbH, ein Medizintechnikhersteller aus Fulda, sei auf dem europäischen Markt für Blutmischwaagen mit rund 20 Prozent Marktführer, sagt der Geschäftsführer Christoph Traxler. Das wichtigste Produkt des Mittelständlers ist die Blutmischwaage Docon, deren Name sich aus Donation und Controller zusammensetzt: Mit Hilfe des Geräts wird der Blutspendevorgang überwacht und dokumentiert. Es gibt es seit mehr als vierzig Jahren und wird in Blutspendeorganisationen wie dem Roten Kreuz eingesetzt.

Die Blutmischwaage nimmt Messungen an dem in der Waagschale liegenden Blutbeutel vor und gibt gegebenenfalls Signale ab. „Wenn das Gewicht zu schnell zunimmt, könnte es sein, dass man eine Arterie getroffen hat und das Blut somit zu schnell fließt“, erklärt Traxler. „Wenn das Gewicht zu langsam zunimmt, könnte es sein, dass der Patient bewusstlos geworden ist.“ Außerdem wird durch eine ständige Wippbewegung der Waage eine Vermischung des Bluts mit einem Antigerinnungsmittel erreicht.

Neben dem Markengeschäft, in dem Docon mit 10 Prozent und das Gerät Liquo Guard nach Traxler den größten Anteil des Umsatzes ausmachen, ist Möller Medical im Industriegeschäft tätig. Man tritt dann beispielsweise als Komponentenlieferant für andere Unternehmen auf. Das Kerngeschäft ist dort die Schlauchpumpe. Sie wird beispielsweise in der Dialyse verwendet.

Ein Viertel des jährlichen Umsatzes steckt Möller Medical nach eigenen Angaben in die Weiterentwicklung der Produkte. Der Umsatz des Mittelständlers, der seit 2003 zur börsennotierten Centrotec Sustainable AG gehört und am Produktionsstandort Fulda knapp 250 Mitarbeiter beschäftigt, hat nach Traxler 2018 knapp 30 Millionen Euro betragen. Er steige in den meisten Jahren um etwa 10 Prozent und setze sich zu 80 Prozent aus Einnahmen im Bereich der Analytik und Medizintechnik und zu 20 Prozent aus Einnahmen in der Feinwerktechnik wie Nadeln und Kanülen zusammen.

Der Exportanteil mache im Direktverkauf etwa ein Drittel des Umsatzes aus. Nach Traxler liefert man in etwa achtzig Länder. Europa sei sehr wichtig, und Amerika sei Zielmarkt: Nach der Erfüllung von Auflagen könne ein sehr großer Markt erschlossen werden. „Vor zwanzig Jahren war es noch möglich, für 100000 Euro ein Medizingerät zu entwickeln. Heute ist es schon mutig zu sagen: Wir können es für eine drei viertel Million machen. Das liegt vor allem an den Erschwernissen in der Regulierung“, sagt Traxler. Gemeint sind etwa die Gewährleistung der elektrischen Sicherheit und Brandschutzauflagen.

„Das innovativste und anspruchsvollste Gerät von Möller Medical ist der Liquo Guard“, erklärt Entwicklungleiter Ingmar Bott. „Das Gerät ist direkt mit einer Flüssigkeit des Patienten verbunden und muss unverzüglich auf Signale reagieren.“ Der Liquo Guard wird in der Liquordrainage zur Einstellung und Kontrolle des Liquordrucks eingesetzt. Dabei wird überschüssiges Liquor – eine Flüssigkeit in Gehirn und Rückenmark, die die Versorgung mit Sauerstoff- und Nährstoffen sicherstellt – entfernt, ohne zu saugen. Das Gerät kostet rund 15000 Euro, der Preis der Blutmischwaage Docon liegt zwischen 2000 und 2500 Euro.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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