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Bezahlbarer Wohnraum

Ein Unternehmen kauft aussortierte Seecontainern und wandelt sie in Wohnmodule um.

F.A.Z.

2.06.2022

Bayan Moustafa

Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

Die Containerwerk eins GmbH ermöglicht  bezahlbaren Wohnraum, indem sie  Seefrachtcontainer recycelt. Das in Wassenberg in Nordrhein-Westfalen ansässige  Unternehmen kauft von Anbietern in deutschen Häfen aussortierte Seefracht­container zum Stückpreis von 3000 bis 4000 Euro und stellt daraus  Wohn­module her, wie der Geschäftsführer Nico Sauerland berichtet. Die  Module können  für Studentenwohnheime, Apartmentgebäude, Mehrfamilienhäuser, Bürokomplexe, Ferienwohnungen, Pflegeeinrichtungen, städtisches Wohnen und Hotels genutzt werden. 

Containerwerk eins entstand aus einem Messebauunternehmen. 2008 habe man im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem  Fraunhofer-Institut den Auftrag bekommen, Wohn- und Arbeitsflächen  der Zukunft zu entwickeln,  sagt Sauerland.   Man baute aus einem Container ein Hotelzimmer. Dann stellte  man  für große Unternehmen Büros aus Seefrachtcontainern her. „Wir haben die Container etwas moderner, etwas hübscher und nicht wie andere Anbieter in einfachem Standardgrau gebaut“, erzählt  Sauerland. 2015 bekam  das Unternehmen eine Anfrage von einem internationalen Investmentfonds, mindestens 1000 Studentenheime aus Containern zu bauen. Man habe den Auftrag abgelehnt, weil  man nur 25 Mitarbeiter beschäftigt  und  die Container noch von  Hand gebaut habe,  berichtet Sauerland. Der Fonds bot an, das Unternehmen finanziell zu unterstützen. Es habe Jahre gedauert, bis man  auf  die weltweit   patentierte Lösung gekommen sei, sagt   Sauerland.  In der Fertigungsanlage wird der Hochleistungsdämmstoff Polyurethan-Schaum  in einem  patentierten Verfahren dreidimensional und vollautomatisch in die Container eingebracht. „Diese Lösung unterscheidet uns von anderen Containerbauern auf der Welt, weil sie alle per Hand bauen und wir die Einzigen sind, die es anders machen.“ 

In Wassenberg arbeiten   60 Mitarbeiter und am zweiten Standort in Stuttgart fünf.  Die Wohnmodule werden laut Sauerland international verkauft. Es gibt zwei Standardgrößen: 12,3 und 25,5 Quadratmeter; der Quadratmeterpreis beträgt 1350 Euro. Ein  Container könne  in  wenigen Tagen in ein Wohnmodul umgewandelt werden, berichtet der Geschäftsführer.   Der kurioseste Auftrag war bisher eine Forschungsstation im Dschungel von Costa Rica für die Rausch Schokoladen GmbH.

Im vergangenen Jahr  wurden 150 Module produziert. Dieses Jahr sollen es rund  500 werden und der Umsatz  bis zu 10 Millionen Euro betragen.

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