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Bewegtes Leben

Böckmann ist Marktführer für Pferdeanhänger. Die Tiere mögen diese Fahrzeuge allerdings nicht besonders.

F.A.Z.

20.03.2020

Daniel Andrecht

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Pferdebesitzer beschäftigt die Frage, wie ihre Pferde gut transportiert werden können. „Während der Fahrt kann es bei Vollbremsungen zu Verletzungen des Tieres kommen“, erklärt Susann Klepzig vom Reit- und Fahrsportverein Rhumehof e.V. in Gieboldehausen, Niedersachsen. „Alles ist auf Kundenwunsch möglich“, sagt Justus Böckmann, Mitglied der Geschäftsführung der Böckmann Fahrzeugwerke GmbH. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 40 Prozent deutscher Marktführer in der Pferdeanhängerbranche. Gegründet 1956 als Dorfschmiede im niedersächsischen Lastrup, beschäftigt Böckmann inzwischen mehr als 300 Mitarbeiter. Das Unternehmen kooperiert mit 122 Vertriebspartnern auf der Welt, zum Beispiel in Iran und Schweden.

Der 2010 verstorbene Gründer, Anton Böckmann, weckte in seinen vier Söhnen schon früh die Begeisterung für den Reitsport. Um die Ponys zu Turnieren transportieren zu können, konstruierte er einen Pony-Anhänger und wenig später auch Pferdeanhänger, denn seine handgefertigten Modelle fanden nicht nur bei den Pferdebesitzern aus der Nachbarschaft Anklang. In den 1970er Jahren begann die Serienproduktion. 2018 hat man mehr als 6000 Pferdeanhänger produziert. Für den Produktionsprozess nutzt Böckmann die Linienfertigung. Das bedeutet, dass die Produkte Fertigungsstraßen durchfahren.

Die Produktpalette umfasst auch PKW- und Viehanhänger. Insgesamt lag der Umsatz der Böckmann Fahrzeugwerke 2018 im oberen achtstelligen Bereich, berichtet Böckmann. „Die Preise sind sehr stark abhängig von den einzelnen Modellen“, sagt Anna Hoff aus dem Marketing. Der Preis eines Tiefladers beginne bei 820 Euro, das Einsteigermodell unter den Pferdeanhängern „Uno Esprit Silver + Black“ sei ab 4380 Euro erhältlich. Die teuersten Modelle sind die „Horse Trucks“, sie kosten mindestens 49000 Euro. Es gibt noch eine dritte Klasse namens „Performance“. Diese Trucks weisen ein durchschnittliches Gewicht von 7,5 Tonnen aus, ihre Preise liegen bei rund 110000 Euro.

Mithilfe eines Online-Konfigurators können sich Kunden ihren Anhänger zusammenstellen. So ist laut Böckmann nach der Auswahl von Wandbespannung, Badarmaturen und Oberflächenmaterialien wie Echtleder jedes Horse-Truck-Modell ein Unikat. Bei der Farbauswahl hätten die Kunden Vorlieben. „Eine der gängigsten Farben ist Anthrazit metallic.“ Derzeit ist das Modell „Böckmann Neo“ beliebt, weil zum Beispiel die Seitenfenster durch ein Lichtband miteinander verbunden sind und die LED-Beleuchtung zwischen weiß und blau umgeschaltet werden kann. Die Anpassung an individuelle Kundenbedürfnisse ist auch wichtig, weil bekannte und erfolgreiche Reiterinnen wie Ingrid Klimke und Isabell Werth zu den Kunden zählen.

Bei Testfahrten auf dem firmeneigenen Gestüt gab es schon skurrile Szenen. Pferde testeten alles, sagt Böckmann. So komme es vor, dass die Tiere die an den Fenstern angebrachten Schutzgitter anfräßen. Ein weiteres Problem stelle der seitlich angebrachte Trittschutz dar. „Egal wie hoch dieser gezogen wird, Pferde kommen drüber, jede Wette.“ Das ist vor allem auf ihren Fluchtinstinkt zurückzuführen. „Für ein Pferd ist es wider alle Natur, sich in einem eingeengten Raum mit verringertem Sichtfeld und keiner Bewegungsmöglichkeit zu befinden“, erklärt Reiterin Klepzig.

Schon der Weg in den Anhänger ist eine Geduldsprobe. Vor allem aber ist es wichtig, dem Tier die Angst vor dem Innenleben des Gefährts zu nehmen. „Auf unserem Hof haben wir Heunetze und Gummimatten, so haben die Pferde während der Fahrt eine Beschäftigung und rutschen nicht so leicht“, berichtet Klepzig.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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