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Wo man seinen Stuhl räumt

Wie das Entleeren der Campingtoilette erleichtert wird

F.A.Z.

2.06.2016

Felix Schuhkraft

Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

Wohnmobilfahrer kennen das: Man steht vor der Toilette und bemerkt, dass sie voll ist. Dieses Erlebnis hatte auch Ralf Tebartz während seines ersten Campingurlaubs vor elf Jahren. „Total entsetzt und angeekelt“ sei er vom Reinigen der Kassette gewesen, erzählt er. Nach Hause zurückgekehrt, begann er, nach einer praktikablen Lösung für die Entleerung von Kassettentoiletten zu suchen. Sechs Jahre lang tüftelten er und sein Partner Mark Butterweck, unter anderem experimentierten sie mit Hundekot aus dem Tierheim. Heraus kam die „CamperClean Station“, die seit 2013 von der CamperClean Ralf Tebartz und Mark Butterweck GbR mit Sitz im nordrhein-westfälischen Schermbeck vermarktet wird. Vorher arbeitete Tebartz als Verkaufsleiter. Butterweck ist gelernter Kraftfahrzeugmechaniker.

Der Wohnmobilfahrer kann in der Station die Toilette automatisch reinigen lassen. Den Preis legt der Campingplatzbesitzer fest; sie verlangen bis zu 3 Euro. Sobald das Geld eingeworfen und der Startknopf gedrückt worden ist, öffnet sich ein kleiner Rollladen. An der Kassettentoilette muss eine Klappe geöffnet werden, dann kann sie in die Station geschoben werden. Nun wird sie mit einer Saug-Spül-Vorrichtung ohne Rückstände gereinigt. Anschließend werden ein umweltfreundlicher Sanitärzusatz und zwei Liter Frischwasser für die weitere Benutzung in die Toilette gegeben.

„Unsere Technik ist einzigartig“, sagt Tebartz und fügt hinzu: „Der Automat ist so gebaut, dass Anwendungsfehler ausgeschlossen werden können.“ Gereinigt werden können fünf Modelle von Thetford, einem der Marktführer in der Campingsanitärbranche. Es sei nicht teurer, eine Kassettentoilette auf diese Weise zu reinigen, weil auf den Campingplätzen in der Regel eine Gebühr für die Reinigung der Kassette in ähnlicher Höhe erhoben werde. Es werde zudem bis zu 50 Prozent weniger Wasser verbraucht.

„Wir konnten die Anzahl der Stationen im vergangenen Jahr mehr als verdreifachen“, berichtet Butterweck. „Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir unsere Produktionskapazität erhöht und rechnen mit einem weiterhin deutlichen Wachstum.“ Bisher hat man etwa fünfzig Stationen vermietet oder verkauft. Eine Station kann ab 189 Euro im Monat geleast oder für knapp 13600 Euro gekauft werden. Teurer wird es, wenn man zusätzlich einen Vandalismusschutz oder eine beleuchtete Gerätefront haben möchte.

Sieben europäische Länder hat man bisher erschlossen. Weitere sollen nach dem Willen der Gründer hinzukommen. Sie sind zuversichtlich: „Unsere vollautomatische Entsorgung wird so selbstverständlich sein wie ein Stromanschluss oder W-Lan.“

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