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Wo man Gäste bunkert

Auch Deutsche befreien sich aus zugesperrten Räumen

F.A.Z.

18.12.2015

Florian Ney

Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

Eingesperrt in einem chaotisch eingerichteten Raum eines alten DDR-Bunkers: Panisch sucht eine Gruppe von Leuten nach Anhaltspunkten und Hilfsmitteln, die helfen, die Tür in die Freiheit zu öffnen. Schubladen werden durchwühlt und Bilder von der Wand gerissen, während auf einem Bildschirm unablässig die Sekunden ablaufen. Das ist kein Horrorfilm, sondern ein „Live Escape Game“ und kann bei Exit Berlin, einer Marke der Peng Communications GmbH, direkt am Alexanderplatz gebucht werden. Die Spieler werden von Gamemastern per Kamera überwacht und, wenn notwendig, mit Hinweisen versorgt. Sie haben 66 Minuten, um sich zu befreien.

Seit einigen Jahren verbreiten sich die Live Escape Games auch in Deutschland. Auf der Brancheninternetseite www.live-escape-games.de findet man mittlerweile 82 Anbieter in Deutschland, zwölf davon in Berlin. Der zweite Anbieter dort war Peng Communications im Juni 2014 mit Exit Berlin. Mit dem Umzug in einen ehemaligen Luftschutzbunker des DDR-Fernmeldeamtes Anfang 2015 wurde es mit vier Räumen auf 350 Quadratmetern zum größten Live Escape Game Deutschlands.

Peng ist eine von Rael Hoffmann und Max Mühlbach gegründete inhabergeführte Kommunikationsagentur. Exit Berlin war laut Mühlbach anfangs nur „eine Bastelei in den Abendstunden“, nehme jetzt aber wegen der positiven Resonanz „ungefähr zwei Drittel unserer Aufgaben ein“. Für zwei Personen kostet ein Spiel 59 Euro, für drei 79 Euro und für jede weitere Person 10 Euro. „In den von uns empfohlenen Teamstärken von vier bis sechs Spielern sind das 18 bis 22 Euro je Person.“

Neben Privatkunden, die am Wochenende 90 Prozent und unter der Woche 40 Prozent der Kundschaft ausmachen, nutzen vor allem unter der Woche Unternehmen das Spiel, beispielsweise für Teambuilding. „Zum Beispiel hatten wir Unternehmen hier, die in Berlin und München Dependancen haben; die Mitarbeiter kennen sich zum Teil nur vom Telefon und durch E-Mails. Jetzt waren sie mal gemeinsam in einem Raum, um zusammen ein Projekt zu verwirklichen“, erzählt Mühlbach. Künftig sollen auch Assessment-Center buchbar sein und Personal Coaches, die das Spielerverhalten auswerten. Die Kernkundschaft von Exit ist 25 bis 45 Jahre alt, rund 35 Prozent sind Frauen.

20 Mitarbeiter sind für Exit tätig, davon 15 Studenten auf 450-Euro-Basis. Durchschnittlich 150 Raumvermietungen verzeichnet Exit in der Woche. Ein Unternehmer in Madrid, dem das Modell gefallen hat, hat die Lizenzrechte für den Vertrieb in Madrid erworben und dort seine eigene Exit-Filiale eröffnet. Seit der Neueröffnung nach dem Umzug in den stillgelegten DDR-Bunker Anfang Februar generiert Exit ungefähr 30 000 Euro Umsatz im Monat.

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