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Wie man mit Hunden haufenweise Geld verdient

Leberwursteis, Fitnesstrainer oder Designer-T-Shirt – das Angebot für den besten Freund des Menschen wächst.

F.A.Z.

4.10.2018

Julia Röper

Berufskolleg Siegburg, Siegburg

Fressen auf Rädern, Dog TV, Beautysalons und Fitnesstrainer für Hunde – da können sich Vierbeiner nur pudelwohl fühlen, oder? Früher habe der Hund im Freien gelebt als Beschützer von Haus und Hof, heute sei er ein Familienmitglied, der beste Freund oder sogar Seelenpartner, sagt Nicolette Rathenow, Geschäftsführerin von Cani di Mondo, einer Hundeboutique im brandenburgischen Birkenwerder. 2017 lebten nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland 9,2 Millionen Hunde in 18 Prozent der Haushalte. Die Branche für Heimtierbedarf ist stetig gewachsen und umfasst für Hunde rund 5Milliarden Euro, wie eine Studie von Renate Ohr von der Universität Göttingen zeigt.

Eine wichtige Rolle für Hundebesitzer spielt die Trixie Heimtierbedarf GmbH & Co. KG aus Tarp; nach eigenen Angaben ist man europäischer Marktführer für Heimtierzubehör. Man vertreibe mehr als 6500 Artikel, mindestens 4700 seien nur für Hunde. Am meisten nachgefragt seien Snacks und Kauartikel. Zu den Verkaufsschlagern gehörten auch Fahrradanhänger, Fahrradkörbe, ein Activity-Tunnel und Hundebetten. Wenn das Zuhause von Frauchen oder Herrchen in Grau gehalten sei, dann wollten die meisten Kunden auch graue Kissen oder graues Spielzeug, berichtet Marketingleiterin Claudia Menzel. Dem Hund sei das ja egal.

Viele der Kunden seien Frauen von 30 bis 60 Jahren. Der Umsatz ist nach Angaben des Geschäftsführers Volker Haak stetig gestiegen, 2017 habe er zwischen 150 und 200 Millionen Euro gelegen. Unter den Fachhandelskunden befinden sich viele Ketten und Online-Shops. Die größten seien Amazon, Fressnapf und Das Futterhaus, berichtet Haak. Trixie verkauft auch Luxusartikel, bis vor kurzem zum Beispiel eine mit Maja Prinzessin von Hohenzollern entwickelte Serie „für tierische Prinzen & Prinzessinnen“ mit eingesticktem Wappen und Krone.

Wie die Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Renate Ohr zeigt, nehmen die auf Luxus spezialisierten Geschäfte für Hunde zu. Diese Boutiquen haben Namen wie Society Dog, Luxury Dog oder Hundecouture. Auch Cani di Mondo bietet „edle Hundeaccessoires für Hunde von Welt“. Der meistgefragte Artikel ist laut der Geschäftsführerin Nicolette Rathenow das Hundehalsband, das bis zu 200 Euro kosten kann.

Als Pionier bezeichnet sich das im Oktober 2006 eröffnete Hundeparadies in Baden-Baden. Es gehört zur Dog One GmbH mit Sitz in Lichtenau. In der Boutique von Martina Borchmann gibt es italienische Designerstücke, zum Beispiel T-Shirts, Regenmäntel, Kleider, Jeans, Bademäntel und gefütterte Kunstpelze sowie Accessoires wie Halstücher und Hüte. Selbst Perlenketten, edle Schmuckanhänger und Hundeparfüms gehören zum Sortiment. Im Schnitt gäben die Kunden 100 Euro je Ladenbesuch aus. Genaue Umsatzzahlen will die Inhaberin nicht nennen, sie verweist nur auf eine kontinuierliche Nachfragesteigerung.

Der Trend zum „Dog-Styling“ komme aus den Vereinigten Staaten, erläutert Borchmann. Mittlerweile gebe es 6000 Hundeboutiquen in Europa. Für den Zoofachhandel hat Dog One ein Shop-in-Shop-System entwickelt: Boutique-Ecken, in denen exklusive Bekleidungsstücke für Hunde angeboten werden, von Fußballtrikots über Hundehosen und -röcke bis hin zu Trachtenmode.

„Einige Produkte sehen aus wie Luxus, sind aber dennoch sinnvoll“, sagt Antje Schreiber, Pressesprecherin des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe, und nennt als Beispiel Hundeschuhe, denn Streusalz und Splitt könnten die Pfotenballen verletzen. Für bestimmte Hunderassen ohne Unterwolle sind nach ihrer Meinung Hundemäntel sinnvoll. Bei Minustemperaturen hätten die Vierbeiner oft Schwierigkeiten, sich nach dem Aufenthalt in der beheizten Wohnung dem kalten Winterwetter anzupassen. Und kurzbeinige Hunderassen würden am Bauch schnell nass und benötigten einen „Unterbodenschutz“. So beuge man Blasen- und Nierenentzündungen vor.

Beim Kauf von witzigen T-Shirts, Hochzeitskleidern und strassbesetzten Halsbändern stehe hingegen nicht das Wohl des Tieres im Vordergrund, sondern der Geschmack des Halters. Aus Sicht des Verbandes sei erlaubt, was dem Tier nicht schade. „Die Bekleidung sollte den Hund auf keinen Fall in seiner Bewegungsfreiheit behindern.“ Schreiber warnt auch vor Tierparfüm. Es beeinträchtige ein wichtiges Sinnesorgan des Hundes. „Aber ob der Hund in einem als Thron gestalteten Hundebett schläft oder in einem normalen Hundebett, ist ihm ziemlich egal.“

Inzwischen gibt es auch Eis für Hunde, zum Beispiel im Eiscafé von Marco Vazzola in Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. „Ich habe schon vor Jahren bemerkt, dass Hundebesitzer gerade an heißen Tagen für ihren Hund eine Extrakugel Eis gekauft haben“, erzählt Vazzola. Für das Hundeeis werde viel weniger Zucker verwendet. Vazzola hat schon einige Sorten ausprobiert; so kamen Banane und Vanille gut an, Erdbeere weniger. Neue Kreationen sind Leberwursteis und Geräucherter-Lachs-Eis. Im vergangenen Jahr habe er von März bis September 2500 Becher Hundeeis mit jeweils 2 Kugeln für 3 Euro verkauft, sagt Vazzola. In dieser Saison seien es nach sechs Wochen schon dreimal so viele Portionen gewesen. „Mittlerweile liefere ich mein Hundeeis nach ganz Deutschland.“ Udo Kopernik, Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen, sagt, dass es auf die Menge ankomme, die der Hund esse. In vernünftigen Dosen könne es eine angenehme Abkühlung sein. Zu viel Eis könne eine Magenschleimhautentzündung verursachen.

Nahe Dortmund gibt es das Hundehotel Bergmannshof, eine Luxusunterkunft mit großem Schwimmteich. Auf dem Tagesplan stehen Wellness und lange Spaziergänge. Eine Nacht kostet im Gruppenzimmer, je nach Größe des Tiers, 20 bis 26 Euro, im Einzelzimmer – zum Beispiel für Hunde mit schlechtem Sozialverhalten – 45 Euro. Die Betreuung am Tag kostet 14 bis 20 Euro. Auch das Seehotel Moldan in Postmünster bietet Verwöhnprogramme für Hunde an, zum Beispiel Wellnesspakete für alternde Tiere – mit Akupunktur, Magnetfeldtherapie, Massagen und Krankengymnastik.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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