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Wenn man am Flughafen nur Bahnhof versteht

Der Frankfurter Flughafen beschäftigt Einkaufsberater, die sich um ausländische Gäste kümmern – vor allem um Chinesen.

F.A.Z.

2.04.2015

Nele Gromes

Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

Zehn bis fünfzig Chinesen berät sie am Tag, hilft ihnen, den richtigen Wein oder die perfekte Uhr zu finden. Verena Schneider ist Mitarbeiterin der Chinese Personal Shopper am Frankfurter Flughafen. Sie hat einen Beruf, der vom Flughafenbetreiber Fraport AG ins Leben gerufen wurde und aus dem Projekt „Great to have you here!“ entstanden ist. Man wollte es für die Fluggäste angenehmer machen, sich am Flughafen aufzuhalten; es ging vor allem darum, Abläufe zu verbessern und Wartezeiten zu verkürzen. Um das Einkaufen angenehmer zu gestalten, wurden „Shopping Assistants“ eingesetzt. Schnell wurde klar, dass vor allem Chinesen viel kaufen und dabei sprachliche Hilfe brauchen.

Anfangs gab es einen Chinese-Shopping-Berater, inzwischen sind es dreizehn, täglich arbeiten sieben von ihnen am Flughafen, vor und hinter der Sicherheitskontrolle. Zu erkennen sind die Chinese Personal Shopper an ihren Namensschildern, auf denen man ihren Namen auf Chinesisch lesen kann. Auf ihren Umhängetaschen steht, ebenfalls auf Chinesisch, „Herzlich Willkommen am Frankfurter Flughafen“ und „kostenloser Chinesisch-Service“, außerdem ist die rote Flagge Chinas aufgedruckt. Von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends sind Personal Shopper sowohl im Terminal 1 als auch im Terminal 2 zu finden. Die Geschäfte haben ebenfalls ihre Visitenkarten und können sie informieren, wenn es Probleme bei der Verständigung gibt. Manche, die den Dienst schon in Anspruch genommen haben, erzählen davon zu Hause; so kommen auch direkte Anfragen per E-Mail.

Auf die Frage, ob sie ihm helfen könne, habe ein Chinese geantwortet: „Nein, wir haben gerade etwas gekauft, aber ich habe ein Bild von dir auf meinem Handy“, erzählt Verena Schneider. Er hatte von einem Arbeitskollegen das Bild geschickt bekommen, als er fragte, wo dieser seine Kopfhörer gekauft habe. Schneider hilft, wenn es darum geht, was man wo kaufen kann. Sie hilft auch, einen verschollenen Koffer wiederzufinden. Sie beantwortet ebenfalls allgemeine Fragen. Der Dienst komme gut an, die Chinesen fühlten sich sicherer und kauften mehr. Am liebsten erwerben sie Rotwein, Töpfe, Schokolade und Geschenke für viele Leute. „Je nach Grad der Freundschaft wird dann auch mal ein Hermès-Schal für 300 bis 400 Euro geschenkt.“ Die Ausgaben je Einkauf liegen nach Schneiders Angaben meistens bei mehr als 100 Euro. Im Schnitt gebe ein Chinese ungefähr das Achtzehnfache dessen aus, was die Deutschen ausgeben würden; durch die Unterstützung der Personal Shopper steigen laut Fraport die Umsätze je Person im zweistelligen Prozentbereich.

Für viele Chinesen ist es wichtig zu zeigen, dass sie in Europa waren, weshalb sie gerne deutsche oder Schweizer Schokolade mitbringen. Auch Luxusartikel seien beliebt, besonders Uhren und Koffer, wobei der Preis der Uhren meistens bei 5000 Euro anfange. Hochwertige Koffer des deutschen Herstellers Rimowa sind die gefragtesten, der Preis liege zwischen 250 und 900 Euro. Bei Frauen seien auch Handtaschen begehrt, besonders die von Prada, Burberry und Hermès.

Diese Artikel in Deutschland zu kaufen lohnt sich für die chinesischen Gäste, weil sie hier keine Luxussteuer zahlen müssen und sich die Mehrwertsteuer zurückholen können. Außerdem seien sie sich sicherer, keine Fälschungen zu kaufen, sagt Larissa Elfes von der Fraport AG, die für das Personal-Shopper-Programm zuständig ist. Für Chinesen ist Einkaufen ein Teil ihrer Reise, daher planen sie Geld nur für Shopping ein.

Täglich kommen am Frankfurter Flughafen zwischen sieben und zehn Flüge aus China an. Die meisten Reisenden kommen zwischen Anfang April und Ende Oktober. Besonders bei den Reisegruppen merke man die Auswirkungen der Jahreszeiten, sagt Verena Schneider. Deutschland stand im ersten Quartal 2014 auf Platz 11 der beliebtesten Reiseziele von Chinesen, wie auf der Internetseite der China Tourism Academy zu lesen ist. Reichere Chinesen bereisen in ihren kurzen Urlauben gerne ganz Europa und fliegen oft von Frankfurt zurück.

Von den dreizehn Shopping-Beratern für Chinesen sind sechs Muttersprachler, die anderen haben wie Verena Schneider entweder Sinologie studiert oder längere Zeit in China gelebt. Schneider kam per Zufall zum Sinologiestudium, war immer schon von fremden Sprachen und Kulturen fasziniert und musste, als ein Bekannter ihr das Studium vorschlug, erst einmal nachschlagen, was Sinologie überhaupt heißt. Per Zufall kam sie auch zum Frankfurter Flughafen, sie schaute damals nach interessanten Berufen, für die man Chinesischkenntnisse braucht, und stieß auf den Personal Shopper.

Der seit September 2012 angebotene Service ist für die Chinesen kostenlos, er wird finanziell von Fraport und den Einzelhändlern am Flughafen getragen. Das Personal-Shopper-Projekt gibt es auch für Russen und Japaner; doch der chinesische Teil ist der größte. Die Chinese Personal Shopper betreuten Anfang 2014 jeden Monat durchschnittlich 3500 Passagiere, wobei 75 Prozent der angesprochenen Passagiere den Service in Anspruch nehmen. Die Personal Shopper sind beim Personaldienstleister Airport Staff angestellt, bekommen ein festes Gehalt und können einen Leistungsbonus erhalten. Das Projekt in Frankfurt war das erste dieser Art. Inzwischen gibt es ähnliche Angebote an anderen Flughäfen, zum Beispiel in London.

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