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Spendensammler machen sich auf die Socken

Ein Freiburger Unternehmen unterstützt Schulen beim Einsammeln von Geld

F.A.Z.

7.04.2016

Till Stadtbäumer

Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

Wie können Schulen, Kindergärten, Vereine oder andere Gruppen Geld für Projekte oder Neuanschaffungen einsammeln? Dazu hat die Projekt Fundraising GmbH eine Geschäftsidee unter dem Namen „Neue Masche“ entwickelt. Das Freiburger Jungunternehmen, das vier Mitarbeiter beschäftigt, bietet seine Dienstleitung seit 2013 an. Das Prinzip ist einfach: Die Gruppen melden sich auf der Internetseite von Neue Masche an und bekommen eine Produktauswahl zugeschickt: Socken, Mützen, Poster oder Seife. Vorher haben Freiburger Sozialwerkstätten die Produkte in blaue Boxen verpackt.

„Es muss am Ende jeder etwas von dem Modell haben“, sagt Gründer und Geschäftsführer Benedikt Link. Die Gruppenmitglieder bieten die Produkte Freunden, Verwandten und Nachbarn an, zum Beispiel auf Schulveranstaltungen oder Turnieren. Die Bestellungen werden dann an Neue Masche weitergeleitet. Das Unternehmen sendet innerhalb von sieben Tagen die bestellte Menge an die Gruppe. Diese verteilt die Boxen an die Käufer und sammelt das Geld ein.

Den Produkten ist gemein, dass jeder sie benötigt und es keine Markenartikel sein müssen. Für ihren Kauf wirbt man am besten, indem man betont, dass der Käufer damit eine Gruppe unterstütze, aber nicht mehr zahlen müsse als in normalen Geschäften. Durch eine kurze Handelskette und den Verzicht auf Ladengeschäfte werde Geld gespart. Hinzu kommt, dass das Unternehmen bei der Auswahl der Lieferanten auf die Einhaltung von Sozialstandards achtet.

Eine Socken-Box zum Beispiel kostet 15 Euro und beinhaltet drei bis sechs Paare. Je verkaufter Box gehen 4Euro direkt an das Projekt der Kunden, 11 Euro werden an Neue Masche überwiesen. Im Vergleich zu anderen Spendensammelaktionen habe dieses Fundraisingkonzept einen Vorteil: Die Teilnehmer trügen kein finanzielles Risiko, da sie nur die Produkte bestellten, für die sie schon Abnehmer gefunden hätten.

„Die Methode, über Neue Masche Geld zu sammeln, ist für die Klassenkasse ergiebiger als der bis dahin übliche Kuchenverkauf oder Flohmarkt der Schüler vor dem Lehrerzimmer“, sagt Thomas Veser, Lehrer an der Friedrich-List-Schule in Ulm, der mit seinen Klassen schon viermal Neue-Masche-Produkte verkauft hat. „Für Studienfahrt sowie Abiball und Abschlussfahrt blieben jeweils rund 1500 Euro Spenden in unserer Kasse.“ Gerade habe er 391 neue Boxen bestellt.

Bevor Link Neue Masche gründete, arbeitete der promovierte Wirtschaftswissenschaftler als Unternehmensberater bei McKinsey. Während seines Studiums in Schweden ist er auf die Geschäftsidee gestoßen. „In Skandinavien ist diese Art des Geldsammelns längst keine Neuheit mehr“, erklärt er. Im ersten Jahr verhalf das Unternehmen 150 Gruppen zu insgesamt 120000 Euro. 2015 waren es rund 300 Gruppen. „Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren weiter wachsen werden“, sagt Link. Für 2016 hat er sich das Ziel gesetzt, einen Gewinn zu erwirtschaften. Noch lebt Link von den Rücklagen aus seiner Arbeit als Unternehmensberater. „Meine Vergütung wird in absehbarer Zeit nicht mit meinem Gehalt bei McKinsey vergleichbar sein, allerdings macht es sehr viel Spaß, und ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“

Links Geschäftsidee hat hierzulande schon Nachahmer gefunden. „Ich war natürlich irritiert, weil ich viel Zeit und Geld in die steuerliche und rechtliche Ausgestaltung investiert habe und diese nahezu direkt kopiert wurde“, sagt der Gründer. Die beiden Konkurrenten sehe er jedoch als Ansporn.

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