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Sie lassen niemanden im Regen stehen

Der Mittelständler Hauraton aus Rastatt exportiert Rinnen in die ganze Welt

F.A.Z.

7.05.2015

Laura Leppert

Klosterschule vom Heiligen Grab, Baden-Baden

Das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen Hauraton liefert Regenrinnen in die ganze Welt und stellte zum Beispiel sicher, dass das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im brasilianischen Maracanã-Stadion selbst bei Regen nicht ins Wasser gefallen wäre. Oberflächenentwässerung wird wegen der zunehmenden Versiegelung von Böden und Starkregenereignissen immer wichtiger. Regenwasser soll möglichst am selben Ort schnell versickern können. Darüber hinaus ist wegen der Belastung des Regenwassers durch Schwermetalle und Benzin eine Filterung essentiell.

Das Rastätter Unternehmen ist zum Beispiel in Tansania tätig, wo Wasser sehr knapp ist. „Mit die wichtigste Aufgabe in diesen Ländern ist, den Bewohnern sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen“, sagt Hauraton-Geschäftsführer Marcus Reuter. Doch nicht nur für Afrika, sondern auch für niederschlagsreichere Länder ist zu erwarten, dass die Menschen wegen unregelmäßiger Niederschläge, verursacht durch einen Klimawandel, immer mehr auf Regenwasser angewiesen sein werden. So hat Hauraton gemeinsam mit Hochschulen und Unternehmen sowie der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall ein Filtersubstrat entwickelt. „Durch biologische, chemische und physikalische Vorgänge werden die giftigen Stoffe im Regenwasser festgehalten und gebunden“, erklärt Reuter.

Das Sortiment von Hauraton umfasst mehr als 2500 Produkte aus Beton und Kunststoff; mit ihnen wird Regenwasser gesammelt und gereinigt. „Die Rinnen sind u-förmig und werden in den Boden eingebaut. Die leichteste Rinne wiegt nur 0,7 Kilogramm, während die schwerste ganze drei Tonnen auf die Waage bringt“, berichtet Reuter. Wenn Regenwasser in die Rinne fließe, werde es über Bäche oder Vorfluten dem Wasserkreislauf wieder hinzugefügt.

Ein wichtiger Schritt in der Unternehmensgeschichte war die Entdeckung eines italienischen Zements, der durch das Beifügen von Glasfasern besonders stabil wurde. Deshalb war für die gleiche Stabilität weniger Masse erforderlich, was zur Folge hatte, dass die Rinnen deutlich leichter wurden. Diese Produktreihe namens Faserfix habe Hauraton den Schritt vom lokalen auf den nationalen und sogar internationalen Markt, vor allem in Nachbarländern wie Frankreich, Belgien, der Schweiz und Österreich, ermöglicht. Hauraton bietet für alle Anwendungsbereiche auch Entwässerungsrinnen aus recyceltem Kunststoff an. Das habe dem Unternehmen den endgültigen Schritt auf den Weltmarkt ermöglicht. „Der Vorteil dieser Rinnen ist vor allem das geringe Gewicht.“ Die Kunststoffrinnen dürfen aber nicht in Tunneln eingesetzt werden, da sie in eine schlechtere Brandschutzklasse eingeordnet sind. Seit der Einführung der Kunststoffrinne Recyfix vor zwanzig Jahren wachsen die Verkaufszahlen nach Unternehmensangaben jedes Jahr, teilweise im zweistelligen Prozentbereich.

Der Einstiegspreis der Kunststoffrinne liege inklusive Abdeckung bei rund 47 Euro je Meter. Die Betonrinne sei – mit Abdeckung – im Preis vergleichbar. Die Produkte können aber auch viel teurer sein: Für Sonderanfertigungen oder Rinnen in höheren Lastklassen, die im Tiefbau verwendet werden, müsse man für eine Betonrinne mit 607 Euro den Meter exklusive Abdeckung rechnen. „Bis heute sind die Produkte aus Faserbeton in Deutschland am beliebtesten, da der deutsche Markt eher traditionell geprägt ist“, sagt Reuter. Je weiter man sich allerdings von Deutschland entferne, desto beliebter werde die Kunststoffrinne.

„Auf dem deutschen Markt ist Hauraton mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent das zweitgrößte Unternehmen“, berichtet Reuter. Auf dem Markt der Kunststoffrinnen sei man Weltmarktführer. Die deutschen Mitanbieter seien auch die stärksten Konkurrenten. Größter Konkurrent ist die ACO Gruppe aus Büdelsdorf. Im Bereich der Kunststoffrinnen sei vor allem die deutsche MEA AG aus Aichach ein ernstzunehmender Konkurrent. Stolz ist Reuter auf Vorzeigeprojekte wie die Formel-1-Rennstrecke in Abu Dhabi, verschiedene Flughäfen sowie fünf der WM-Stadien in Brasilien. „Wir exportieren etwa 65 Prozent der Waren in mehr als 73 Länder auf allen Kontinenten.“ Hauraton beschäftige 350 Mitarbeiter, davon 190 in Deutschland. 2014 erwirtschaftete man einen Umsatz von rund 88 Millionen Euro, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Produktpalette werde jedes Jahr um mindestens zehn neue Produkte erweitert – man wolle weiter wachsen.

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