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Sie kriegen sich mit dem Hund in die Wolle

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen, doch beim Bürsten scheiden sich die Geister. Was für viele Hundebesitzer eher Pflicht als Vergnügen ist, brachte Rita Steffen aus Saarbrücken vor sieben Jahren auf eine ausgefallene Geschäftsidee.

F.A.Z.

6.09.2018

Rosa Di Nardo

Lise-Meitner-Gymnasium, Grenzach-Wyhlen

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen, doch beim Bürsten scheiden sich die Geister. Was für viele Hundebesitzer eher Pflicht als Vergnügen ist, brachte Rita Steffen aus Saarbrücken vor sieben Jahren auf eine ausgefallene Geschäftsidee. „Als ich meine Schäferhündin bürstete und die schöne Unterwolle sah, war mir diese zu schade zum Wegwerfen. Ich hatte früher einmal gehört, dass man aus dieser Unterwolle richtige Wolle herstellen kann.“

Seit etwa zwei Jahren sei die Nachfrage nach Hundewolle stark gestiegen, berichtet Steffen. „Im Schnitt sind es vierzig Aufträge, die ich im Jahr abarbeiten kann, da ich neben der Wollherstellung auch berufstätig bin.“ Für einen Pullover Größe 38 reiche ein Kilogramm Wolle, so dass ein Pullover aus Hundewolle etwa 150 und einer aus Katzenwolle rund 190 Euro koste. Für einen Schal reichen zwischen 100 und 150 Gramm. Steffen stellt nur die Wolle her, der Kunde das fertige Produkt. „Mein Mann hilft bei den Vorarbeiten (Kardieren), so dass ich mich voll mit dem Spinnen beschäftigen kann.“ Typische Kunden seien Tierbesitzer, die ein Andenken an ihr geliebtes Tier haben wollten.

Nachfragen kommen mittlerweile auch von Menschen ohne Vierbeiner, die die weiche Wolle schätzen. Für 100 Gramm fertige Hundewolle zahlt man rund 15 Euro, für die gleiche Menge Katzenwolle sind es etwa 19 Euro; sie zu spinnen ist aufwendiger. Die Wolle ist 80 Prozent wärmer als Schafswolle. Geeignete Hunderassen sind Collie, Bobtail, Neufundländer, Samojede und alle Langhaarrassen. Wichtig ist, dass die ausgekämmten 4 bis 5 Zentimeter langen Haare weder verschmutzt noch verfilzt sind.

Andere Hundewolle-Manufakturen wie Pfotenpower von Grit Ortlepp aus Luisenthal in Thüringen verarbeiten auch kurze Haare. Bei manchen Rassen sei es sinnvoll, eine andere Faser beizumischen, um die Reißfestigkeit zu erhöhen, erklärt Ortlepp. Bei der Unterwolle kurzhaariger Rassen, zum Beispiel Labrador, Golden Retriever und Nordische Schlittenhunde, verwendet die studierte Präventologin Alpakafasern.

Birgit Storz aus München, ebenfalls erfahrene Handspinnerin der Haustierwolle, zieht einen Vergleich zur Angorawolle von Kaninchen: „Sehr weich und flauschig.“ Außerdem sei der Faden nicht so gleichmäßig wie bei maschinell gesponnener Wolle, was den besonderen Reiz ausmache. „Hat man eine Langhaarkatze und kämmt sie regelmäßig, muss man für 100 Gramm Wolle ein gutes halbes Jahr sammeln. Bei Hunden geht es schneller; bei einem Collie brauchen Sie für 100 Gramm keinen Monat“, sagt Storz.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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