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Sie bringen Farbe ins Spiel

In den Maschinen von Tampoprint werden Playmobilfiguren bunt.

F.A.Z.

12.05.2016

Filipe Brunotte Sampaio e Castro

Tannenbusch-Gymnasium, Bonn

Was haben Münzen, Nikotinpflaster, Spritzen und Playmobilfiguren gemeinsam? Sie werden in einem speziellen Verfahren bedruckt. Es heißt Tampondruck und eignet sich für unebene Flächen. Die Druckvorlage wird mit Farbe überflutet; die überschüssige Farbe wird mit einer Rakel abgezogen; der Tampon aus Silikon schmiegt sich um das Produkt und überträgt das vorbereitete Druckbild. Mit diesem Verfahren kann man auf den unterschiedlichsten unebenen Materialien verzerrungsfrei in fast allen erdenklichen Farben ein gewünschtes Bild dauerhaft hinterlassen. Auch gewölbte Tastaturen, Geschirr, Modelleisenbahnen und Feuerzeuge werden auf diese Weise bedruckt. Bei Nikotinpflastern überträgt der Tampon das Nikotin.

Wilfried Philipp ist Erfinder des Tampondrucks und Gründer der Tampoprint AG in Korntal-Münchingen, das in der Nähe von Stuttgart liegt. Man sei weltweiter Technologieführer im Bereich des Tampondrucks, sagt der 87-Jährige. Mit rund 300 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro. 90 Prozent kommt vom Tampondruck, der Rest vom Laserdruck, wie Jörg Schuhbauer, Gesamtleiter Vertrieb und Kommunikation, berichtet. Etwa 50 Prozent des Erlöses erwirtschafte man durch den Verkauf von Zubehör. Niemand sonst verkaufe Einzelteile oder Silikonmischungen zum Selbstgießen der Tampons.

Philipps wollte eine Maschine entwickeln, die so schnell und präzise druckt, wie eine Nähmaschine näht, und das auf jedem Untergrund. Mit einem Versuchsmechaniker verwirklichte er 1968 seine Idee und gewann einen japanischen Vertriebspartner und viele Kunden. Bis heute arbeite man stark mit dem Ausland zusammen, der Exportanteil betrage etwa 80 Prozent, sagt Schuhbauer.

Selbstverständlich habe man Konkurrenz, jedoch nur solche, „die mich nicht interessiert“, sagt Philipp. „Jeder Haifisch braucht seine Pilotfische.“ Entwicklungen wie die Umstellung von Gelatine- auf Silikon-Tampons und das geschlossene Farbsystem, die den Tampondruck industrialisiert haben, wurden patentiert. Diese Patente sind zur Empörung Philipps aber abgelaufen: „Auf der ganzen Welt verdienen Geschäftsmänner mit meiner Idee Millionen von Euro!“ In Europa habe man höchstens fünf ernstzunehmende Konkurrenten. Nur in China gebe es Unternehmen, die quantitativ mithalten könnten. Doch sie „legen, ganz anders als wir, keinen Wert auf Innovation oder Entwicklung“, behauptet Schuhbauer.

Zu den Kunden von Tampoprint gehören viele größere Unternehmen aus der Automobil-, Medizin-, Getränke-, Elektro- und Spielzeugindustrie. Playmobil besitzt rund 100 Vollautomatikmaschinen von Tampoprint und bedruckt damit täglich rund eine halbe Million Figuren. Das Bedrucken von CDs, das einst viel Umsatz brachte, ist hingegen verschwunden.

Die Preise für die Maschinen reichen von 4000 Euro bis hin zu mehrstelligen Millionensummen. Die Leistung einer Anlage variiert von 100 Motorenabdeckungen über 600 Feuerzeuge bis zu 240000 Getränkeverschlusskappen in der Stunde. Jedes Jahr verkauft Tampoprint rund 1000 Maschinen.

Philipp, der in seinem Leben 232 Patente angemeldet hat, ist noch voller Tüftler- und Unternehmergeist: „Ich wette, dass ich jeden Monat zwei neue Patente entwickeln könnte, die Geld bringen.“

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