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Manches Herrchen sucht sich einen Wolf

Warum man Tieren einen Chip unter die Haut pflanzt

F.A.Z.

7.04.2016

Daniela Scharbach

Wentzinger-Gymnasium, Freiburg

Katze Lucy kam eines Tages nicht von ihrem Freigang zurück. Dank des implantierten Transponders konnte sie an ihre Besitzer zurückvermittelt werden. Transponder, umgangssprachlich auch Tierchips genannt, sind reiskorngroße Bioglaskapseln, die den Tieren im Bereich der linken Schulter eingesetzt werden. Sie dienen ihrer Erkennung und Registrierung. Das Einpflanzen gilt als einfach und schmerzfrei. Der Chip ist zudem fälschungs- und manipulationssicher und lebenslang von Bestand, er kann beliebig oft abgelesen werden, und jedes Tier mit Chip kann durch eine auf der Welt einzigartige Nummer seinem Besitzer zugeordnet werden.

Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, man könne mit Hilfe der Transponder die Position des Tieres per GPS feststellen. Das ist nicht der Fall: Es handelt sich um einen passiven Chip, der nur aktiviert werden kann, wenn ein passendes Lesegerät zur Verfügung steht; deshalb ist das Senden von GPS-Wellen ausgeschlossen.

Um Tiere mit Chip ihren Besitzern zuzuordnen, wird ein Lesegerät benötigt, dessen elektromagnetisches Feld den Akku des Transponders aktiviert und dem Chip so ermöglicht, die auf ihm gespeicherte 15-stellige Nummer an das Lesegerät zu senden. Es muss für den Lesevorgang so nah wie möglich am Chip plaziert werden, da die Reichweite des Feldes begrenzt ist.

Die Besitzer von Tieren, denen ein Chip implantiert wurde, können sich bei Tasso e.V. mit Sitz in Sulzbach (Taunus) registrieren lassen. Sie können dann durch die Auslesung der Nummer ermittelt werden. Tasso stellt die Datenbank zur Verfügung. Der Verein finanziert sich nur durch Spenden und beschäftigt 16000 ehrenamtliche Helfer. Die Transpondernummer wird hauptsächlich von Tierärzten und Tierheimen ausgelesen.

Nach Angaben von Marie-Christin Gronau, der Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Tasso, sind 7,7 Millionen Haustiere bei Tasso registriert, darunter knapp 4,4 Millionen Hunde, 3,3 Millionen Katzen und etwa 30000 andere Tiere wie Vögel, Hamster und Frettchen. Für Pferde und Zootiere ist die Kennzeichnung mit einem elektronischen Transponder sogar gesetzlich geregelt. So müssen alle nach dem 1. Juli 2009 geborenen Pferde und Tiere, die wie Elefanten, Geparden oder Leoparden unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen fallen, mit einem Chip versehen sein. Laut Tasso wird alle zehn Minuten ein Tier zurückvermittelt.

„Bei den Tierchips handelt es sich um ein schon in den achtziger Jahren patentiertes Produkt“, sagt Jobst Dasmann, Gründer und Geschäftsleiter von Tierchip Dasmann. Sein 2004 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Tecklenburg in Nordrhein-Westfalen sei mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent, einem Verkauf von rund 2,5 Millionen Tierchips im Jahr und einem Jahresumsatz von knapp 10 Millionen Euro in Deutschland Marktführer. Dasmann bezieht die Rohlinge für die Transponder von einem externen Hersteller und überträgt auf diese die eigene Software.

Man sei der erste Online-Händler für Transponder in Deutschland gewesen. In Europa liege man mit zwei Unternehmen aus der Schweiz und aus Spanien an der Spitze, sagt Dasmann. Die Preise sind je nach Abnahmemenge gestaffelt; sie kosten je nach Größe zwischen 2 und 4,50 Euro. Für das Einsetzen muss der Tierbesitzer je nach Tierarzt zwischen 35 und 50 Euro bezahlen.

Als Hülle um den Chip verwendet Dasmann Bioglas, das eine rauhere Oberfläche als herkömmliches Glas hat, gewebeverträglich ist, mit der Haut verwächst und somit das „Wandern“ des Transponders im Körper verhindert. Jedem Transponder liegt eine Tier-Ident-Karte bei, mit der das Tier sowohl bei Tasso als auch in der 2009 von Dasmann gegründeten Datenbank „My Petpool“ registriert werden kann. Laut Dasmann sind 45 Prozent der Tiere mit Chip nicht registriert. Manche lassen zwar ihr Tier mit einem Chip versehen, vergessen aber, es registrieren zu lassen.

Im vergangenen Mai hat das Unternehmen „MyKeeper“ auf den Markt gebracht, eine Marke, die am Halsband des Tieres angebracht wird. In ihr befindet sich ein Chip, der die Datenübertragung mit einem Handy, das sich in der Nähe befindet, ermöglicht. Daten über den Tierhalter können ausgelesen werden, und es kann anonym eine Nachricht vom Handy des Finders an den Tierhalter übermittelt werden. Der Chip kostet rund 20 Euro.

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