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Ich wollt’, ich wär ein Hahn

Die LSL-Henne vollbringt Spitzenleistungen

F.A.Z.

3.09.2015

Justin Rich

Klosterschule vom Heiligen Grab, Baden-Baden

Auf Eierkartons findet man idyllische Bilder von glücklichen Hühnern, die sich scharrend die Zeit vertreiben. In der modernen Hühnerzucht geht es in der Regel weniger idyllisch zu. Die Lohmann Tierzucht GmbH in Cuxhaven ist in der Zucht von Legehennen-Elterntieren Marktführer. „Die Lohmann Tierzucht legt Wert auf erstklassige Zuchtergebnisse und höchste Qualitäts- und Hygienestandards. Jedes Jahr werden rund 7 Millionen Elterntiere weltweit verkauft“, sagt Unternehmenssprecher Sebastian Benninghaus. „In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich der Umsatz von 50 auf 60 Millionen Euro“, fügt er hinzu.

Die Brütereien, Hühnerställe und Labore liegen zum großen Teil im Landkreis Cuxhaven, aber auch bei Berlin, in Dänemark, Holland, Kanada, Brasilien und in den Vereinigten Staaten. „Global hat die Nachfrage nach Eiern zugenommen und wird auch weiter zunehmen. Besonders in Asien und Lateinamerika steigt sie weiter“, berichtet Benninghaus. In Europa und den Vereinigten Staaten stagniere sie hingegen. „In Deutschland ist die Nachfrage im vergangenen Jahr um sieben Eier je Kopf gestiegen, von 224 auf 231 Eier.“

Das Lohmann Selected Leghorn, kurz LSL-Huhn, ist der Spitzenreiter unter den Hühnern. „Der Preis für ein Elterntier beträgt rund 8 Euro inklusive Lieferung“, sagt Benninghaus. Bis zu 355 Frühstückseier bringt das LSL-Huhn in seinen 14 Legemonaten, auch Nutzungsdauer genannt, zustande. Eine solche Hochleistungslegehenne legt je Tag rechnerisch 0,9 Eier; vor fünfzig Jahren produzierte eine Legehenne alle zwei Tage ein Ei.

Lohmann Tierzucht bietet folgende Legehennen an: Lohmann LSL-Classic, Lohmann LSL-Lite, Lohmann LSL-Extra, Lohmann Silver, Lohmann Brown und Lohmann Sandy. „Die Herausforderungen global liegen darin, für jede Haltungsform das passende Huhn zu entwickeln, das wiederum für den jeweiligen Markt das gefragte Ei legt“, erklärt Benninghaus. So werden hinsichtlich der Haltung und der Qualität der Eier in verschiedenen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. „In Japan, wo Eier zumeist roh verzehrt werden, sind die Erwartungen an die innere Ei-Qualität besonders hoch, Kanadier mögen Eier mit weißer Schale, auch die indischen Verbraucher wollen weiße – und eher kleine – Eier. Anders die Spanier, die braune und besonders große Eier bevorzugen.“ Exotisch für Europäer seien cremefarbene Eier, die wiederum in Japan und China populär seien.

Kann das LSL-Huhn noch verbessert werden? „Durch Selektion verbessern wir unsere Tiere mit jedem Zuchtzyklus, somit kann man nicht von einem fertigen Huhn sprechen“, sagt Benninghaus. Der tägliche Futterverbrauch ist für ein Tier wie das LSL-Huhn genau abgestimmt: Täglich darf es nur 120 Gramm Körner zu sich nehmen.

Lohmann hat ein sogenanntes Zweinutzungshuhn entwickelt, das auch von der Biobranche nachgefragt wird. Diese Kreuzung verhindert, dass in der Legehennenzucht die männlichen Küken getötet werden. Die Hennen können zur Eierproduktion und die Hähne zur Mast verwendet werden. „Demeter ist ein Kunde von Lohmann“, berichtet Benninghaus. „Wir liefern hauptsächlich Lohmann-Brown-Plus-Elterntiere, weil diese Rasse mit den speziellen Anforderungen der Biohaltung besonders gut zurechtkommt. Die Tiere nehmen mehr Futter auf, sind also schwerer als die klassischen Rassen.“ Das sei wichtig, da in der Bio-Haltung von Demeter das Futter weniger proteinreich sei. Außerdem fehlten die synthetisch hergestellten Aminosäuren als Ergänzungsfutter.

Negative Schlagzeilen machte das Unternehmen, als es im Jahr 2011 zur Zahlung einer Geldstrafe von 100000 Euro verurteilt wurde. Man hatte jungen Hühnern jahrelang Kämme und Zehen amputieren lassen. Die Amputation diente nur der Markierung und wurde ohne Betäubung durchgeführt. Weil Zehen und Kamm gut durchblutet und mit vielen Nerven durchzogen sind, verursacht eine Amputation langanhaltende Schmerzen.

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