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Gefahren sind eingeplant

Viele schauen sich mit Google Maps ihr Haus oder den Strand im Urlaub an. Für Unternehmen reichen die Funktionen des Online-Kartendiensts aber nicht aus, gerade wenn ihre Betriebsstätten eher großflächig und unübersichtlich angelegt sind, wie das bei Flughäfen oder Chemieanlagen der Fall ist. Bei Störungen kann es schnell gefährlich werden

F.A.Z.

6.09.2018

Emanuel Pankalla

Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

Viele schauen sich mit Google Maps ihr Haus oder den Strand im Urlaub an. Für Unternehmen reichen die Funktionen des Online-Kartendiensts aber nicht aus, gerade wenn ihre Betriebsstätten eher großflächig und unübersichtlich angelegt sind, wie das bei Flughäfen oder Chemieanlagen der Fall ist. Bei Störungen kann es schnell gefährlich werden; ein Überblick und eine Wegweisung können überlebenswichtig sein. Die G.on experience GmbH aus Münster hat eine Software konzipiert, die eine Betriebsstätte geographisch abbildet – eine Übersichts- und Navigationssoftware ab dem Werkstor.

„Es ist eine Software, mit der es möglich ist, durch einfache Klicks alle wichtigen Informationen abzurufen“, erklärt Geschäftsführer Uwe Meyer. „Zum Beispiel erreicht ein Gefahrguttransporter die Pforte eines Chemieparks, und es wäre dann unbedingt notwendig, dass der Transport ohne Unfall sein Ziel auf dem weitläufigen Gelände erreicht.“ Der Gefahrguttransporter sei eine potentielle Gefahr, und die Anlage selbst auch. G.on hinterlegt alle Informationen als Geoinformationen mittels der Software Aimport in einer zentralen Datenbank. Geodaten sind digitale Informationen, denen eine räumliche Lage auf der Erde zugeordnet ist.

Mehr als vierzig Großkunden und etliche kleinere Flughäfen betreut G.on. Eine Basislizenz von Aimport kostet zwischen 20000 und 50000 Euro zuzüglich branchenbezogener Module, die zwischen 5000 bis 20000 Euro je Stück kosten. Flughäfen machen 55 Prozent am Umsatz aus und die chemische Industrie 40 Prozent. Seinen Umsatz beziffert das vor gut 15 Jahren gegründete Unternehmen auf 2,3 Millionen Euro im Jahr 2016 und 2,5 Millionen im vergangenen Jahr. Bisher habe man immer Gewinne erwirtschaftet. Vor allem die Nachfrage der Flughäfen sei stark gestiegen, berichtet Meyer. Insgesamt sei das Auftragsvolumen von 2016 auf 2017 um rund 20 Prozent gewachsen. Die Steigerung hängt auch mit neuen Richtlinien der Europäischen Union zusammen, nach denen jeder Flughafen seine Geodaten mit Hilfe der ADQ-Norm (Aeronautical Data Quality) erfassen und an die Flugsicherung übermitteln muss, wie Meyer erklärt. Das Unternehmen beschäftigt rund dreißig feste Mitarbeiter. Mit Blick auf die Konkurrenz gibt man sich gelassen. Die meisten deutschen Flughäfen verwendeten die Software von G.on.

Verwaltet werden die gigantischen Flächen- und Informationsmengen mit Hilfe eines Kastensystems, das aus der Karte viele kleine Bauteile und Blöcke erstellt, in die einzelne Informationen geschrieben werden. Die Software ist internetbasiert. „Mitarbeiter unserer Kunden können jederzeit und überall auf die Software zurückgreifen und so beispielsweise bei der virtuellen Begehung eines Chemieparks feststellen, ob der besagte Lastwagen unter der Rohrleitung durchpasst, die über die Straße führt“, erklärt Meyer.

Durch den Aufbau des Systems wie in einem Baukasten benötigen die Nutzer keine spezielle Schulung. „Sie klicken auf ein Objekt, zum Beispiel einen Baublock, und sehen sofort alle wichtigen Informationen. Mit einem weiteren Klick können sie Kontakte aufrufen oder Hintergrundinformationen anfordern.“ So könne man den Überblick über Füllstände oder maschinelle Fortschritte behalten.

Jeder Mitarbeiter besitzt ein eigenes Zugangsprofil. „Bei solch sensiblen Daten spielt das Thema IT-Sicherheit eine große Rolle“, erklärt Meyer. „So können Mitarbeiter gewisse Informationen über Anlagen einsehen, deren Zustände überwachen, jedoch nicht, wer beispielsweise Mieter in dem Nachbargebäude ist und welche Vertragsdetails es gibt. Diese Informationen sind dann wieder anderen Mitarbeitern zum Beispiel im Gebäudemanagement vorbehalten.“

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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