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Die Deutschen dichten wie die Wilden

Steico stellt ökologische Holzfaserplatten zum Dämmen von Häusern her. Das Material hat viele Vorteile, aber auch Nachteile.

F.A.Z.

2.08.2018

Marco Wucherpfennig

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Die Nachfrage nach ökologischen Baustoffen steigt, sagt der Marketingchef der Steico SE in Feldkirchen bei München, Andreas Schulze. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben europäischer Marktführer im Bereich der Holzfaserdämmstoffe. Nach wie vor werde aber meistens auf erdölbasierte Dämmstoffe wie Polystyrol und mineralische Stoffe wie Glaswolle zurückgegriffen, erklärt Schulze. Tobias Wiegand, Geschäftsführer des Verbands Holzfaser Dämmstoffe (VHD), schätzt den Marktanteil der Holzfaserdämmstoffe in Deutschland auf etwa 6 Prozent. Die geringe Verbreitung sei unter anderem auf die bauaufsichtlichen Anforderungen bezüglich der Brennbarkeit von Dämmstoffen zurückzuführen. Deshalb könnten Holzfaserdämmstoffe gerade bei mineralischen Bauten, zum Beispiel Ziegelbauten, nicht eingesetzt werden. Die Nachfrage sei jedoch erheblich gestiegen. „Die Umsätze unserer Mitglieder haben sich seit 2004 verdreifacht.“ Neben Holz zählen Zellulose, Hanf, Flachs, Wiesengras, Kokos und Schilf zu den ökologischen Dämmstoffen.

Steico verfügt über Produktionsstandorte in Polen und Frankreich. Rund 1000 von insgesamt 1540 Mitarbeitern sind in der Produktion tätig. Neben Dämmstoffen fertigt man Konstruktionsmaterial für den Holzbau. Dazu gehören Tragwerksprodukte, die für Wand-, Dach- und Deckenkonstruktionen im Holzbau benötigt werden. Kunden können laut Schulze aus mehr als 5000 Produkten wählen.

Das Unternehmen erzielte 2017 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 230,3 Millionen Euro, was einer Steigerung von 10 Prozent zum Vorjahr entsprach. Rund zwei Drittel des Umsatzes seien auf die ökologischen Dämmstoffe zurückzuführen, berichtet Schulze. Das günstigste Produkt ist der Steico Hartfaserstreifen für 55 Cent den Meter.

Holzfaserdämmstoffe bildeten einen guten Schallschutz, erklärt Wiegand vom VHD, da sie schwer und offenporig seien. Die Offenporigkeit ermögliche einen Feuchtetransport und somit ein gutes Austrocknen. Das sorge für ein besseres Wohnklima. Die Dämmstoffe seien zudem fest und robust. „Es ist also kein Problem, wenn man auch mal drüberläuft.“ In Bezug auf die Wärmeleitfähigkeit seien sie jedoch schlechter als konventionelle Dämmstoffe. Holzfaserdämmstoffe sind zudem teurer als konventionelle Dämmstoffe. „Die Preisschere schließt sich jedoch von Jahr zu Jahr“, sagt Wiegand.

Man müsse beachten, dass Holzfaserdämmstoffe brennbar seien. „Das Brandverhalten steht jedoch im völligen Gegensatz zu konventionellen Dämmstoffen“, erklärt Wiegand. Wenn Polystyrol erhitzt wird, verflüssigt es sich. „Es wird zu einer Art Brandbeschleuniger.“ Komme das flüssige Polystyrol in Verbindung mit Feuer, so gebe es eine Durchzündung durch sämtliche Etagen und erhebliche Fassadenschäden. Holzfaserdämmstoffe begännen ab einer gewissen thermischen Einwirkung zu glimmen. Dieser Glimmbrand breitet sich laut Wiegand jedoch nur wenige Zentimeter je Stunde aus.

Ein weiteres Problem bei der Verwendung von konventionellen Dämmstoffen ist zudem die Entsorgung. „Holzfaserdämmstoffe lassen sich nach einer vorherigen Aufbereitung thermisch recyceln oder kompostieren.“ Das volle Vorteilsspektrum der Holzfaserdämmstoffe lasse sich jedoch nur im Holzbau entfalten. Der hatte im Jahr 2016 laut Holzbau Deutschland einen Anteil von 16 Prozent.

Steico exportiert etwa zwei Drittel der Produkte. Deutschland sei jedoch der umsatzstärkste Markt. 2017 sei der Umsatz hierzulande um 11 Prozent gestiegen. Konkurrenten sind zum Beispiel die französische Pavatex und das deutsche Unternehmen Gutex. Steico sei deutlich gewachsen; das liege daran, dass die ökologische Nische in der Regel schneller wachse als der Gesamtmarkt.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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