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Dem fairen Handel blühen rosige Zeiten

Zehn Jahre nach Einführung der ersten Fairtrade-Produkte gerieten Schnittblumen in die Kritik: Sie würden unter inhumanen Arbeitsbedingungen produziert und seien zu billig. Den Argwohn der Verbraucher bekamen vor allem große Supermarktketten zu spüren. Sie suchten nach anderen Anbietern.

F.A.Z.

6.09.2018

Carla Mecke

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Kaffee wurde als erstes Produkt aus Fairtrade-Anbau in deutschen Geschäften angeboten; das war 1992. Es folgten andere Lebensmittel wie Bananen und Schokolade. Das berichtet Transfair e.V., eine nach eigenen Angaben „unabhängige Initiative zur Förderung des fairen Handels“. Zehn Jahre nach Einführung der ersten Fairtrade-Produkte gerieten Schnittblumen in die Kritik: Sie würden unter inhumanen Arbeitsbedingungen produziert und seien zu billig. Den Argwohn der Verbraucher bekamen vor allem große Supermarktketten zu spüren. Sie suchten nach anderen Anbietern.

Das erste Unternehmen, das nach Angaben seines Geschäftsführers Jens Kramer wagte, Fairtrade-Blumen nach Deutschland zu importieren, ist die Omniflora Blumen Center GmbH aus Neu-Isenburg bei Frankfurt. Heute verkauft das Unternehmen mit rund achtzig Mitarbeitern etwa 150 Millionen Schnittblumen im Jahr in Deutschland und der Schweiz und ist nach eigenen Angaben Europas führender Spezialist für Fairtrade-Schnittblumen. Die Weltmarktführerschaft musste man 2015 an das niederländische Unternehmen Afriflora abtreten, nachdem deren äthiopische Blumenfarm Sher die Fairtrade-Zertifizierung erhalten hatte. Man sei aber weiterhin das größte Unternehmen, das sich auf Fairtrade-Schnittblumen konzentriere.

Kerngeschäft seien großblütige Intermediate-Rosen, mit einer Größe zwischen den kleineren Sweetheart-Rosen und den größeren Tee-Hybrid-Rosen. Letztere werden vor allem an Floristen vertrieben. Zehn Stiele der Intermediate-Rosen kosten im Supermarkt 3,00 bis 3,70 Euro. Die besonders gut für Bouquets geeigneten Tee-Hybrid-Rosen liegen zwischen 1,30 und gut 3,50 Euro je Stiel. Sie werden in großen Höhen angebaut und brauchen mehr Zeit zum Wachsen.

Die ersten Abnehmer von Omniflora in Deutschland waren 2001 die Supermarktketten Edeka und Tengelmann; später kam die Schweizer Kette Coop hinzu. Mittlerweile gehört die Rewe-Gruppe zu den wichtigsten Kunden. Fast alle der von Rewe verkauften Fairtrade-Schnittblumen stammen von Omniflora. Der Verkauf an Supermärkte sei notwendig, um auch Floristen beliefern zu können. Denn diese können anders als die Supermärkte keine über das ganze Jahr konstante Abnahmemenge garantieren. Die Stetigkeit des Verkaufs und der Preise sind eine Voraussetzung für die Fairtrade-Zertifizierung, denn nur so ist sichergestellt, dass die Arbeiter auf den Blumenfarmen das ganze Jahr über ein stabiles Einkommen haben. „Wir übernehmen das Risiko für die Kontinuität der Abnahme“, erklärt Kramer.

Die Blumen bezieht Omniflora von 15 Unternehmen mit insgesamt 22 Farmen in Kenia. Dort gebe es im Vergleich zu Nachbarländern wie Tansania und Äthiopien unter anderem ein besseres Rechtssystem. Durch die Fairtrade-Zertifizierung, die laut Transfair e.V. soziale, ökologische und ökonomische Kriterien umfasst, können die Farmen verlässlich ihre Kosten decken und ihren Arbeitern neben geregelten Arbeitsbedingungen einen Lohn bieten, der einen menschenwürdigen Lebensstandard gewährleistet. Außerdem bestimmen demokratisch gewählte Arbeitergremien der Farmen über die Verwendung der Fairtrade-Prämie, ein Preisaufschlag von 10 Prozent auf den Exportpreis. Die Prämie soll im Interesse der Arbeiter und deren Familien genutzt werden, laut Omniflora hauptsächlich für Bildungsprojekte.

Ein möglichst geringer Chemieeinsatz werde durch Kontrollen sichergestellt; nach Kramer sind sie „strenger als unsere Steuerfahndung“. Pflanzenschutzmittel seien wegen des häufigen Insektenbefalls unumgänglich. Doch werde versucht, durch andere Methoden wie dem Einsatz von Nutzinsekten eine Balance zu finden.

Der Import von Schnittblumen aus Ostafrika widerspreche nicht den ökologischen Kriterien des Fairtrade-Siegels, da das Gebiet laut Transfair e.V. ideale Bedingungen für den Anbau biete. „So verbraucht eine Rose, die in Kenia gezüchtet und per Flugzeug nach Europa gebracht wird, weniger Energie, inklusive Flugbenzin, als in einem europäischen Gewächshaus notwendig wäre“, berichtet Claudia Brück, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transfair.

Laut dem Verein ist Deutschland „im internationalen Vergleich Importweltmeister für faire Rosen“. So seien 2016 hierzulande 367 Millionen Fairtrade-Rosen verkauft worden. Dabei sei der Einkaufspreis für die Blumen gestiegen, während der Verkaufspreis stagniere. Omniflora konnte aber nach eigenen Angaben den Umsatz durch Sortimenterweiterung jedes Jahr um drei bis fünf Prozent steigern; er beträgt rund 45 Millionen Euro im Jahr.

Zur Veröffentlichung in der F.A.Z.

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