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Das kommt nicht in die Tüte

Wie man beim Einkaufen keinen Verpackungsmüll verursacht

F.A.Z.

5.11.2015

Andreas Lauterbach

Berufskolleg Siegburg, Siegburg

Geht das so, oder darf ich Ihnen eine Tragetasche mitgeben?“ Diesen Satz kennt jeder, von 2018 an soll er unüblich werden. Die EU hat gesetzlich geregelt, dass eine Tüte dann nur noch gegen Geld herausgegeben werden darf. Marie Delaperrière stört das nicht, im Gegenteil. Sie hat Anfang 2014 in Kiel den ersten Supermarkt in Deutschland mit dem Namen „Unverpackt“ eröffnet. „Einkaufen und keinen Verpackungsabfall produzieren, das war meine Vision“, betont die aus der Nähe von Toulouse stammende Unternehmerin.

Aus Frankreich kannte sie Lebensmittelläden, die einen Teil ihrer Produkte unverpackt und billiger anbieten. „Ich wunderte mich, warum es so etwas nicht in Deutschland gab.“ Ein Buch, „Zero Waste Home“ von Bea Johnson, war zusätzlich eine große Motivation für sie. Johnson schaffte es, drei Jahre lang keinen Abfall zu produzieren.

In den Laden investierte Delaperrière zu Beginn 100000 Euro. Dort gibt es alle Produkte unverpackt, die Kunden können eigene Gefäße mitbringen. Die Palette reicht von Getreide und Gewürze über Müsli, Teig- und Süßwaren bis hin zu Trockenfrüchten. „Eigentlich gibt es alles, was trocken und abfüllbar ist.“ Insgesamt sind es 400 Produkte.

Sie bediene am Tag rund 50 Kunden, sagt die Geschäftsinhaberin. Die Preise der Waren, die alle Bioprodukte sind, liegen zwischen denen in einem Biomarkt und denen in einem normalen Supermarkt. Manchmal sei ihre unverpackte Ware auch günstiger als die verpackte Ware in einem Supermarkt, sagt Delaperrière. Sparen könne der Kunde auch dadurch, dass er genau die Menge kaufe, die er benötige.

Delaperrière plant nun die Einführung eines Pfandsystems. Dann können die Kunden Behältnisse mitnehmen und beim nächsten Einkauf wieder abgeben. Die Unternehmerin beschäftigt sechs Mitarbeiter und erwirtschaftete im ersten Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 100000 Euro. Sie rechnet damit, im laufenden Jahr die Gewinnschwelle zu überschreiten.

Delaperrière veranstaltet auch Workshops zur Gründung eines Unverpackt-Ladens. Sie seien meistens schnell ausgebucht. Schon kurz nach der Eröffnung des Kieler Ladens konnten Sara Wolf und Milena Glimbovski über Crowdfunding fast 110000 Euro einsammeln und im September 2014 ihren Laden „Original Unverpackt“ in Berlin-Kreuzberg eröffnen. Seit Mai 2014 gibt es in Bonn den Laden „Freikost“ des Ehepaares Deinet. Gerade haben Läden in Mainz und Münster eröffnet. Geplant sind Geschäfte in Hannover und Stuttgart.

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