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Da lässt man es richtig krachen

Brennende Autos und Menschen im Film und inzwischen sogar auf der Bühne - dahinter steckt die diffizile Handarbeit professioneller Pyrotechniker. Viele werden bei Hummig Effects ausgebildet. Dort gibt es auch Kurse für Privatleute.

F.A.Z.

18.12.2015

Karola Hitschfel

Lise-Meitner-Gymnasium, Grenzach-Wyhlen

Spannende Jagdszenen, bei denen Autos in Flammen aufgehen und Menschen verbluten: Für solche Bilder ist die deutsche Actionserie „Alarm für Cobra 11“ bekannt. Hinter diesen beeindruckenden Spezialeffekten steckt diffizile Handarbeit, die nur von Fachkundigen ausgeführt werden darf. Ausgebildet wurden sie von der Pyrotechnikerschule Hummig Effects e. K. Die Schule aus Peißenberg ist nach Angaben von Wolf-Ingo Hummig Marktführer auf ihrem Gebiet und bietet vier Lehrgänge an, die sich mit Bühnenpyrotechnik, Großfeuerwerken, Ausbildungsfeuerwerken sowie Spezialeffekten und Pyrotechnik beschäftigen. Im Bühnenpyrotechnikkurs wird beispielsweise gezeigt, wie Indoor-Feuerwerke zu gestalten sind oder Schusswaffen bühnentauglich präpariert werden. Im Großfeuerwerkseminar lernt man das richtige Mischverhältnis der Effektfüllung und der Treibladung.

Voraussetzungen, um teilnehmen zu können, sind eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, die von der Gewerbeaufsicht erteilt wird. „Der seltsamste Teilnehmer kam mit einer Bescheinigung von Scotland Yard“, erzählt Hummig. Zwei Drittel der Teilnehmer kommen aus beruflichen Gründen; sie arbeiten zum Beispiel für die Theater- und Filmbranche, große Veranstalter oder als Feuerkünstler. Ein Drittel der Teilnehmer sind Privatleute, die sich zum Beispiel für das nächste Silvester wappnen wollen. Jährlich finden drei Bühnenpyrotechniklehrgänge statt, ein Filmpyrotechnikerlehrgang und ein Großfeuerwerklehrgang. Jeder Kurs besteht aus 20 Teilnehmern. Zusätzlich werden 26 Ausbildungsfeuerwerke angeboten, die die Grundlage für den Großfeuerwerklehrgang bilden. Der Lehrgang für Bühnenpyrotechnik kostet 550 Euro, der Sonderlehrgang für Spezialeffekte 1600 Euro und die Ausbildung zum Großfeuerwerker 790 Euro.

Die meistens fünftägige Ausbildung gliedert sich in Praxis und Theorie. In der Theorie lernen die Teilnehmer die Sicherheitsbestimmungen und die dafür notwendigen Handgriffe. Denn der Beruf des Pyrotechnikers besteht nicht nur aus „Knöpfchen drücken“ und wild umherschießen, sondern ist auch mit körperlich harter Arbeit und Fachwissen verbunden. Am Ende stehen eine praktische und eine theoretische Prüfung. Stefan Gisler, Chefrequisiteur am Theater Basel, berichtet: „Beim Hummig sind insbesondere die Prüfungsfeuerwerke beeindruckend. Einmal habe ich auch bei einer Bergwerksexplosion zugeschaut.“

Ein anderer Teilnehmer erlebte am eigenen Leib, dass es sich nicht um Spielzeug handelt. Er sollte sich in der praktischen Prüfung mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft sprengen. Dies hatte während der Probe reibungslos funktioniert, allerdings strengte sich der Teilnehmer bei der Prüfung so sehr an, dass die Schutzkleidung nach oben rutschte und der Bauch freilag. Er wurde von der Feuerwolke getroffen und trug schmerzhafte Verletzungen davon. Trotzdem wollte er die Prüfung ablegen und stellte einen Eimer kaltes Wasser neben sich, um alle fünf Minuten seine Brandwunden mit einem feuchten Tuch zu kühlen. Solche Unfälle sind glücklicherweise selten.

Die Pyrotechnik im Theater habe sich sehr gewandelt, sagt Gisler. Früher hätten Fackeln und Schüsse eine große Rolle gespielt. Bei Schüssen werden meistens echte Waffen mit Platzpatronen befüllt. Wichtig sei die Lautstärke des Knalls. Dieser dürfe nicht zu laut sein, um kein Knalltrauma zu verursachen. Doch heute müssten auch im Theater die Effekte immer dramatischer sein. „Vor zwei Jahren hatten wir sogar ein brennendes Auto auf der Bühne.“ Einer der spektakulärsten Effekte fand vor einigen Jahren statt, als eine der Figuren, in Flammen stehend, über die Bühne rennen sollte. Damals spielte Gisler das Double. „Das war mir lieber; ich wusste, wie ich mich zu verhalten habe, wenn etwas schiefgeht.“ Kompliziert sei die Einweisung der Sänger, da sie wegen der Rauchpartikel um ihre Stimme bangten. In der Theaterpyrotechnik habe sich viel getan. „Früher musste man alles verkabeln. Heute geht das alles per Funk.“ Hummig hat 1966 in der DDR begonnen. Dort machte er eine Ausbildung zum Beleuchtungstechniker und später seinen ersten Pyrotechnikerkurs. In Westdeutschland arbeitete er zunächst im Kindertheater in München. Schließlich gründete er 1995 seine Pyrotechnikerschule.

Hummig Effects gestaltet auch Pyrotechnik für Opernhäuser. Darunter finden sich die bekanntesten der Welt: Sydney, Chicago, Los Angeles, New York und Rom. Der größte Konkurrent ist laut Hummig die Dresdner Sprengschule GmbH, die jedoch andere Schwerpunkte und Lehrgänge anbiete.

An Silvester tauchen auch Privatpersonen in die Welt der Pyrotechnik ein. Carsten-Michael Pix, Referent für Facharbeit im Deutschen Feuerwehrverband, erklärt: „Häufig werden Raketen falsch gezündet und landen auf Dächern, wo sie sich verhaken. Im schlimmsten Fall kann das zu Dachstuhlbränden führen.“ Öfter komme es zu kleineren Unfällen durch Böller, die unter Autos geworfen werden. Hummig rät, auf einen sicheren Stand für die Feuerwerkskörper zu achten, das könnten leere Getränkekisten sein, in die man leere Glasflaschen stecke. Unbedingt nötig sei es, den Abstand zum Feuerwerk zu beachten. Außerdem empfiehlt er: „Nur bunt, bunt, bunt ist nichts. Stimme die Farben aufeinander ab, und achte darauf, dass keine Pausen entstehen!“ Am schönsten werde das Feuerwerk, wenn erst dunklere Farben und dann hellere verwendet würden. Andersherum verengten sich die Pupillen, und das Auge könne die dunklen Farben nicht mehr richtig wahrnehmen.

 

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