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Bei Nacht sind nicht alle Betten gleich

Hotelkette für junge Leute hat ehrgeizige Expansionspläne

F.A.Z.

7.04.2016

Laura Klein

Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

Der Tag hat 24 Stunden, sollte man meinen. „Nein“, sagt Kai Hollmann, einer der vier Gesellschafter und Geschäftsführer der Hamburger 25hours Hotel Company GmbH. „Wir machen rund um die Uhr Programm und bieten den Gästen immer eine Stunde mehr Abenteuer und Action.“ Als Beispiele nennt er verschiedene Partyreihen, die bis zum nächsten Morgen gehen, sowie Livemusik von unterschiedlichen DJs.

Hollmann wurde in die klassische Hotellerie hineingeboren, hat lange darin gearbeitet und sich dann mit dem Hamburger Designhotel Gastwerk selbständig gemacht. Ihn interessierte ein „an Design und Lebensart orientiertes Hotelkonzept“. 2003 eröffnete er das erste 25hours-Hotel, das „Number One“. Das alte Hamburger Kontorhaus wurde entkernt und neu aufgebaut. Hier trifft der Gast auf einen Retro-Design-Mix aus den sechziger und siebziger Jahren. Zusammen mit Christoph Hoffmann, Ardi Goldman und Stephan Gerhard gründete Hollmann 2006 die 25hours Hotel Company GmbH.

Die Hotels sind Projektionsfläche ihrer Umgebung, haben ein eigenes Design oder ein eigenes Motto wie das zweite 25hours-Hotel. Es liegt in der Hamburger Hafencity, und die Gäste schlafen in Kojen. Erzählt werden Abenteuer von Seeleuten aus aller Welt. Inzwischen gibt es sieben 25hours-Hotels in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Wien und Zürich. Je nach Saison kostet eines der jeweils rund 150 Zimmer zwischen 100 und 250 Euro.

Die Ausstattung des im Januar 2014 in Berlin eröffneten Bikini-Hotels hat viel mit dem nahe gelegenen Zoo zu tun. In den Zimmern befinden sich aufgespannte Hängematten vor bodentiefen Panoramafenstern, in denen man die Schimpansen im Affenhaus beobachten kann. Es hängen Lianen von den Decken, an den Wänden und Säulen ranken Zimmerpflanzen, und in jeder Ecke sitzt ein Kuschelaffe. In der Bar und in dem Restaurant, die sich im zehnten Stockwerk befinden, blickt man über den Kurfürstendamm und den Zoo. „Der Konzeptgedanke einer urbanen, weltoffenen Community, die sich mit anderen Menschen austauschen möchte, schließt den kulinarischen Bereich mit ein“, sagt Hollmann. Und so finden sich auf der Speisekarte viele außergewöhnliche, orientalisch angehauchte Gerichte.

Die Auslastung des Hauses in Berlin lag laut Hollmann im ersten halben Jahr bei 92 Prozent und hat sich seitdem kaum verändert. Mittlerweile gibt es auch in Frankfurt zwei 25hours-Häuser. Die Ausstattung des „25hours by Levi’s“ ist von der Levi’s-Jeans inspiriert. Helle und dunkle Blautöne erinnern an unterschiedliche Jeans-Waschungen. Es gibt blaue Möbel, Lampen, Tapeten, Teppiche und andere Textilien. Das zweite Frankfurter Hotel, „The Goldman“, wurde am 1. Dezember 2006 eröffnet und liegt im aufstrebenden Frankfurter Ostend. Der Besucher erfährt dort einiges über internationale Persönlichkeiten, zum Beispiel über die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

„Das 25hours ist kein typisches Hotel“, sagt Hollmann, „sondern ein Angebot für unkomplizierte Gäste, ihre Lebensart bei uns weiterführen zu können.“ Die Hauptzielgruppe ist ein junges Publikum zwischen 25 und 35 Jahren, das den Wunsch nach Begegnung und Austausch hat und etwas erleben will. Insgesamt wolle man Menschen ansprechen, die ein neues Hotelerlebnis suchten.

Über seine Mitarbeiter sagt Hollmann, „sie sollen selbständig arbeiten und eigene, verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen“. Es sei nicht wichtig, ob sie den Wein von links oder rechts einschenkten, sondern dass sie gute Laune mitbrächten und Freude an der Arbeit hätten. Ob sie die Gäste siezten oder duzten, entschieden sie selbst.

Nach Hollmann lag der Umsatz der Kette im ersten Jahr bei 3 bis 4 Millionen Euro. 2015 habe er rund 45 Millionen Euro betragen. Alle Standorte haben nach seinen Angaben eine Auslastung von mehr als 80 Prozent. Der Bedarf an Hotels steige auf der ganzen Welt weiter, auch 25hours expandiere weiter. 2017 sollen in München, Köln, Düsseldorf, Barcelona und Zürich neue Häuser eröffnet werden. Die Planungen für Hotels in Amsterdam, Kapstadt, London, Los Angeles, Madrid, Miami, Mailand, New York, Oslo, Paris und Stockholm seien schon angelaufen.

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