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Abgase verdünnisieren sich

Ein Unternehmen aus Hagen stellt Spezialfolien her, die in vielen Gegenständen zu finden sind, zum Beispiel in Katalysatoren und Herzschrittmachern.

F.A.Z.

7.12.2018

Johanna Janssen

Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

Metallfolien sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Man findet sie in Katalysatoren von Autos und in Ceranfeldern. „Jeder kennt die Alufolie aus dem Haushalt. Eine Metallfolie ist fast dasselbe, nur besteht sie aus Edelstahl. Es ist ein fester Werkstoff, den man nicht reißen, aber schneiden kann“, erklärt Gerd Cloppenburg, Geschäftsführer von MK Metallfolien GmbH, einem Unternehmen für qualitativ hochwertige Folien und Superfolien in Hagen. „Die Folien werden in hitzebeständige Anwendungen mit Temperaturen bis zu mehr als 1000 Grad eingesetzt.“ Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer für hochkorrosionsbeständige Trägerfolien und hat zusammen mit einem Stahlhersteller aus Japan 80 Prozent Weltmarktanteil. Der eigene Anteil liege deutlich über 40 Prozent, sagt Cloppenburg.

Die Folien werden auch in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt. Manche Leute tragen Produkte mit Folien sogar im Körper, zum Beispiel in Herzschrittmachern oder in Zahnimplantaten. Man habe besondere Kunden. „Harley-Davidson wird zu 100 Prozent mit unseren Werkstoffen für Katalysatoren ausgerüstet“, berichtet Cloppenburg. Das gilt auch für Autos von BMW, VW und Bugatti. Die Folien sind komplett wiederverwertbar, da sie bei Beschädigungen abermals geschmolzen werden können. „Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 2,50 und 3 Euro je nach Dicke“, sagt Cloppenburg.

MK Metallfolien stellt „Halbzeug“ her: Werkstoffe, die von anderen Unternehmen weiterverarbeitet werden. „Der Fertigungsprozess besteht aus Walzen, Glühen, Streckbiegerichten, Schneiden und Entfetten“, erklärt Cloppenburg. Beim Streckbiegerichten wird der Werkstoff plan gemacht, am Ende liegt die Folie wie ein DIN-A4-Blatt flach auf. Eine Folie kann so dünn sein wie eine halbe Haarstärke.

MK Metallfolien erwirtschaftet rund 40 Millionen Euro Umsatz im Jahr. In den vergangenen Jahren sei er um je rund 10 Prozent gestiegen. Rund die Hälfte entsteht im Ausland. Wichtige Absatzländer sind die Vereinigten Staaten, China und Indien. Am höchsten ist der Erlös in Deutschland und Europa. Die 100 Mitarbeiter des Unternehmens sind auf drei Standorte verteilt: 75 in Deutschland, 20 in den Vereinigten Staaten und fünf in China, wobei in China die Folien nur geschnitten werden. Der einzige Nachteil des Standortes Hagen liege in den hohen Energiekosten.

„Unser Umsatz wird besonders durch die Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften für Verbrennungsmotoren getrieben. Alles, was aus dem Motor kommt, soll sauber gemacht werden, und dafür gibt es Katalysatoren“, sagt Cloppenburg. Rund 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Bereich Automotiv. „Wir sind sehr stark abhängig von der Automobilindustrie.“ Man sucht deshalb nach weiteren Anwendungsfeldern. Doch gebe es im Folienbereich keine großen Volumenmärkte. „Ein Anwendungsgebiet wäre der Oled-Bereich“, sagt Cloppenburg.

Fragen wirft die Entwicklung hin zur Elektromobilität auf. „Sollten wirklich eines Tages nur noch reine Batteriefahrzeuge hergestellt werden, wird kein Abgassystem mehr benötigt. Dann würden der Katalysator entfallen und unsere Folien ebenfalls“, erklärt der Geschäftsführer.

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