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Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf die Flagge sehe

Eine Flagge ist etwas anderes als eine Fahne/Große Fußballereignisse lohnen sich für die Hersteller besonders

F.A.Z.

18.09.2015

Michael Kallenberg

Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

Eine Fahne ist keine Flagge. „Begriffe, die synonym verwendet werden, bezeichnen Verschiedenes“, erklärt Jörgen Vogt, der Geschäftsführer der Fahnen Fleck GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg. Flaggen werden aus einem Polyestergewirk hergestellt und auf Flaggenmasten gehisst, während Fahnen aus hochwertiger Fahnenseide sind; sie werden oft von Hand bestickt und auf einem Fahnenstab zum Beispiel bei Prozessionen getragen. Bis heute finden sie etwa bei der Bundeswehr als Truppenfahnen Verwendung und sind immer ein Unikat. „Fahnen werden nie gehisst, sondern immer getragen und anschließend an die Wand gehängt“, sagt Vogt.

Die Deutschlandflagge hat zunehmend an Bedeutung für den deutschen Markt gewonnen. „Besonders hoch ist die Nachfrage bei internationalen Fußball-Großereignissen; dann können wir ein Umsatzplus von bis zu 15 Prozent verzeichnen“, berichtet Vogt. Im Gegensatz zu einer Fahne, kann eine Flagge, die beispielsweise vom Deutschen Bundestag verwendet wird, bei Beschädigung oder Verunreinigung durch eine identische ersetzt werden. „Bundesbehörden sind verpflichtet, entsprechende Aufträge auszuschreiben.“ Somit seien es immer unterschiedliche Unternehmen, die Flaggen für staatliche Institutionen herstellten. „Vor einigen Jahren haben wir beispielsweise die vier großen Deutschlandflaggen für das Reichstagsgebäude hergestellt.“

Gängige Größen gibt es bei Flaggen nicht. Sie werden immer individuell hergestellt, betont der Geschäftsführer. Werbeflaggen beispielsweise werden zunehmend im Hochformat bestellt, um die Vorteile eines Auslegers nutzen zu können. Ausleger sind Stangen, die vom Mast ausgehen und an denen die Flagge aufgehängt wird, so dass sie auch ohne Wind stets mit ihrer ganzen Fläche sichtbar ist, was bei Werbeflaggen besonders vorteilhaft ist. „In der Regel beträgt die Auswehlänge der Flagge ein Drittel der Höhe des Mastes, an dem diese aufgehängt wird. Da die Mastenhöhen in den deutschen Bundesbehörden stark variieren, fertigen wir die Deutschlandflaggen für die jeweiligen Institutionen in verschiedenen Größen an“, erklärt Vogt. Fahnen Fleck bietet Fahnenmasten in Standardgrößen und auf individuelle Bestellung an. Je nach Material, Größe und Ausführung liegt der Preis für einen Fahnenmast zwischen 300 und 1000 Euro. Im Bereich der Nationalflaggen spielt auch die Schifffahrt eine wichtige Rolle. „Während kommerzielle Reedereien in der Regel Flaggen in den Größen von 100 mal 150 Zentimeter oder 200 mal 120 Zentimeter bestellen, reicht für die private Schiffsbeflaggung die Größe von 60 mal 40 Zentimeter aus“, berichtet Vogt.

Die Staatsflaggen, die das Unternehmen herstelle, entsprächen zu 100 Prozent der Konfektion und der Farbe, wie sie die jeweiligen Staaten bei den Vereinten Nationen hinterlegt hätten, sagt Vogt. „Das ist unbedingte Voraussetzung, wenn man Flaggen an Regierungen liefert.“ Wenn es auf besonders hohe Farbtreue ankommt, wird der Siebdruck verwendet, der auch für hohe Stückzahlen günstiger ist. Der Digitaldruck ist für geringere Stückzahlen oft die wirtschaftlichere Wahl, da der Preis je Quadratmeter berechnet wird und keine Siebe hergestellt werden müssen.

In der Fahnen Kössinger GmbH kommen Sieb- und Digitaldruck etwa gleichgewichtig zum Einsatz. Das berichtet Florian Englmaier, der Geschäftsführer des Unternehmens, das seinen Sitz in Schierling bei Regensburg hat. Die Flaggenherstellung hat einen Umsatzanteil von 50 Prozent. Fahnen Kössinger nimmt eine führende Rolle im Bereich der gestickten Vereinsfahnen ein. „Früher haben viele Klöster gestickte Vereinsfahnen hergestellt, heute haben sie aus Nachwuchsgründen aufgehört“, erzählt Englmaier. Zu den Kunden in diesem Bereich gehören Schützenvereine, freiwillige Feuerwehren und kleine Gemeinden, die ihr Wappen auf eine hochwertige Fahne gestickt haben möchten. Fahnen Fleck hatte schon staatliche Kunden aus dem arabischen Raum, die sich gestickte Fahnen anfertigen ließen, erinnert sich Vogt.

„Wir verkaufen unsere Flaggen- und Fahnenprodukte an Einzelhändler, aber auch direkt an Unternehmen, Vereine und Privatpersonen. Eine einsatzbereite Deutschlandflagge mit Karabinerhaken in der Größe von 120 mal 300 Zentimeter kostet bei uns 49,74 Euro“, sagt Bianca Füllenbach, Leiterin des Marketings von Fahnen Kössinger. Das Unternehmen bietet neben der Herstellung handgestickter Fahnen auch deren Pflege und Restauration an. „Um Fahnen nach altem Vorbild zu restaurieren, benutzen wir auch heute noch Stickmaschinen aus dem 19. Jahrhundert“, erzählt Englmaier. Fahnen Fleck pflegt die „alte Kunst der Handstickerei“. „Jeder Stich wird mit größtmöglicher Präzision gesetzt, unter Anleitung unserer Stickmeisterin, der einzigen in Norddeutschland“, sagt Vogt.

Laut Fahnen Kössinger kosten gestickte Fahnen mit aufwendigen Motiven zwischen 3500 und 4000 Euro. Sind die Motive besonders anspruchsvoll und wird ausschließlich auf Handarbeit gesetzt, dann ist der Preis noch höher. „Die teuersten Fahnen mit aufwendigen Motiven und viel Handstickerei können 10000 Euro und mehr kosten“, sagt Englmaier.

Zu den Kunden von Fahnen Kössinger gehören neben deutschen auch ausländische Vereine und Unternehmen. Geschäftsführer Englmaier denkt gern an einen besonderen Auftrag zurück: die Herstellung eines mit hohem Aufwand handgestickten Papstwappens. „Eine neue, von uns handbestickte Standarte für Papst Benedikt XVI. wurde ihm im Zuge des Besuchs des Krippenvereins Freystadt übergeben und im Anschluss daran von ihm gesegnet.“ Neben Fußballvereinen gehören auch öffentliche Auftraggeber wie Kommunen, das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr zu den Kunden.

Fahnen Fleck stellt auch Flaggen und Wimpel für Fußballvereine her. „Bayer04 Leverkusen und den Hamburger SV beliefern wir schon länger. Vor kurzem haben wir die Wimpel für das Freundschaftsspiel des FC Basel gegen Bayer 04 Leverkusen gedruckt“, sagt Vogt. Das Unternehmen hat auch eine Vertretung in Dubai und einen Standort in Kapstadt. Die aus Deutschland nach Dubai exportierten Artikel werden in der Regel in Abu Dhabi, Qatar, dem Oman und in Saudi-Arabien vertrieben, wie Vogt berichtet. „In Südafrika haben wir eine eigene Produktion, um den Markt vor Ort bedienen zu können.“ Der Umsatz des südafrikanischen Standortes betrug im Jahr 2014 etwa 10 Millionen Rand, umgerechnet waren das rund 720000 Euro.

Fahnen Fleck stellt neben Fahnen und Flaggen auch Stickereien für Uniformen her. „Wir fertigen die Rangabzeichen und Stickereien auf den Pilotenmützen und Uniformen der Lufthansa Cargo“, sagt Vogt. „Unser größter Kunde von staatlicher Seite ist die Bundeswehr, die wir unter anderem mit Fahnen, Flaggen und Stickereien beliefern.“ 30 Prozent der Aufträge kommen von staatlichen Institutionen. Die Branche sei einem innereuropäischen Wettbewerb ausgesetzt, da viele Unternehmen das niedrige Lohnniveau in osteuropäischen Ländern wie Rumänien ausnutzten. „Trotz des Preisdrucks und des Umstiegs vieler Unternehmen auf andere Werbemittel konnten wir den Anteil der verkauften Flaggenartikel am Gesamtumsatz stabil halten“, berichtet Vogt.

„Wir können jede Stückzahl bedienen. Wenn jedoch mehr als 10000 Flaggen gefordert werden, dann müssen wir die Zwischenlagerungen planen, die zusätzliche Kosten verursachen“, sagt Vogt. Für 5000 Flaggen brauche man ungefähr drei Wochen. „Die Fahnenherstellung nimmt einen Anteil von 54 Prozent am Gesamtumsatz ein, gefolgt von der Fahnenmastenherstellung.“ Der Umsatz des Unternehmens lag 2014 in Deutschland bei rund 4 Millionen Euro. „Durch die Konzentration auf andere Werbemittel in der Zukunft und den weiteren Ausbau unserer Mastenherstellung gehen wir auch hier von einem Wachstum aus“, sagt Vogt. Der Umsatz von Fahnen Kössinger lag im vergangenen Jahr bei etwa 5 Millionen Euro.

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