Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 22. Dezember 2011

Das kann man sich schenken

Eine Tauchfahrt zur Titanic unterm Weihnachtsbaum

Jedes Jahr dieselbe Frage: Was soll ich schenken? Und obwohl man möglichst individuelle Geschenke finden will, fallen sie am Ende doch recht homogen aus: ein Buch, eine CD oder ein Schmuckstück. Wer aber träumt nicht davon, einmal über den Wolken zu schweben oder mit einem Bagger zu fahren? „Besondere Geschenke bereiten Freude – Ihnen und dem Beschenkten.“ So lautet das Prinzip der Jochen Schweizer GmbH in München. Als Schweizer 1985 eine Werbeagentur gründete, ahnte keiner, dass daraus einmal der Marktführer im Erlebnis-Segment werden würde. Die Unternehmensgruppe gliedert sich heute in die Jochen Schweizer GmbH mit dem Schwerpunkt Erlebnisgeschenke, die Jochen Schweizer Events GmbH, die auf Firmenveranstaltungen spezialisiert ist, und die Jochen Schweizer Projects AG, die sich um Erlebnisgroßprojekte kümmert.

„Mein Talent ist es, Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht getan hätten, wenn sie mir nicht begegnet wären“, sagt Schweizer. Heute sind mehr als 300 Mitarbeiter für den Geschäftsführer tätig. Aus mehr als 1000 Erlebnissen können die Schenker auswählen. Schweizer nennt sie Fotoshootings, Bodyflying, House-Running, Outdoor Survival Camps oder ein Dinner in the Dark. Die Erlebnisse gliedern sich in verschiedene Kategorien wie Fliegen und Fallen, Abenteuer und Sport, Essen und Trinken oder auch Treffen mit Stars. „Unser Erfolg begründet sich vor allem aus der Sehnsucht der Menschen nach unvergesslichen Momenten und authentischen Erlebnissen“, sagt Schweizer. Sowohl Abenteuer wie Bungee-Sprünge oder eine Husky-Tour als auch Romantisches und Erholsames wie ein Wellness-Wochenende sind unter den zehn beliebtesten Geschenken. Seit Jahren ganz vorn ist der Fallschirm-Tandemsprung, dicht gefolgt von der Wellness-Massage und dem Candle-Light-Dinner. Ein Yoga-Kurs kostet 19 Euro, ein Flirtseminar 65 und Baggerfahren 109 Euro. Fechten mit Olympiasieger Arnd Schmitt kann man für 699 Euro, und ein Pistenraupen-Wochenende ist für 749 Euro zu haben. Kostspielig ist eine Tauchfahrt zur Titanic für 49999 Euro. „Das derzeit teuerste Erlebnis ist sicherlich der Flug ins All“, erzählt Schweizer. Hier müsse der Preis auf Nachfrage kalkuliert werden. In jedem Jahr werden bis zu 400000 Erlebnisgeschenke zu einem Durchschnittspreis von 100 Euro verkauft. Neu entwickelt wurde jüngst die Erlebnis-Geschenkbox. Davon gibt es etwa 30 verschiedene, zum Beispiel „Männerträume“ oder „Frauenträume“. Der Preis liegt zwischen 29 und 299 Euro. Jede Box enthält einen Gutschein, mit dem eines von 85 Erlebnissen eingelöst werden kann. „Durch die Geschenkbox ist eine neue Warengruppe im Einzelhandel entstanden“, sagt Schweizer. Die Erlebnisse finden vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich statt. „Zudem bieten wir weltweit besondere Highlights an, etwa eine Formel-1-Fahrt in Frankreich, ein Jet-Pilotentraining in London oder einen Parabelflug in Florida.“ Der Kundenkreis ist bunt gemischt. „Über 70 Prozent der Käufer sind Frauen; jung, zwischen 25 und 49 Jahren, intelligent, gut gebildet mit höherem Einkommen“, sagt Schweizer. Frauen seien die kreativeren Schenker, sie machten sich mehr Gedanken, was dem Beschenkten gefallen könnte.

„Wir haben den Umsatz in den letzten Jahren mehr als verzehnfacht.“ 2010 lag er für die Gruppe bei 41 Millionen Euro, 2011 rechnet man mit mehr als 50 Millionen Euro. Davon entfallen auf die Jochen Schweizer GmbH voraussichtlich 42 Millionen Euro, im Jahr 2010 waren es 36 Millionen Euro. Parallel dazu ist der Marktanteil von 35 Prozent im Jahr 2007 auf rund 60 Prozent im Jahr 2011 gewachsen. Konkurrenz hat Schweizer beispielsweise in Mydays oder Jollydays. „Das treibt uns an“, sagt Schweizer. „Unser neuestes Projekt ist der Flying Fox XXL in Leogang in Österreich, eine der längsten und schnellsten Stahlseilrutschen weltweit“, erläutert Schweizer. Er selbst habe den Premierenflug gewagt, bei einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern auf einer 1,6 Kilometer langen Strecke.

Eines ist sicher: Ein außergewöhnliches Geschenk zu finden, dürfte bei Schweizer nicht schwierig sein. Manche Erlebnisse sind freilich nicht für jeden Geschmack. Denn zu einem Parabelflug etwa gehören starke Nerven. Und die besitzt nicht jeder, schon gar nicht zu Weihnachten.

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