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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 17. Dezember 2009

Auch Ökos brauchen Büros
Die Memo AG versorgt Unternehmen mit umweltfreundlichen Schreibwaren

Schon beim Betreten des Unternehmensgebäudes der Memo AG, die sich im unterfränkischen Greußenheim bei Würzburg niedergelassen hat, spürt man eine besondere Atmosphäre. Es riecht nach Holz und Wald, ein Baumstumpf steht neben dem Eingang, und auf den naturbelassenen Büromöbeln befinden sich überall Pflanzen.

Memo ist ein Versandhaus für ökologischen Bürobedarf, dessen Sortiment von fair gehandeltem Kaffee über Büromöbel bis zu Toilettenpapier geht. Die Kriterien für die Produktauswahl sind klar: Der Preis für die Produkte soll marktgerecht sein und sich kaum von den Preisen nichtökologischer Versandhäuser unterscheiden; die Herstellung der angebotenen Produkte soll ressourcenschonend erfolgt sein, und es wird ein langlebiges Produkt mit hoher Qualität erwartet. Außerdem muss die Entsorgung möglichst umweltschonend sein, das Produkt sollte also recyclingfähig sein. Memo verlangt von den Produkten auch kurze Transportwege – sie kommen möglichst aus der Region – sowie eine sparsame, wiederverwertbare Verpackung, und der Lieferant muss die „verbrauchten“ Produkte zurücknehmen.

Der Gründer und Vorstandssprecher Jürgen Schmidt fasste diese Ziele „für eine bessere Umwelt“ schon in seiner Schulzeit. 1980 startete Schmidt mit Sammelbestellungen für Umweltschutzpapier, das er damals aus der Schweiz bezog. Anfangs belieferte er nur seine Mitschüler und vertrieb das Papier auf dem Pausenhof. Aufgrund wachsender Nachfrage nach dem damals ungewöhnlichen Produkt belieferte er in seinem Abiturjahr bereits Schulen in ganz Deutschland. „Zusammen mit einem Freund im Internat hatte ich überlegt, was wir konkret für den Umweltschutz tun könnten. Er entdeckte, dass ein Großhändler ganz in der Nähe seiner Heimatstadt den Vertrieb für das neue Schweizer ,Original Umweltschutzpapier‘ übernommen hatte – und brachte nach einem Wochenende zu Hause in einer Reisetasche den ersten Stapel Schulhefte mit. Die haben wir dann in unserer Klasse angeboten. Das Papier war ziemlich grau und auch noch etwas rauh – aber weil wir weniger verlangten als normale Läden für weiße Hefte und uns auch einige Lehrer unterstützten, fanden wir schnell einen großen Kreis von Abnehmern.“ Nach dem Abitur 1982 meldete Schmidt sein erstes Unternehmen an. Während der Studien- und Lehrzeit baute er seinen „Handel mit umweltfreundlichen Produkten“ zu einem regionalen Großhandel für Schreib- und Papeteriewaren aus. Noch heute besteht der Vorstand der Memo zum größten Teil aus damaligen WG-Mitbewohnern und Freunden. 1990 ging der erste Katalog von 40 Seiten Umfang mit einer Auflage von 10000 Stück in Druck. Die Geschäftsidee kam an: 1991 erschien der zweite Katalog schon mit doppelter Seitenanzahl. „In den ersten Jahren unserer Geschäftstätigkeit waren wir ein reiner Business-to-Business-Versender, erklärt Schmidt. „Im Laufe der Jahre wurden aber zunehmend private Endverbraucher auf unsere Produkte aufmerksam.“ Im Jahr 2009 erschien erstmals ein Gesamtkatalog für Privatkunden. Deren Anteil liegt jetzt bei 15 Prozent. „Inzwischen sind die Memo-Markenprodukte auch in vielen Bioläden und bei Handelspartnern in fast allen europäischen Staaten erhältlich“, erklärt der Firmengründer.

Seit einem Jahrzehnt ist Memo eine Aktiengesellschaft. Jeder Mitarbeiter kann Anteile am Unternehmen halten. Schmidts Engagement wurde mit mehreren begehrten Umweltpreisen ausgezeichnet. Von den drei Sortimentsbereichen Bürobedarf, Werbemittel und Einrichtung, die rund 10000 Artikel umfassen, ist der erste der umfangreichste und umsatzstärkste. Kopierpapiere sind das meistverkaufte Produkt. „Artikel, die nur selten nachgefragt werden, finden auf Dauer keinen Platz im Katalog – eine Ausnahme bilden aber einige Nachfüllminen oder Druckerpatronen für exotische Geräte, die wir aus Gründen des Kundenservices anbieten“, erklärt Schmidt. Doch wenn man sich unter den Kunden „Öko-Tanten in Jesus-Latschen“ vorstellt, hat man weit gefehlt. „Es war von Anfang an unser Ziel, Öko-Produkte bei ganz normalen Unternehmen hoffähig zu machen“, erläutert der Unternehmensleiter. „Nach wie vor sorgen bei Memo gewerbliche Bestellungen für den größten Umsatzanteil. Darunter sind alle Branchen und Unternehmensgrößen vertreten – der Schwerpunkt liegt aber eher bei jüngeren, innovativen Unternehmen und bei Firmen im Dienstleistungssektor.“ Im Privatkundenbereich überwögen junge Familien. Insgesamt hat Memo rund 120000 Adressen im Kundenstamm, davon etwa 70000 Geschäftskunden. Memo wirbt nicht nur mit ihrem „Nachhaltig gut“-Konzept, sondern lebt es auch selbst: Alle beim Versand der Memo-Kataloge verursachten Kohlendioxid-Emissionen werden durch den Ankauf von Klimazertifikaten kompensiert. Auf dem Firmengelände steht eine Holzhackschnitzelanlage.

Auch Rosemarie Kleindl, Marketingleitung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ist vom Konzept überzeugt. „Memo ist ein wertvoller Botschafter für die Natur- und Umweltschutzziele des BUND. Denn so erhält BUND die Chance, neue Zielgruppen zu erreichen.“

Die Zahlen sprechen für den Erfolg der Unternehmensphilosophie. Die Umsatzzahlen sind seit der Gründung kontinuierlich gewachsen. 2004 wurden rund 12,6 Millionen Euro erzielt, 2008 waren es bereits 18,4 Millionen. Memo hat mehr als 100 Mitarbeiter, weit mehr als die Hälfte sind Frauen.

„Bis jetzt haben wir immer schwarze Zahlen geschrieben“, berichtet Jenifer Gabel, die Pressesprecherin. Vor der Finanzkrise hat Memo keine Angst. Schmidt verweist auf den britischen Ökonomen Nicholas Stern, der in seinem 2006 veröffentlichten Report aufgezeigt habe, dass der Klimawandel für die Weltwirtschaft mittelfristig eine weit größere Bedrohung darstellt als die aktuelle Krise. „Nach Ansicht von Experten würden die Auswirkungen des Klimawandels weit höhere Kosten verursachen als die Folgen der Finanzkrise“, erklärt Schmidt. Das zunehmende Bewusstsein für den Klimawandel und seine Ursachen verstärke nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Angebot an energieeffizienten Produkten.

Memo sieht sich als Pionier. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben das europaweit führende Versandhaus für ökologische Büro- und Schulartikel. Aber im konventionellen Bereich gibt es immer noch vielfach größere Anbieter. „Im Grunde hat Memo in zwei Marktbereichen Wettbewerber“, erläutert Schmidt, „einerseits konventionelle Büromittelanbieter – doch da punkten wir mit unserem nachhaltig ausgewählten Komplettsortiment, andere Anbieter haben nur kleine Teilsortimente in ökologischer Qualität –, andererseits die anderen Öko-Versender.“ Doch die böten vorrangig Textilien an und führten nur wenige Schreibwaren oder Schulartikel. „Wir bieten unsere ökologischen Alternativen zu marktgerechten Preisen an, die mit konventionellen Angeboten nicht nur mithalten können, sondern sogar noch oft darunter liegen.“

Carina Hübner
Siebold-Gymnasium, Würzburg


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