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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 07. Mai 2009 |
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Wenn ein Laster zur Mode wird
Taschenspiele rund um den Müll
Wie man aus Müll Mode macht und damit auch noch Erfolg hat, zeigt seit 1993 die Freitag Lab AG aus Zürich. Gründer und Namensgeber des Unternehmens sind die Graphikdesigner Markus und Daniel Freitag, die anfangs eigentlich nur eine möglichst funktionelle, wasserabweisende und belastbare Tasche zum Eigengebrauch konstruieren wollten. Inspiriert wurden die Brüder durch den bunten Schwerverkehr, der direkt vor ihrer Wohnung über die Züricher Transitachse brauste. Somit begannen sie, aus alten Planen von Lastwagen Kuriertaschen zu schneidern. Als Tragegurte benutzten sie gebrauchte Autogurte, als Einfassungen dienten alte Fahrradschläuche.
Aus dieser Idee hat sich ein Unternehmen mit derzeit rund 60 Mitarbeitern entwickelt, gut 40 verschiedene Modelle der „LKW-Planen-Tasche“, überwiegend zu Preisen zwischen rund 100 und 150 Euro, sind im Angebot. Produziert wird in einer kleinen Halle in der Stadtmitte von Zürich. Jede einzelne Tasche wird in reiner Handarbeit gefertigt. 200 Tonnen Planen, entsprechend einer 50 Kilometer langen Kolonne von Lastwagen, 75000 Fahrradschläuche und 25000 Autosicherheitsgurte werden dort jährlich verarbeitet. „2008 wurden daraus 170000 Taschen hergestellt“, erklärt Cindy Ortlieb von der Marketingabteilung. Da jede Tasche aus einem anderen Teil einer Lastwagen-Plane entsteht, ist jede ein Unikat. „Diese Planen werden von den Speditionen von den Lastwagen genommen, weil sie Löcher und Risse haben oder das Logo der Firma gewechselt hat. Dies geschieht ungefähr alle fünf Jahre. Die Planen können nicht weiterverwendet werden, und die Speditionen müssten sogar noch für die Entsorgung aufkommen. Was für die einen wertlos ist, ist für uns jedoch ein wertvoller Rohstoff. Wir freuen uns, dass wir damit einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz leisten können, indem wir etwas Altes einer neuen Verwendung zukommen lassen können“, erklärt Ortlieb. Um die schönsten Planen in Europa ausfindig zu machen, hat das Unternehmen eine extra Abteilung eingerichtet, die dafür „auch gerne mal einen Tag an den Raststätten steht und Ausschau nach den schönsten Trucks hält“.
Freitag-Taschen gibt es mittlerweile weltweit in mehr als 360 Verkaufspunkten, vier eigenen Flagship-Stores (davon zwei in Deutschland) sowie im Online-Shop, in dem sich jeder mittlerweile seine eigene Tasche entwerfen kann. Die umsatzstärksten Absatzländer sind die Schweiz, Deutschland, Italien und Japan. Zum Gesamtumsatz macht das Unternehmen keine Angaben; die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet von rund 23 Millionen Euro, die aber nicht bestätigt werden.
Auch in Würzburg werden seit fünf Jahren diese Taschen angeboten. Die Ladeninhaberin Sabine Weber des Café Centrale ist in erster Linie Besitzerin einer Kaffeebar, doch sie schildert, dass sie bereits zu Beginn den Wunsch hatte, auch skurrile Geschenkartikel zu verkaufen. Zu ihrer ersten Auswahl gehörten diese Taschen. Weber berichtet, dass sie sich bewusst für den Verkauf der Freitag-Taschen entschieden hatte, da ihr die Idee, aus Recycling-Material einen Gebrauchsgegenstand zu schaffen, besonders gut gefiel. 2008 war für sie ein außergewöhnlich gutes Jahr für den Verkauf dieser Artikel. Für Weber liegen die Besonderheiten der Tasche in ihrer „durchdachten und nicht schluderigen Idee“. Weber denkt auch, dass die Freitag-Taschen nicht nur für Studenten, wie zu Beginn gedacht, gemacht sind. Sie erklärt, dass „viele Geschäftsleute, egal ob Männer oder Frauen, diese Taschen auf Grund ihrer Wasserdichtigkeit benutzen“. Ihre älteste Kundin war 72 Jahre alt.
Das Unternehmen hat mehrere Auszeichnungen erhalten. Darunter den Design Preis Schweiz. Ein Modell wurde 2003 sogar in die Kollektion des Museum of Modern Art in New York aufgenommen. Inzwischen stellt Freitag nicht nur Taschen her, sondern auch Fußbälle, Geldbeutel und Schlüsselanhänger. Das neueste Produkt ist eine Hülle für das iPhone.
Laura Bodenbender
Siebold-Gymnasium, Würzburg

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