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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 06. März 2008

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Mit Adapter, für alle
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Wo man gerne auf dem Trockenen sitzt
Die handliche Toilette für unterwegs ist gefragt

Die Ferien haben begonnen, und Tausende von Urlaubern verstopfen mit ihren Autos die Autobahnen. Meist drückt gerade in dem Moment, in dem vor einem nichts mehr geht, auch noch die volle Blase. Jeder, der sich schon einmal in einer solchen Notsituation befunden hat, weiß, was man in diesem Moment für eine Lösung tun würde.

"Alles", sagt Rolf Engelhardt, Geschäftsführer der Orlimed Vertriebsgesellschaft für Medizinprodukte mbH in Filderstadt, und gibt damit die Antwort seiner Kunden wieder. Engelhardt war weltweit der Erste, der sich eine Lösung für dieses Problem hat einfallen lassen.

Das Produkt mit dem Namen Jonhy Wee, die Minitoilette für unterwegs, ist kaum größer als eine Zigarettenpackung und daher sehr gut zu verstauen. Das Unisexprodukt ist für Männer, Frauen und Kinder geeignet und hat aus diesem Grund eine speziell für Frauen entwickelte Öffnung. Das Fassungsvermögen des Urinbeutels liegt bei 600 Millilitern, was oft für zwei Benutzungen reicht. Es gibt aber auch das Modell Jumbo, das einen Liter fasst. Der Beutel ist mehrere Wochen geruchsneutral und leicht im Restmüll zu entsorgen.

Die Idee zu dieser Erfindung kam dem Geschäftsführer allerdings nicht auf der Autobahn, sondern in einem Herzkatheterlabor. Die operierten Patienten müssen dort oft mehrere Stunden liegen bleiben, und so ist es keine Seltenheit, dass die Krankenschwester mit der Urinflasche gerufen wird.

Diese Tatsache beschäftigte Engelhardt im Jahr 2004 so sehr, dass er, zurück in seinem Büro, aus einer Flasche, einem Beutel und einer Damenbinde den Prototyp für Jonhy Wee fertigte. Später ersetzte er die Damenbinde durch Polymerkristalle, wie sie vor allem in Babywindeln Verwendung finden. Ähnlich funktioniert auch die Minitoilette, denn bereits wenige Sekunden nach Eintreten der Flüssigkeit wird diese gefestigt, und es entweicht selbst beim Kopfüberhalten keine Flüssigkeit mehr.

Das hauptsächlich für den Medizinbereich vorgesehene Produkt, das zwischen 7 und 10 Euro im Dreierpack kostet, fand mit der Zeit immer mehr Zuspruch von Privatkunden. So wollten neben den Krankenhauspatienten auch Segelflieger, Jäger, Kanufahrer und Camper die Nottoilette erwerben. Laut Engelhardt kommt seine Erfindung mittlerweile auch auf Freiluftkonzerten und in Panzern der Bundeswehr in Afghanistan zum Einsatz. Der Name Jonhy Wee wurde in Zusammenarbeit mit südafrikanischen Kollegen gefunden; er führt umgangssprachliche Ausdrücke für die Notdurft aus dem Englischen ("to go to the john" und "to wee") zusammen und soll aufgrund der ungewöhnlichen Schreibweise in den Köpfen der Kunden erhalten bleiben.

Inzwischen gibt es ähnliche Produkte auf dem Markt. Zum Beispiel den Roadbag von der Kets GmbH in Köln. Der ist nur für Männer und nicht für den medizinischen Bereich gedacht, sondern eher für die Freizeitaktivitäten der Privatkunden.

In der Werbung verfolgen die Unternehmen verschiedene Strategien. Für den Roadbag erfolgt die "Promotion durch Radio, Presse und TV" sagt Eva Maria Tinter, Geschäftsführerin der Kets. Engelhardt allerdings geht einen anderen Weg. "Für Werbung gebe ich kein Geld aus", sagt er, "die Printmedien springen einem hinterher." Weltweit würden jährlich ungefähr 1,5 bis 1,8 Millionen Dreierpäckchen des Jonhy Wee vertrieben, sagt der Geschäftsführer Orlimeds. Diese Zahlen sind für den seit 2006 hergestellten Roadbag, den man im Dreierpack für 4,50 Euro erwerben kann, noch nicht zu erreichen. "Wir stehen erst am Anfang und haben insgesamt 150000 fertigen lassen", sagt Tinter. Die Produktionsstandorte beider Unternehmen liegen mehrere tausend Kilometer voneinander entfernt. Während der Roadbag in Deutschland und der Slowakei produziert wird, findet die Produktion des Jonhy Wee in Südafrika statt. "Dies ergab sich durch private Kontakte", sagt Engelhardt. Die Produkte sind in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich und lassen sich über das Internet bestellen.

Aufgrund der hohen Verkaufszahlen macht der Umsatz mit Jonhy Wee gut 15 bis 18 Prozent des Gesamtumsatzes der Firma aus Filderstadt aus, die einen Jahresumsatz von 2,6 bis 2,8 Millionen Euro ausweist. Jedoch erwartet der seit 1977 in der Medizinbranche tätige Engelhardt für die nächsten Jahre ein eher zurückhaltendes Kaufverhalten seiner Kunden, da im medizinischen Bereich immer mehr gespart wird. Tinter hingegen erwartet für ihr Unternehmen eine steigende Umsatzentwicklung, allerdings stellt der Roadbag auch den Gesamtumsatz des Kölner Unternehmens.

Dass Jonhy Wee von vielen noch mit Skepsis betrachtet wird, ist für Rolf Engelhardt verständlich. "Der beste Vergleich", sagt er, "ist das Papiertaschentuch. Dieses wurde früher als unhygienisch empfunden, weil man es nicht waschen konnte. Mittlerweile gibt es kaum jemanden, der es nicht benutzt." Einen ähnlichen Siegeszug erhofft er sich für seinen Pinkelbeuteln auch, immerhin schaffte es sein Produkt schon in den Kinderbrockhaus.

Sollte diese Erfolgsstory eintreten, hätten viele gestresste Autofahrer zur Ferienzeit nur noch ein volles Problem - die vollen Straßen.
Christoph Weigel
Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen


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