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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 06. März 2008

Erfolg ohne Bohren
Mit einem Kleber an die Wand gedrückt

Ein Zuhause ohne Bohrlöcher verspricht ein junges Unternehmen seinen Kunden. Die 2005 gegründete Nie wieder bohren AG aus Hanau wurde schon zwei Jahre später von Hessens Ministerpräsident Roland Koch in der Kategorie Jobmotor als Hessen Champion 2007 ausgezeichnet. Dieser Erfolg des Unternehmens ist auf eine Idee zurückzuführen, eine Befestigungsalternative zum konservativen Bohren zu entwickeln.

Die Idee hatte Ernst-Georg Ortwein im Jahr 2000, als er ein System suchte, bei dem ein hochwertiger Untergrund durch die Befestigung nicht beschädigt wird. Die Lösung fand er mit einem Einkomponentenkleber und dem patentierten runden Nie-wieder-bohren-Adapter, der mittels des Klebers, wie er auch im Flug- oder Fahrzeugbau benutzt wird, an der Oberfläche befestigt wird. Nach einer Trockenzeit von zwölf Stunden hält der Adapter sicher an der Wand. Daran kann man nun die gewünschten Objekte montieren, zum Beispiel Seifenspendereinrichtungen oder Handtuchhalter. Um den Adapter zu entfernen, dreht man ihn mit einer Zange ab oder hintersticht ihn mit einem dünnen Spachtel. Haftrückstände werden mit einem Glasschaber oder einem Silikonentferner beseitigt. Die Adaptersysteme sind von 5 Euro aufwärts bis zu 140 Euro zu erwerben.

Alleinvorstand Frank Braun machte aus der Idee eine Kapitalgesellschaft, in die rund 4 Millionen Euro Eigenkapital von privaten Geldgebern investiert wurden. Das Unternehmen wächst schnell: Der Umsatz lag im Jahr 2006 bei 1,6 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es schon rund 5 Millionen Euro. "Gewinn machen wir derzeit noch keinen, da wir sehr hohe Investitionen in Neuprodukte haben", sagt Sprecherin Christiane Nadol. Die Gesellschaft hat in den zwei Jahren Unternehmensgeschichte 14 Serien von Badeaccessoires entwickelt, die über den Hauptvertriebskanal, den Baumarkt, angeboten werden. Die Badeaccessoires bilden für das Unternehmen mit derzeit noch mehr als 90 Prozent den Hauptmarkt.

Die Nie wieder bohren AG bezeichnet ihre Erfindung selbst als "die Revolution in der Befestigungstechnik", aus Sicht des Unternehmens brachten die Produkte neue Bewegung in den stagnierenden Markt der Befestigungstechnik und Wohnaccessoires und eine neue Marktanteilverteilung mit sich.

Das Unternehmen habe genau den Geschmack der Kunden getroffen - bei der Montage, im Design und in der Namensgebung, sagt Dietmar Glawa von der Toom Baumarkt GmbH, die die Produkte vertreibt. Allerdings nicht exklusiv. Die bedingte Abhängigkeit von den Bauhaus-Baumärkten, die als Erste die Artikel der Nie wieder bohren AG angeboten hat, wurde durch neue Handelskunden überwunden. Mittlerweile haben rund 300 Baumärkte aus verschiedenen Ketten die Artikel in ihrem Sortiment. Mit Blick in die Zukunft spricht Nadol von einer Erweiterung auf ungefähr 700. Auch durch neue Vertriebskanäle wie Sanitärfachhandel, Möbelhäuser und Internetshops wird die Reihe der Kunden stetig erweitert. "Unser Marktanteil lässt sich sehr schwer bemessen, aber eines ist sicher: Er wächst stetig und stark", sagt die Sprecherin. Toom kann dies bestätigen: "Durch ihre Innovationskraft hat die Nie wieder bohren AG einen wichtigen Stellplatz im Einzelhandel eingenommen, erklärt Glawa. Werbung gibt es nicht viel. Das Unternehmen setze vor allem auf Mundpropaganda, sagt die Pressesprecherin. Kunde Julius Brömser schätzt das Befestigungssystem wegen seiner einfachen Handhabung und der hohen Belastbarkeit. Der TÜV hat bestätigt, dass die Zugbelastung bei einem Durchmesser von 38 Millimetern bis zu 120 Kilogramm und bei einem Durchmesser von 50 Millimetern sogar bis zu 300 Kilogramm beträgt.
Manuel Schamari
Rheingauschule Geisenheim


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