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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 06. März 2008

Bohren mit Erfolg
Ohne Tunnellokomotiven läuft nichts

Jeder kennt die großen Tunnelbaumaschinen, die sich durch das Gestein arbeiten, aber ihre kleinen Helfer werden oft außer Acht gelassen. Tunnelbaulokomotiven sind genauso notwendig für den Tunnelbau.

Die Christoph Schöttler Maschinenfabrik GmbH (Schöma) aus Diepholz in Niedersachsen ist weltweit Marktführer in der Herstellung dieser und anderer hochspezialisierter Industrielokomotiven. Zusätzlich werden leichte Personentransportlokomotiven hergestellt. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei Tunnellokomotiven. Die Schöma wurde 1930 von Christoph Schöttler gegründet und befindet sich bis heute im Familienbesitz. Sie produziert mit 130 Mitarbeitern ausschließlich in Diepholz auf 25000 Quadratmetern Firmenfläche. "Hinzu kommen jährlich um die 12 Auszubildende, die meistens auch in die Firma übernommen werden", sagt Personalchef Christian Wilnert. "So wirkt sich auch nicht der Fachkräftemangel aus." Das Unternehmen habe ein eigenes Konstruktionsbüro zur Entwicklung kundenspezifischer Anforderungen, sagt Gert Lübker, Konstrukteur und Projektleiter. Mit Produktpiraterie hat die Schöma trotz Aufträgen auch in China kaum zu kämpfen, da jede Lok eine Art Blackbox mit einer Software besitzt, die nicht zu kopieren ist.

Hier liegt der Schlüssel des Erfolges, denn die Schöma bietet kein Produkt an, das der Kunde übernehmen muss, sondern eine speziell für ihn entwickelte Lokomotive. Daher unterscheiden sich auch fast alle Loks. Durch die hohe Spezialisierung bewegt sich das Preisspektrum für Schöma-Lokomotiven zwischen 20000 und 1 Million Euro. Der größte Konkurrent ist die GIA aus Schweden. "Aber wir sind auch deswegen Marktführer, da wir mit unserem Namen für 40 Jahre zuverlässige Qualität stehen, und das wissen die Kunden", sagt Wilnert. Die größte Angst der Schöma ist, dass große Hersteller wie Siemens oder Bombardier auf den Markt drängen, "aber für die lohnt die Produktion dieser speziellen Produkte nicht, denn sie sind auf größere Schienenfahrzeuge und Stückzahlen eingestellt". Die Aufträge kommen meistens vom Staat. Die Produktionskapazitäten sind ausgelastet, daher stagniert der Umsatz auch bei rund 30 Millionen Euro im Jahr. Vor 10 Jahren war es allerdings erst die Hälfte. "Unsere Schwerpunkte sind die Schweiz, Spanien und Iran", sagt Lübker. Die größten Projekte der Schöma waren bisher die Lieferung von 120 Lokomotiven zum Kanaltunnelbau, 70 Lokomotiven für den Gotthard-Basistunnel, die Entwicklung elektrischer Loks mit kombiniertem Fahrdraht-Batterieantrieb für die Metro Singapur und 14 Servicelokomotiven für die London Underground. 2006 wurde die sechstausendste Lok ausgeliefert. Auch in Zukunft wird Schöma ausgelastet sein: In einigen Jahren soll der Bau eines Tunnels durch den Brenner beginnen.
Nils Theinert
Gymnasium der Stadt Rahden


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